"Rote Bilanzzahlen - rote Karte für Arbeiter"


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sir charles:

"Rote Bilanzzahlen - rote Karte für Arbeiter"

 
06.11.01 09:28
"Rote Bilanzzahlen - rote Karte für Arbeiter"

Die erfolgsverwöhnten Elektronikkonzerne Japans haben die Trends verschlafen und suchen nun ihr Heil in einer Kündigungswelle.
 
"Versetzt in die Cafeteria": Rausschmiß auf japanisch

TOKIO (ak). Denki Rengo, die ansonsten eher behäbige Gewerkschaft für die Festangestellten der Elektronik- und Informationsindustrie Japans, mobilisiert ihre 750.000 Mitglieder zum Protest. Hatte sie bisher allenfalls Lohnerhöhungen ausgehandelt, geht es jetzt ums nackte Überleben. Etwa 100.000 Jobs wollen allein die Großkonzerne in den kommenden drei Jahren wegrationalisieren. In der zersplitterten Zulieferindustrie sind bis zu einer Million Arbeitsplätze gefährdet.

Zwar war auch schon früher öfter die Rede von Personalabbau, aber niemand hat recht daran geglaubt. Gewerkschaften und Regierung waren fest davon überzeugt, daß nur die Aktionäre damit beruhigt werden sollen. NEC-Vorstandschef Koji Nishigaki etwa war schon vor drei Jahren mit dem Vorsatz angetreten, "drastisch durchzugreifen" - und packte dies für japanische Verhältnisse tatsächlich radikal an. Rund 15.000 Stellen wurden wegrationalisiert, etwa ein Zehntel der Belegschaft. Aber dieser "Ritt auf dem Drachen" war zu kurz gesprungen. Die meisten Jobs wurden einfach ausgelagert, Tochterfirmen als "Beschäftigungsgesellschaften" aus dem Boden gestampft.

Besonders hart getroffen hat die Japaner der Verfall der Preise für Computerchips um bis zu 90 Prozent. "In einer Art kolossaler Kurzschlußhandlung wirft Nippons Branche nun panisch Überkapazitäten wie Ballast ab", wundert sich Hiroyuki Masuko, Analyst beim Forschungsinstitut Daiwa. Zum Schock der gesamten Nation kündigten allein die großen japanischen Elektronikkonzerne den Abbau von mehr als 90.000 Arbeitsplätzen an.

"Die High-Tech-Industrie befindet sich in einer strukturellen Rezession. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die kostengünstigere Auslandsproduktion zu erhöhen und in Japan Stellen zu reduzieren, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu steigern", verkündete Toshiba-Präsident Tadashi Okamura. Seiner Ansicht nach ist ein Aufschwung der IT-Branche erst 2003 oder später zu erwarten. Hitoshi Shin, leitender Analyst bei Merrill Lynch in Tokio, hält das jedoch für "eine Restrukturierung auf niedrigem Niveau" und warnt: "Sie machen einen Fehler, wenn sie glauben, daß man allein durch Kostensenkung in die Profitzone zurückkommen kann."

Nippons Elektronikkonzerne haben erst sehr spät bemerkt, wie sich die Welt der High-Tech-Anbieter verändert hat. Unter dem Druck kosteneffizienterer Anbieter aus den USA, Südkorea und Taiwan geht es jetzt zumindest für große Konzernteile um das pure Überleben. Marktkenner erwarten für die kommenden zwei bis drei Jahre einen Totalrückzug der Japaner aus dem Speicherchip-Bereich.

Mit dem Abbröckeln ihrer globalen Marktanteile bekamen die Konzerne ihre Fixkosten nicht mehr in Griff. Der Elektronikanayst bei Goldman Sachs, Ikuo Matsuhashi schätzt, daß die Produktionskosten von Toshiba und NEC zehn bis 15 Prozent höher anzusetzen sind als bei südkoreanischen oder US-Konkurrenten.

30facher Lohn

Hersteller aus Taiwan werden mit neuen Produktionsstätten in China den Wettbewerb in den kommenden zwei Jahren weiter verschärfen. Derzeit verdient ein High-Tech-Arbeiter in Japan etwa 30mal so viel wie sein Kollege im Reich der Mitte. Die Folge: Japans Chip-Fabriken sind maximal zu 70 Prozent ausgelastet.

Die führende Finanzzeitung Nihon Keizai Shimbun hat ausgerechnet, daß die Elektronikkonzerne, besonders aber die Chip-Hersteller, im Jahr 2001 ihre Kapitalausgaben um durchschnittlich 40 Prozent herunterfahren werden.


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