Die alte Gesetzmäßigkeit, wonach die Börse in schwachen Phasen die am schlechtesten gelaufenen Aktien am stärksten abstrafen, scheint sich erneut zu bewahrheiten.
Die miese deutsche Wirtschaftsstimmung scheint sich wie Mehltau auf die Schaeffler Aktie gelegt zu haben und egal welche Fundamentaldaten das Unternehmen auch bringt, der Kurs geht immer weiter bergab.
Heute wieder Dauerdruck der Shortseller über die Bidseite auf Xetra. Es gibt null Erholung und vor allem null Haltesignal seitens der Kaufseite.
Seit dem Intraday Zwischenhoch bei 5,89 hat die Aktie binnen weniger Handelstage unter Witzumsätzen bereits wieder 8% abgegeben.
Das fehlende Kaufinteresse und die niedrigen Tagesumsätze sind ein Alarmsignal.
Offenbar spekulieren hier einige auf noch deutlich tiefere Kurse und zugleich verhalten sich potenzielle Käufer erneut knallhart opportunistisch und warten auf ein charttechnisches Kaufsignal.
Ich sagte bereits, dass dieses individuell rationale Käuferverhalten kollektiv zur Gewöhnung an immer niedrigeren Kursbandbreiten und mithin immer niedrigere Renditeaussichten eines Langfristinvestments führt.
Die letzte Bandbreite war 5 bis 7,50... wenn die neue Bandbreite 4,50 bis 6 EUR wäre, sollte jedem klar sein, dass er sich sein bestehendes Langfristinvestment nicht länger schön reden kann.
Der einzige Ausweg wäre ein kollektiver Aufstand der Kaufseite in Rückbesinnung auf die unstreitig positiven Fundamentaldaten des Unternehmens.
Ich bleibe dabei, der innere Wert der Aktie bei einer Übernahme liegt heute jenseits 25 EUR, nicht 7 oder 9 EUR aus Analystenprognosen...
Wenn das Aktionariat eine Aktie über einen so langen Zeitraum 80% unter dem inneren Wert verramscht, tritt ein fataler Gewöhnungseffekt ein, der für die Kursentwicklung fatal ist.
Im Ergebnis bettelt der Markt um eine Reprivatisierung durch die Familie Schaeffler. Sollte die Kursbandbreite tatsächlich noch weiter fallen, wird die Reprivatisierung m.E. 100% kommen und die Vorzugsaktionäre werden vom IPO bis zur Übernahme gewaltige Verluste erzielt haben.
Wohlgemerkt selbstverschuldet. Denn das Unternehmen hat seit 2014 durchgängig geliefert, ist stark gewachsen, hat die Verschuldung reduziert und permanent weit oberhalb der Peer Group liegende Margen erzielt. Zudem hat sich das Unternehmen seit dem IPO erfolgreich diversifiziert und neue Marktsegmente erschlossen.
Im E Mobility Bereich ist weltweit kein Zulieferer erfolgreicher als Schaeffler. Kein Wunder, denn Schaeffler hat als Rekordsieger der Formel E eindeutig bewiesen, dass sie Tesla und Co. technologisch locker in die Tasche stecken.
Auch die Tatsache, dass mindestens 1/3 aller Windräder WELTWEIT mit Schaeffler Wälzlagern laufen, man somit im global größten industriellen Wachstumsmarkt Windkraft ganz vorn dabei ist, wird vom Kapitalmarkt beinahe brutal ignoriert.
Es gibt meiner Kenntnis nach weltweit keinen anderen Industriezulieferer mit einer auch nur annähernd gleich guten Marktstellung wie Schaeffler.
Wenn VW Verkäufe einbrechen... so what... Schaeffler beliefert bekanntermaßen auch Tesla und die E Mobility Umsätze am Automotive Gesamtumsatz belaufen sich längst nicht mehr auf mickrige 5-7% wie bei VW, GM, Ford oder Stellantis...
Dass die Börse ein "Investitionsbonanza" wie bei VW bei ohnehin schon miesen Margen und einem gegenüber Tesla um mindestens 30% zu hohen Personalstamm hochkritisch sieht, ist verständlich. Zulieferer wie Schaeffler sind längst viel weiter und sind vor allem flexibel hinsichtlich iher Kunden. Wollen BYD und Geely auch qualitätsmäßig Europa erobern... dann vermutlich mit Schaeffler Teilen...
Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum es der Kapitalmarkt zulässt, ausgerechnet die Weltklasse Firma Schaeffler derart in den Boden zu shorten.
Schaeffler ist mittlerweile ein reiner Charttechnik Zock und das die im Forum immer wieder zu lesende Betonung der Chance auf eine 10% Divi Rendite war rückblickend ganz offensichtlich kein betriebswirtschaftlich rationales Argument für einen Aktienkauf, wenn die Aktie allein seit Jahresanfang fast 20% und allein in den Tagen nach den Q2 Zahlen schon wieder 8% abgegeben hat. Es geht um die GESAMTRENDITE bestehend aus Kursrendite und Dividende, die im übrigen bei Hochdividendenaktien in Dtl steuerlich untergraben wird durch das Verbot der Verrechnung von Dividendenerträgen und Kursverlusten. Schön dass sich in schlechten Börsenphasen mit hohen Kursverlusten der Finanzminister dennoch über stabile Einnahmen aus der Dividendenbesteuerung freuen kann...
Noch ein kurzer Hinweis zur Charttechnik...
Der RSI14 ist seit dem Hoch bei 75 erwartungsgemäß wie ein Stein gefallen und liegt nun bei 40. Ein Umkehrsignal bei RSI unter 20 ist noch immer nicht in Sicht. Mein insbesondere auf dem RSI14 basierender Post "Schaeffler im Shortmodus" hat -leider- unverändert Gültigkeit, solange die Käuferseite nicht endlich Alarm schlägt und es den Shortsellern nicht länger erlaubt, ihre Chartmarken sturheil bis zum letzten Cent auszutraden. Es sollte endlich wieder ein hohes Risiko sein, gegen ein Weltklasse Unternehmen wie Schaeffler zu wetten!