Datum 19.08.2001
Thema Moorhuhn kriegt Kollegen
Quelle EURO am Sonntag
PHENOMEDIA: Aktie ist von ihren Höchstkursen weit entfernt
Das "Moorhuhn" hat Phenomedia bekannt gemacht. Doch der Spiele-Entwickler hat mehr zu bieten - etwa "Gnarf" oder "Sven, das Schaf".
WKN:
541490 Akt. Kurs (Fr.18.30 Uhr, €): 11,75
Ausgabepreis (€): 22,50
Erstnotiz (22.11.1999, €): 28,50
2002er-KGV: 7,7
Stopp-Kurs (€): 10,80
PHENOMEDIA ist auf dem jetzigen Kursniveau unterbewertet. Mit einer Ebit-Marge von 38 Prozent sind die Bochumer,
"" das profitabelste Unternehmen am Neuen Markt "".
************************************************** Sie haben von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben und wollen die Gewinnmarge auch in den nächsten Jahren halten. Die Aktie sollte schnell wieder auf Kurse um die 20 Euro steigen. Die Analysten des Bankhauses Lampe raten Anlegern zum Kauf der Aktie. Sie sehen den fairen Wert bei 24,30 Euro.
Das Moorhuhn Spiel wurde bis jetzt 40 Millionen Mal aus dem Internet heruntergeladen. Zusätzlich gingen 300 000 CDs über die Ladentische. Inzwischen gibt es von der Kaffeetasse bis zur Unterhose 150 verschiedene Merchandising-Artikel rund um das Federvieh. Allein 20 Prozent des geplanten Umsatzes von 18,4 Millionen Euro soll es einspielen.
In der vergangenen Woche gaben die Bochumer den größten Auftrag in ihrer Firmengeschichte bekannt: Mit dem österreichischen Unternehmen Jowood Productions wurde ein Vertrag über die Vermarktung von neun Phenomedia-Spielen abgeschlossen. Das Gesamtvolumen des Kontrakts - 8,1 Millionen Euro - entspricht mehr als der Hälfte des gesamten Phenomedia-Umsatzes im Geschäftsjahr 2000. Jowood, die selbst an der Wiener Börse notiert sind, übernehmen den Vertrieb, während Phenomedia die Inhalte liefert. Doch erstaunlicherweise interessierte diese Nachricht so recht niemanden.
Selbstkritisch gibt Scheer zu, in der Vergangenheit zu wenig für seine Aktionäre getan zu haben. "Leider verstehen viele Leute unser Geschäftsmodell nicht richtig", so der Phenomedia-Chef weiter. "Sie gehen immer davon aus, dass wir nur Werbespiele wie das Moorhuhn machen und sich so ein Erfolg nicht mehr wiederholen lässt."
Doch das Unternehmen setzt nicht nur auf ein Pferd. Das Geschäft ruht vielmehr auf drei Beinen: Hauptgeschäftsfeld ist die Entwicklung und Lizensierung von Computerspielen. Dabei unterscheiden die Bochumer zwischen Internet-Spielen, wie beispielsweise "Gnarf", Vollpreisspielen wie "Kicker-Fußballmanager", Spielen für das untere und mittlere Preissegment sowie Werbespielen, die im Auftrag anderer Firmen entwickelt werden.
Im zweiten Geschäftsfeld werden die entwickelten Charaktere und Spiele auf interaktive Plattformen wie Handys, Spielekonsolen oder Palms gebracht. Dieser Markt steckt derzeit noch in den Kinderschuhen, soll aber bis 2005 um durchschnittlich 350 Prozent auf dann fünf Milliarden Dollar regelrecht explodieren. Das prognostizieren zumindest die Marktforscher von Datamonitor für die USA und Westeuropa. Der Mobilbereich hat für Anbieter wie Phenomedia einen großen Vorteil. Im Gegensatz zu den Internet-Nutzern sind die Anwender hier bereits daran gewöhnt, für Inhalte zu bezahlen.
Im dritten Geschäftsfeld arbeiten die Bochumer auch für andere Spieleproduzenten. Hierfür werden so genannte Engines entwickelt. Das sind aufwendig programmierte 3D-Grafiken wie Landschaftsbilder, die in den verschiedensten Spielen als Hintergrundfläche dienen. "Ohne diese Engines wäre es nicht möglich, ein Vollpreisspiel unter 18 Monaten zu programmieren", erklärt Scheer.
Der Westfale ist überzeugt, dass das Geschäft auch weiter brummt. "Wir werden in Zukunft noch für die eine oder andere positive Überraschung sorgen", ist sich der Vorstands-Chef sicher. Erfolg versprechende Spiele hat er jedenfalls genug in der Hinterhand: Neben "Moorhuhn 3" soll in den kommenden Monaten mit der Neuentwicklung "Sven, das Schaf" an die Erfolge des Federviehs angeknüpft werden. Das schwarze Schaf Sven hat die Aufgabe, die weißen Schäfchen in seiner Herde zu beglücken. Über jedem schwebt ein Wölkchen, das anzeigt, wie dringend es dem Tier nach Beglückung verlangt. Befinden sich über einem liebeshungrigen Schäfchen dunkle Gewitterwolken, muss Sven schnell ans Werk. Er darf dabei aber nicht dem Schäfer oder dessen Hirtenhund in die Quere kommen.
Mit "Catch the spearm" hat Phenomedia ein Spiel auf den Markt gebracht, das in über 100 Ländern erfolgreich angelaufen ist. Hierbei handelt es sich um ein Werbespiel zum Kampf gegen Aids im Auftrag des Schweizer Gesundheitsministeriums. Wie bei allen Werbespielen bleiben die Rechte grundsätzlich bei Phenomedia. So haben die Bochumer die Möglichkeit, das Spiel weiter zu vermarkten und vielleicht irgendwann einen zweiten Volltreffer zu landen - ähnlich wie beim Überraschungserfolg Moorhuhn.

Gruß, hennesy