HINTERGUND: Putin führt russische Wirtschaft in entscheidendes Jahr
MOSKAU (dpa-AFX) - Das Jahr 2002 wird für Russlands aufstrebende Wirtschaft und den ehrgeizigen Präsidenten Wladimir Putin von entscheidender Bedeutung sein. Mit einem Wachstum von erneut fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts will sich das größte Land der Erde aus seiner Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für Öl- und Gasexporte lösen. Ausländische Investoren setzen auf umfassende Reformen, die langsam zu greifen beginnen.
Alle Hoffnungen ruhen auf dem 49-jährigen Putin. "Unter seiner Führung schreitet Russland voran zu mehr Markt, mehr Transparenz, mehr Öffnung nach außen", lobt der Verband der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation in seinem jüngsten Jahresbericht. Der Rubel blieb im Vorjahr relativ stabil (Inflation 18 Prozent), die Kaufkraft der Bevölkerung stieg und die Wirtschaft erholte sich zunehmend. KEIN RÜCKGANG DER SCHATTENWIRTSCHAFT Im Mittelpunkt stehen die Wirtschaftsreformen. Seit dem Vorjahr findet eine für postsowjetische Verhältnisse revolutionär niedrige Einkommenssteuer von 13 Prozent für alle Anwendung. "Es ist Zeit, aus dem Schatten zu treten", fordern die Finanzbehörden in Werbespots. Die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" vermisst bislang aber einen spürbaren Rückgang der weit verbreiteten Schattenwirtschaft. Die Steuerreform habe bislang nichts vereinfacht, sondern verwirre die Bürger noch mehr, kritisiert das Blatt in einem Jahresausblick. Zu den größten Sorgen zählen für ausländische Investoren weiterhin korrupte Beamte, die aufwendige Zertifizierung von Waren, Probleme beim Zoll, Mängel im Bankenwesen sowie eine weithin fehlende Rechtssicherheit. "Russland ist noch immer kein Paradies für Investoren", warnen Wirtschaftsexperten. Doch die Situation ändere sich grundlegend zum Besseren. Anlass zu Optimismus geben das neue Bodengesetz sowie zunehmend ernsthafte Versuche zur Zerschlagung der Staatsmonopole. Gemeint sind vor allem der Stromversorger EES, der Erdgasproduzent Gasprom sowie das Ministerium für Eisenbahnwesen. Schritte zur Entbürokratisierung sollen die Registrierung von Firmen erleichtern und den an Bedeutung gewinnenden Mittelstand fördern. RUSSISCHE AKTIENWERTE Für Aufsehen sorgten im internationalen Börsen-Pessimismus des abgelaufenen Jahres die russischen Aktienwerte. Der Moskauer RTS-Index schloss fast 100 Prozent im Plus gegenüber den Schlussständen zum Vorjahresende. Bei Angebot und Nachfrage backen die Russen aber noch kleine Brötchen. An der Frankfurter Börse setzt ein beliebiger DAX-Wert am Tag im Schnitt mehr um als alle Moskauer Wertpapiere zusammen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Boris Jelzin legt Putin Wert auf eine kontinuierliche Regierungsarbeit. Der Präsident vertraut auf die Ratschläge seines liberalen und einflussreichen Wirtschaftsberaters Andrej Illarionow. Die unter Jelzin übermächtig gewordenen Oligarchen Boris Beresowski und Wladimir Gussinski sind aus Angst vor Strafverfolgung ins Ausland geflohen. Der spürbare Rückgang der Weltmarktpreise für Energieträger hat Öl auf die Lampen liberaler russischer Wirtschaftspolitiker gegossen. Sie fordern seit langem, der Staat müsse sich aus seiner Abhängigkeit von den Exporteinnahmen für Öl und Gas lösen. Das Budget basiert im wesentlichen auf den Einnahmen aus dem Erdöl- und Gasexport. Die schwache Weltkonjunktur gefährdet damit auch Russlands Etat 2002, der auf einem Ölpreis von 18,5 Dollar (21 Euro/41 DM) je Barrel basiert. Der ausgeglichene Staatshaushalt rechnet eine Inflationsrate von nur noch zwölf Prozent ein und kündigt die Begleichung aller fälligen Auslandsschulden an. Erklärtes Ziel ist die Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO, was seit kurzem auch von den USA gutgeheißen wird. Dies dürfte auch auf Russlands Unterstützung der Anti-Terror-Koalition zurückzuführen sein. /sv/ra/DP/mur/ --- Von Stefan Voß, dpa
MOSKAU (dpa-AFX) - Das Jahr 2002 wird für Russlands aufstrebende Wirtschaft und den ehrgeizigen Präsidenten Wladimir Putin von entscheidender Bedeutung sein. Mit einem Wachstum von erneut fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts will sich das größte Land der Erde aus seiner Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für Öl- und Gasexporte lösen. Ausländische Investoren setzen auf umfassende Reformen, die langsam zu greifen beginnen.
Alle Hoffnungen ruhen auf dem 49-jährigen Putin. "Unter seiner Führung schreitet Russland voran zu mehr Markt, mehr Transparenz, mehr Öffnung nach außen", lobt der Verband der Deutschen Wirtschaft in der Russischen Föderation in seinem jüngsten Jahresbericht. Der Rubel blieb im Vorjahr relativ stabil (Inflation 18 Prozent), die Kaufkraft der Bevölkerung stieg und die Wirtschaft erholte sich zunehmend. KEIN RÜCKGANG DER SCHATTENWIRTSCHAFT Im Mittelpunkt stehen die Wirtschaftsreformen. Seit dem Vorjahr findet eine für postsowjetische Verhältnisse revolutionär niedrige Einkommenssteuer von 13 Prozent für alle Anwendung. "Es ist Zeit, aus dem Schatten zu treten", fordern die Finanzbehörden in Werbespots. Die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" vermisst bislang aber einen spürbaren Rückgang der weit verbreiteten Schattenwirtschaft. Die Steuerreform habe bislang nichts vereinfacht, sondern verwirre die Bürger noch mehr, kritisiert das Blatt in einem Jahresausblick. Zu den größten Sorgen zählen für ausländische Investoren weiterhin korrupte Beamte, die aufwendige Zertifizierung von Waren, Probleme beim Zoll, Mängel im Bankenwesen sowie eine weithin fehlende Rechtssicherheit. "Russland ist noch immer kein Paradies für Investoren", warnen Wirtschaftsexperten. Doch die Situation ändere sich grundlegend zum Besseren. Anlass zu Optimismus geben das neue Bodengesetz sowie zunehmend ernsthafte Versuche zur Zerschlagung der Staatsmonopole. Gemeint sind vor allem der Stromversorger EES, der Erdgasproduzent Gasprom sowie das Ministerium für Eisenbahnwesen. Schritte zur Entbürokratisierung sollen die Registrierung von Firmen erleichtern und den an Bedeutung gewinnenden Mittelstand fördern. RUSSISCHE AKTIENWERTE Für Aufsehen sorgten im internationalen Börsen-Pessimismus des abgelaufenen Jahres die russischen Aktienwerte. Der Moskauer RTS-Index schloss fast 100 Prozent im Plus gegenüber den Schlussständen zum Vorjahresende. Bei Angebot und Nachfrage backen die Russen aber noch kleine Brötchen. An der Frankfurter Börse setzt ein beliebiger DAX-Wert am Tag im Schnitt mehr um als alle Moskauer Wertpapiere zusammen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Boris Jelzin legt Putin Wert auf eine kontinuierliche Regierungsarbeit. Der Präsident vertraut auf die Ratschläge seines liberalen und einflussreichen Wirtschaftsberaters Andrej Illarionow. Die unter Jelzin übermächtig gewordenen Oligarchen Boris Beresowski und Wladimir Gussinski sind aus Angst vor Strafverfolgung ins Ausland geflohen. Der spürbare Rückgang der Weltmarktpreise für Energieträger hat Öl auf die Lampen liberaler russischer Wirtschaftspolitiker gegossen. Sie fordern seit langem, der Staat müsse sich aus seiner Abhängigkeit von den Exporteinnahmen für Öl und Gas lösen. Das Budget basiert im wesentlichen auf den Einnahmen aus dem Erdöl- und Gasexport. Die schwache Weltkonjunktur gefährdet damit auch Russlands Etat 2002, der auf einem Ölpreis von 18,5 Dollar (21 Euro/41 DM) je Barrel basiert. Der ausgeglichene Staatshaushalt rechnet eine Inflationsrate von nur noch zwölf Prozent ein und kündigt die Begleichung aller fälligen Auslandsschulden an. Erklärtes Ziel ist die Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO, was seit kurzem auch von den USA gutgeheißen wird. Dies dürfte auch auf Russlands Unterstützung der Anti-Terror-Koalition zurückzuführen sein. /sv/ra/DP/mur/ --- Von Stefan Voß, dpa