Aus der FTD vom 15.10.2002 www.ftd.de/kapital
Das Kapital: Der Börse ist Bush allemal lieber als Müntefering
Doktor Freud lässt grüßen. Mit seinem Versprecher ist Franz Müntefering nur indirekt in Konkurrenz zu George W. Bush getreten, der in Japan Deflation und Abwertung (Devaluation) verwechselt hatte.
Beim US-Präsidenten war wenigstens nicht der Wunsch Vater des Gedanken.
Was Münteferings Konfusion bezüglich der Steuern auf Beteiligungserlöse und jener auf Spekulationsgewinne angeht, ist das nicht gesagt.
Peinlicher ist der Fauxpas allemal.
Im Gegensatz zu Bush scheint er tatsächlich zu glauben, dass er etwas von der Materie versteht.
Sonst würden er und seine Genossen sich in Sachen Wirtschaftspolitik endlich von Fachleuten beraten lassen. Aber infantil, wie sie sind, beschließen sie statt Konzepten lieber eine Giftmischung aus Steuererhöhungen und Rentenbeitragssteigerungen.
Dabei könnte man über die Begrenzung von steuerlichen Verlustvorträgen reden. Das gälte sogar für eine Steuer auf Beteiligungserlöse.
Wichtiger aber wäre, die Ausgaben zu durchforsten und das Anreizsystem zu verbessern. Wie kann es sein, dass nur einen Cent vom Staat kriegt, wer eine zumutbare Arbeit ablehnt? Wann kapieren die Genossen endlich, dass Firmen nicht einstellen, wenn sie sogar Nichtsnutze kaum je entlassen dürfen? Und warum braucht es in Deutschland laut OECD bis zu 24 Wochen, um eine Firma zu gründen? Solange die Berliner Macher da zaudern, wird Freud wohl Recht behalten: "Die Absicht, dass der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten."