In der einschlägigen Wirtschaftspresse sind bereits verschiedene Szenarien durchgespielt worden (feindliche Übernahme von Scania durch MAN und umgekehrt, Übernahme von MAN durch VW mit anschließender Zerschlagung von MAN und Zusammenlegung der LKW-Sparten von VW und Scania usw.), deren Einzelheiten man an dieser Stelle nicht wiederholen muss.
Welche Konstellation auch immer realisiert werden wird, die Wahrscheinlichkeit, dass MAN sich von Randaktivitäten und Tochtergesellschaften trennen werden wird/muss, ist sehr groß (sei es zur Finanzierung weiterer Scania-Aktienpakete, sei es im Rahmen einer Zerschlagung des Konzerns).
Zu den besonders werthaltigen Tochtergesellschaften gehört die Renk AG, die vier Geschäftseinheiten umfasst: Fahrzeuggetriebe (Weltmarktführer bei Kettenfahzeuggetrieben), Antriebselemente, Sonderantriebstechnik (insbesondere leistungsstarke Schiffsgetriebe) und allgemeine Antriebstechnik (Einzelheiten zu den Geschäftsfeldern unter
http://www.renk.de).Die Renk AG (bzw. der Renk-Teilkonzern) befindet sich seit einigen Jahren auf einem eindrucksvollem Wachstumskurs. Für das laufende Geschäftsjahr ist ein Umsatz in Höhe von ca. 350 Mio. € in Aussicht gestellt, die EBIT-Marge soll um die 10 % betragen. Daraus lassen sich ein EBT von 32 Mio. € und ein EAT von 19,6 Mio. € ableiten.
Im Konzernabschluss nicht konsolidiert ist die ausgegliederte Renk Test System GmbH, die im Jahr 2005 einen Umsatz von 12 Mio. € und ein EBIT von 1,2 Mio. € erzielt hat. Unter Berücksichtigung der Renk Test System GmbH dürfte das Ergebnis nach Steuern im laufenden Geschäftsjahr sogar über 20 Mio. € liegen.
Daraus leitet sich für 2006 ein Gewinn je Aktie in Höhe von ca. 3 € ab (2005: 2,19 €, 2004: 1,67 €). Das KGV für 2006 dürfte somit zwischen 12 und 12,5 liegen (6.8 Mio. Aktien im Umlauf).
Der Auftragsbestand lag zum 30.6.06 mit 630 Mio. € auf historischen Höchstniveau, wobei die Kapazitäten im Groß- und Fahrzeuggetriebebau bis über das Jahr 2007 hinaus ausgebucht sind.
Die Bilanz des Renk-Teilkonzerns sieht sehr gesund aus (Nettofinanzguthaben betrug zum 31.12.05 über 36,4 Mio. €, d.h. 5,4 € je Aktie, konservative Bilanzierung mit großzügig berechneten Rückstellungen für etwaige Gewährleistungen usw.).
Jahr für Jahr werden hohe freie Mittelzuflüsse generiert (2004: 18,9 Mio. €, 2005: 13,3 Mio. €).
Die Dividende betrug in den vergangenen Jahren 1,20 € je Aktie. Angesichts der ausgezeichneten Geschäftsentwicklung und des erhöhten Finanzbedarfs der Muttergesellschaft erscheint eine Erhöhung der Dividendenzahlung realistisch. Die Dividendenrendite dürfte auf derzeitigem Kursniveau somit zwischen 3,25 und 4 % liegen.
Aktionärsstruktur: 76 % des Aktienkapitals befindet sich in Besitz der MAN AG, 2,86 % in eigenem Besitz, der Rest ist Streubesitz. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist H. Samuelsson.
Angesichts der beschriebenen Umstände erscheinen Renk-Aktien derzeit recht aussichtsreich. Das Unternehmen gehört nicht zum Kerngeschäft des MAN-Konzerns, ist auf verschiedenen Wachstumsfeldern Weltmarktführer und sowohl für Finanzinvestoren (Zerschlagung von Renk) als auch für Branchenspezialisten (Rüstungsunternehmen, Unternehmen aus der Windenergie-Branche, Schiffsbauer usw.) sehr lukrativ.