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Weitere 500 Mio EUR Investition in die E Mobilität und hohe Auftragsvolumina versprechen eine positive Wachstumsstory für die kommenden Jahre. Die Vielzahl der Investitionsvorhaben zeigt ein Unternehmen im Wandel. Die jahrelange negative Kursreaktion auf eben diesen Wandel ist m.E. auch Ausdruck einer typisch deutschen Skepsis ggü. Neuerungen. Während man Schaeffler in den USA für die in den letzten Jahren bewiesene Innovationsfähigkeit und die Zukunftsvision eines weltweit führenden Industrieunternehmens in den Zukunftsbranchen E Mobility und Renewables abfeiern würde, denkt die deutsche Krämerseele nur extrem kurzfristig in Quartalsberichten, unfähig das wahre Potenzial des Unternehmens auch nur näherungsweise einzupreisen.
Würden Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon oder Tesla wie deutsche Industrieunternehmen nur anhand der aktuellen Quartalszahlen bzw. anhand des Buchwerts des Eigenkapitals bewertet, läge die Marktkapitalisierung irgendwo zwischen 10% und 25% der tatsächlichen Marktwerte.
KBVs unter 1 sind im US Tech Sektor absolut undenkbar. In Deutschland reden wir zwar ständig von der herausragenden Bedeutung immaterieller Vermögenswerte für den Unternehmenswert, in der Realität gesteht der deutsche Kapitalmarkt aber selbst Innovationsmonstern wie Schaeffler null Goodwill zu. Im Gegenteil bewerten wir Schaeffler, ElringKlinger, VW und Co sogar mit teilweise gewaltigen Abschlägen zum Buchwert des EK, sprich unter Berücksichtigung eines Badwill.
German Angst scheint unser gesamtes Handeln mittlerweile derart zu dominieren, dass wir uns kollektiv in Negativszenarien, Rezessionsängsten und Weltuntergangsstimmung baden, statt positiv in die Zukunft zu blicken.
Wenn mit Energiekrise, Klimawandel etc. die Welt unserer Industrieunternehmen tatsächlich unterginge, wer sollte dann Microsoft horrende Lizenzen für die Nutzung von Chat GPT bezahlen?
Eine Wette auf KI kann nur vernünftig sein, wenn sich mit KI auch die Gewinne der diese nutzenden Industrieunternehmen dramatisch erhöhen. Wenn nicht, werden Microsoft, Google, Meta und Co. keine zahlungskräftigen Abnehmer für ihre KIs finden.
Demnach erachte ich es als betriebswirtschaftlich irrational, die gesamte Zukunftsphantasie des Kapitalmarkts bei Microsoft, Tesla und Co abzuladen und insbesondere deutschen Industrieunternehmen kollektiv den Untergang vorherzusagen. Anders lassen sich KGVs von 3 oder 5 m.E. nicht rechtfertigen.
Insbesondere deutsche Kapitalanleger scheinen sich seit der Finanzkrise 2010 an dauerhaft ultraniedrige KGVs von Industrieunternehmen gewöhnt zu haben, dass selbst bei Profi-Analysten zwischenzeitlich jedwedes Gefühl für Fehlbewertungen verloren gegangen zu sein scheint.
Bei Schaeffler kommen erschwerend das deutsche Mittelstandsphänomen stimmrechtsloser Vorzugsaktien und die fehlende Kurspflege bzw. die Intransparenz / Ignoranz gegenüber den Informationsbedürfnissen des Kapitalmarkts hinzu.
Das Ergebnis dieser geradezu toxischen Belastungsfaktoren sieht man im Aktienkurs.
Objektiv betrachtet bleibe ich bei meiner Einschätzung einer massiven Unterbewertung der Schaeffler Aktie. Den inneren Wert sehe ich bei einem KUV von 1 bzw. ca. 25 EUR je Aktie. Ob das theoretische 400% Kurspotenzial allerdings in den kommenden Jahren gehoben werden kann, steht in den Sternen. Ohne Änderung der Kommunikationspolitik und klaren Fokus auf Shareholder Value, dürfte eine deutliche Annäherung an den inneren Wert wohl Wunschdenken bleiben.
Sollte hingegen irgendwann doch ein Übernahmeangebot kommen, dürfte die Aktie geradezu explodieren. Die Shortseller jedenfalls scheinen dieses Szenario derzeit für hochunwahrscheinlich zu erachten oder schlicht auszublenden. Es wäre allerdings auch nicht das erste Mal, dass Kapitalmärkte ein Unternehmen systematisch und nachhaltig falsch bewerten.
Für die kurz- mittel- und langfristige Unternehmensentwicklung des Schaeffler Konzerns bin ich sehr zuversichtlich. Was die Aktie daraus macht, wird sich zeigen.