Schily kickt Microsoft aus Behörden
Von Wihofszki und Martin Virtel, Hamburg
Innenminister Otto Schily hat dem Technologiekonzern IBM zu einem Erfolg über den Konkurrenten Microsoft verholfen. Schily und der Deutschlandchef von IBM, Erwin Staudt, unterzeichneten am Montag in Berlin einen Vertrag, wonach Behörden-Computer vom Microsoft-Programm Windows auf das offene Betriebssystem Linux umgerüstet werden.
IBM wird das Projekt als Dienstleister betreuen. Deutschland wird damit zum Testfall, ob IBM mit seiner Linux-Initiative den bisher unangefochtenen Marktführer Microsoft erfolgreich angreifen kann. Schily begründete den Zuschlag für das Duo IBM/Linux mit einem kaum verschleierten Angriff auf den Quasi-Monopolisten Microsoft. "Wir erhöhen die IT-Sicherheit durch die Vermeidung von Monokulturen. Wir verringern die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, und wir sparen beim Kauf der Software sowie bei den laufenden Kosten", sagte Schily. Der Innenminister folgt damit der Argumentation von zahlreichen Experten, die Microsoft vorwerfen, nicht genügend Sicherheit vor Computerviren zu bieten und zu teuer zu sein.
Die Entscheidung des Innenministers sei eine herbe Niederlage für Microsoft, urteilte Charles Homs, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester. "Das ist ein bedeutender Schritt. Jetzt werden weitere Regierungen Linux als Alternative zu Microsoft erkennen", sagt der Fachmann. Homs schätzt, dass europäische Regierungen in diesem Jahr 39 Mrd. Euro für Informationstechnologie (IT) ausgeben werden. Allein die Anzahl der von der geplanten Umrüstung betroffenen Rechner bei deutschen Behörden schätzen Experten auf mehrere Hunderttausend.
Neues Preismodell
Microsoft nutzt seine Marktmacht derweil, um seinen Firmenkunden ein neues Preismodell für Softwarelizenzen aufzudrängen. Am 31. Juli endet eine Frist, mit der Microsoft Unternehmen zu einem Software-Abonnement bewegen will. Für eine feste Abogebühr kann der Lizenznehmer alle neuen Versionen eines Microsoft-Programms nutzen.
Allerdings wollen das die meisten Unternehmen gar nicht. Ihnen genügt es, eine Programmversion mehrere Jahre zu nutzen. Beim neuen Preismodell müssten sie aber jedes Jahr Geld an Microsoft überweisen, egal ob sie ihre Software durch eine neue Version ersetzen oder nicht. Für den Softwarekonzern würde das Preismodell stetige und langfristig planbare Umsätze garantieren. Auf Anfrage der Financial Times Deutschland bezeichnete der IT-Verantwortliche eines Großkonzerns das Vorgehen als "erpresserisch".
Linux-Software ist dagegen grundsätzlich kostenfrei erhältlich. Dienstleister verdienen ihr Geld damit, dass sie das im Internet frei verfügbare Programm zu marktreifen Versionen bündeln. Zu den Programmen werden Dienstleistungen und Wartungsverträge angeboten.
Vergangene Woche schlossen sich vier Linux-Anbieter zusammen, um einen weltweiten Standard für das Betriebssystem zu schaffen. Eines der beteiligten Unternehmen ist Suse Linux aus Nürnberg.
Zersplitterter Markt
Der Zusammenschluss der ehemaligen Rivalen war von IBM maßgeblich vorangetrieben worden. Mit dem weltweiten Standard unter dem Namen United Linux hoffen die Anbieter, ihre Chancen auf künftige Geschäfte mit global tätigen Großkonzernen zu erhöhen. Die Initiative ist allerdings erst ein Anfang, den zersplitterten Markt der meist unprofitablen Linux-Anbieter zu konsolidieren.
Sollten weitere Länder dem Bespiel Deutschlands folgen und Linux als Betriebssystem für ihre Behörden ordern, könnte IBM von solchen Aufträgen profitieren. Das Unternehmen hatte sich frühzeitig entschieden, auf Linux zu setzen. In den vergangenen zwei Jahren investierte IBM weltweit 1,3 Mrd. $, um für das Betriebssystem zu werben, das Programm weiterzuentwickeln sowie Service und Vertrieb aufzubauen.
Behörden sind ein lukrativer Markt für IT-Unternehmen, da Computer und Software in den Amtsstuben meist veraltet sind. Zudem erwarten Bürger zunehmend, dass Ämter es ihnen beispielsweise ermöglichen, per Internet Adressen zu ändern, Ausweise zu verlängern oder Steuererklärungen abzugeben. Für derartige Leistungen müssen Behörden zwangsläufig in moderne Computertechnik investieren.
Von Wihofszki und Martin Virtel, Hamburg
Innenminister Otto Schily hat dem Technologiekonzern IBM zu einem Erfolg über den Konkurrenten Microsoft verholfen. Schily und der Deutschlandchef von IBM, Erwin Staudt, unterzeichneten am Montag in Berlin einen Vertrag, wonach Behörden-Computer vom Microsoft-Programm Windows auf das offene Betriebssystem Linux umgerüstet werden.
IBM wird das Projekt als Dienstleister betreuen. Deutschland wird damit zum Testfall, ob IBM mit seiner Linux-Initiative den bisher unangefochtenen Marktführer Microsoft erfolgreich angreifen kann. Schily begründete den Zuschlag für das Duo IBM/Linux mit einem kaum verschleierten Angriff auf den Quasi-Monopolisten Microsoft. "Wir erhöhen die IT-Sicherheit durch die Vermeidung von Monokulturen. Wir verringern die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, und wir sparen beim Kauf der Software sowie bei den laufenden Kosten", sagte Schily. Der Innenminister folgt damit der Argumentation von zahlreichen Experten, die Microsoft vorwerfen, nicht genügend Sicherheit vor Computerviren zu bieten und zu teuer zu sein.
Die Entscheidung des Innenministers sei eine herbe Niederlage für Microsoft, urteilte Charles Homs, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Forrester. "Das ist ein bedeutender Schritt. Jetzt werden weitere Regierungen Linux als Alternative zu Microsoft erkennen", sagt der Fachmann. Homs schätzt, dass europäische Regierungen in diesem Jahr 39 Mrd. Euro für Informationstechnologie (IT) ausgeben werden. Allein die Anzahl der von der geplanten Umrüstung betroffenen Rechner bei deutschen Behörden schätzen Experten auf mehrere Hunderttausend.
Neues Preismodell
Microsoft nutzt seine Marktmacht derweil, um seinen Firmenkunden ein neues Preismodell für Softwarelizenzen aufzudrängen. Am 31. Juli endet eine Frist, mit der Microsoft Unternehmen zu einem Software-Abonnement bewegen will. Für eine feste Abogebühr kann der Lizenznehmer alle neuen Versionen eines Microsoft-Programms nutzen.
Allerdings wollen das die meisten Unternehmen gar nicht. Ihnen genügt es, eine Programmversion mehrere Jahre zu nutzen. Beim neuen Preismodell müssten sie aber jedes Jahr Geld an Microsoft überweisen, egal ob sie ihre Software durch eine neue Version ersetzen oder nicht. Für den Softwarekonzern würde das Preismodell stetige und langfristig planbare Umsätze garantieren. Auf Anfrage der Financial Times Deutschland bezeichnete der IT-Verantwortliche eines Großkonzerns das Vorgehen als "erpresserisch".
Linux-Software ist dagegen grundsätzlich kostenfrei erhältlich. Dienstleister verdienen ihr Geld damit, dass sie das im Internet frei verfügbare Programm zu marktreifen Versionen bündeln. Zu den Programmen werden Dienstleistungen und Wartungsverträge angeboten.
Vergangene Woche schlossen sich vier Linux-Anbieter zusammen, um einen weltweiten Standard für das Betriebssystem zu schaffen. Eines der beteiligten Unternehmen ist Suse Linux aus Nürnberg.
Zersplitterter Markt
Der Zusammenschluss der ehemaligen Rivalen war von IBM maßgeblich vorangetrieben worden. Mit dem weltweiten Standard unter dem Namen United Linux hoffen die Anbieter, ihre Chancen auf künftige Geschäfte mit global tätigen Großkonzernen zu erhöhen. Die Initiative ist allerdings erst ein Anfang, den zersplitterten Markt der meist unprofitablen Linux-Anbieter zu konsolidieren.
Sollten weitere Länder dem Bespiel Deutschlands folgen und Linux als Betriebssystem für ihre Behörden ordern, könnte IBM von solchen Aufträgen profitieren. Das Unternehmen hatte sich frühzeitig entschieden, auf Linux zu setzen. In den vergangenen zwei Jahren investierte IBM weltweit 1,3 Mrd. $, um für das Betriebssystem zu werben, das Programm weiterzuentwickeln sowie Service und Vertrieb aufzubauen.
Behörden sind ein lukrativer Markt für IT-Unternehmen, da Computer und Software in den Amtsstuben meist veraltet sind. Zudem erwarten Bürger zunehmend, dass Ämter es ihnen beispielsweise ermöglichen, per Internet Adressen zu ändern, Ausweise zu verlängern oder Steuererklärungen abzugeben. Für derartige Leistungen müssen Behörden zwangsläufig in moderne Computertechnik investieren.