In einem schwachen Marktumfeld zählen die Aktien von RWE zu den größten Verlierern und belasten den DAX. Mitarbeiter des Essener Konzerns machen vor der Tarifrunde Druck.
Rund 4500 Beschäftige des Energiekonzerns RWE haben nach Gewerkschaftsangaben mit Warnstreiks am Montag ihre Forderung nach einer deutlichen Lohnerhöhung untermauert. An dem mehrstündigen Ausstand hätten sich erstmals Beschäftigte der Atomkraftwerke im hessischen Biblis und im niedersächsischen Lingen beteiligt, teilte Verdi mit. Der Schwerpunkt sei im rheinischen Braunkohlerevier sowie in Kraftwerken und Verwaltungen unter anderem in Trier, Idar-Oberstein und Neurath gewesen. Vor der sechsten Verhandlungsrunde am Dienstag seien im Ruhrgebiet weitere Warnstreiks geplant. RWE Power wollte den Tarifstreit nicht kommentieren.
Verdi-Verhandlungsführer Peter Lafos bezeichnete die Runde am Dienstag als "letzte Möglichkeit, ohne größere Auseinandersetzungen zu einem Ergebnis in der Gehaltsrunde zu kommen" Dienstagnachmittag tritt die gemeinsame Tarifkommission von Verdi und IG BCE zusammen. "Falls bis dahin kein akzeptables Ergebnis vorliegt, wird unmittelbar über Urabstimmung und unbefristete Streiks entschieden", sagte Lafos.
Die Gewerkschaften fordern eine Anhebung der Löhne und Gehälter von 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zu der Tarifgruppe gehören rund 28.000 Mitarbeiter, die unter anderem bei den Kraftwerks-, Vertriebs- und Netztöchtern beschäftigt sind.
Windkraft-Auftrag wurde vergeben
Zudem gab das Unternehmen bekannt, dass ein millionenschwerer Windkraftauftrag an ein deutsch-dänisches Konsortium vergeben wurde. Das Erndtebrücker Eisenwerk aus dem Siegerland und Bladt Industries aus Aalborg sollen 160 Fundamente für das Offshore-Projekt "Gwynt y Mor" liefern, teilte der Versorger am Montag mit. Das Auftragsvolumen betrage rund 240 Millionen Euro. Die ersten Fundamente sollen im Herbst nach Nordwales transportiert und die ersten Windräder 2013 vor der Küste Strom produzieren. Nach der Fertigstellung im folgenden Jahr können die Windräder RWE zufolge 400.000 Haushalte in Großbritannien versorgen. Beteiligt sind auch der Siemens-Konzern und die Stadtwerke München.
Der bislang vor allem auf Kohle- und Atomkraft setzende RWE-Konzern will in den kommenden Jahren sein Geschäft mit Ökostrom deutlich ausbauen. Windkraft spielt dabei eine Schlüsselrolle. Rund 33 Kilometer vor Helgoland will RWE Ende diese Jahres mit dem Bau des Feldes "Nordsee Ost" beginnen. In Europa baut die Ökostromtochter RWE Innogy alleine oder mit Partnern derzeit Windkraftwerke mit einer Leistung von 1000 Megawatt. Bis 2014 will das Unternehmen Genehmigungen für weitere Projekte im Umfang von 5000 Megawatt an Land ziehen. Zum Vergleich: Die beiden Blöcke des RWE-Atomkraftwerks im hessischen Biblis haben zusammen eine Leistung von 2400 Megawatt.
Börsianer nehmen die Nachricht vom Warnstreik zum Anlass, Gewinne bei der RWE-Aktie zu realisieren. In den vergangenen sechs Wochen waren die Papiere des Energiekonzerns um rund 16 Prozent gestiegen und schafften Ende Dezember sogar den Sprung aus dem mittelfristigen Abwärtskanal. Die Aussichten für die Aktie bleiben daher gut. Korrekturen wie derzeit sind normal und sollten eher zum Positionsaufbau genutzt werden. Gute Unterstützungen liegen bei 52 und 53,50 Euro. Zudem überzeugt der Wert mit einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite von rund 6,5 Prozent.

http://www.boerse-online.de/aktie/nachrichten/...ieren-zu/621082.html
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