S&P warnt Deutschland, bestätigt aber sein Rating


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EinsamerSam.:

S&P warnt Deutschland, bestätigt aber sein Rating

 
03.03.05 07:56
S&P warnt Deutschland, bestätigt aber sein Rating

Rufer in der Wüste

Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat in dieser Woche die Top-Bonität des Bundes bestätigt. Gleichzeitig erhoben die quasi von Berufs wegen kritischen Kreditanalysten des Hauses aber warnend den Zeigefinger.

FRANKFURT/M. „Weitere Reformen sind dringend nötig, vor allem am Arbeitsmarkt, im Gesundheits- und Rentensystem“, betonte Kai Stukenbrock, einer der Deutschland-Experten von S&P. Ohne weitere Reformen käme das Rating unter Druck, denn Deutschland falle im Wachstum immer mehr hinter den anderen mit der Höchstnote „AAA“ bewerteten Staaten zurück. Das stimmt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat gerade erst seine Wachstumsprognose für Deutschland drastisch auf 0,8 Prozent in diesem Jahr gesenkt.

Das alles zusammen klingt nach unmittelbarer Gefahr für die Bonität des Bundes, ist aber keine. Denn S&P mahnt seit gut zwei Jahren ständig Reformen an. Angefangen hat das im Dezember 2002. Damals stieß auch Fitch Ratings in das selbe Horn, und viele Analysten fürchteten, dass Deutschland spätestens 2004 einen negativen Ratingausblick bekomme. Das ist nicht passiert. Bei allen drei internationalen Ratingagenturen – neben S&P und Fitch zählt dazu Moody’s – gilt das Rating als stabil. Das dürfte auch noch einige Zeit so bleiben. Selbst S&P geht davon aus, dass es vor den Wahlen im Jahr 2006 wohl nicht mehr viele Reformen geben wird.

Dass eine Herabstufung Deutschlands derzeit kein Thema ist, zeigen auch die Anleihemärkte. Die Renditen der Bundesanleihen rentieren immer noch historisch niedrig. Eine unmittelbare Herabstufung droht Deutschland auch deshalb nicht, weil die Agenturen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zunächst einen negativen Ratingausblick vergeben würden. Der könnte die Refinanzierungskosten des Bundes um maximal einige hundertstel Prozentpunkte verteuern, und allzu wild wäre auch das nicht.

So muss zum Beispiel Belgien, dessen Bonität S&P mit „AA+“ eine Stufe schlechter bewertet als die des Bundes, für seine zehnjährigen Bonds nur 0,03 Prozentpunkte mehr Rendite bieten als Deutschland. Dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen, brauchen die Käufer belgischer Staatsanleihen dabei ebenso wenig zu befürchten wie die von Bundesanleihen. Von daher sollten sich Investoren durch die Diskussionen um die Bonität des Bundes nicht verunsichern lassen. Das gilt vor allem für Privatanleger, die ihre Papiere bis zum Ende der Laufzeit halten und dabei vor allem auf eine Erhaltung ihres Kapitals plus regelmäßige und pünktliche Zinszahlungen interessiert.

Dass die Diskussion dagegen seit Jahren die Gemüter von Politikern, und Akteuren am Finanzplatz Deutschland erhitzt, ist verständlich. Denn Finanzminister Hans Eichel, der die Ängste vor einer Herabstufung schon vor zwei Jahren als „aufgebauscht“ abtat, will sich nicht auch noch von den Ratingagenturen kritisieren lassen.

Außerdem müssen Eichel und der Finanzplatz befürchten, dass Bundesanleihen bei einer Herabstufung oder auch nur bei einem negativen Ausblick ihren Benchmark-Status verlieren. Sie sind nicht nur Richtung weisend für die Anleihen der Euro-Zone, weil sie das Basisinstrument des weltweit liquidesten Terminkontraktes sind, sondern auch weil die Bonität des Bundes spitzenmäßig ist. In der Euro-Zone haben außer Deutschland noch Frankreich, Spanien, Österreich, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Finnland ein „AAA“-Rating.

Eine Herabstufung Deutschlands würde die Bonitäten dieser Länder und auch die Kreditwürdigkeit der ebenfalls mit „AAA“ bewerteten USA in Zweifel ziehen. In Deutschland würden außerdem staatseigene Institutionen wie die KfW Bankengruppe bei einem „Downgrade“ Deutschlands ihr Rating nicht halten können. Noch steht das alles nicht zu befürchten. Doch sollte es dazu kommen, kann zumindest niemand sagen, S&P habe nicht davor gewarnt.

Quelle: HANDELSBLATT, Donnerstag, 03. März 2005, 07:05 Uhr

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