Von Christian Garbe, Biotech-Analyst der GZ-Bank
22. Juli 2001 Die Umsätze von Biogens Blockbusterprodukt Avonex stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 28 Prozent auf 243,4 Millionen Dollar. Analysten gingen lediglich von Umsätzen in der Höhe von 220 Millionen Dollar aus. Aufgrund der hervorragenden Ergebnisse im zweiten Quartal kann Biogen berechtigte Hoffnungen haben, dass Avonex in diesem Jahr Umsätze von über 900 Millionen Dollar erreichen wird, und das Unternehmen insgesamt einen Umsatz von über eine Milliarde US Dollar realisieren kann.
Die starken Quartalsergebnisse sollten jedoch nicht überbewertet werden, denn in der Zukunft könnten einige Schwächen auftreten. Zwar befinden sich zahlreiche neue Produkte in der Pipeline, diese sind aber zum Teil noch weit von einer Markteinführung entfernt oder werden auf stark konkurrierende Produkte stoßen. Die Schwäche vieler Biotechnologieunternehmen gegenüber Pharmaunternehmen wird insbesondere an dem Beispiel Biogen deutlich: Die Abhängigkeit von einem Produkt, in diesem Fall Avonex.
Marktexklusivität von Avonex in Gefahr
Eine Analyse des Marktumfeldes von Avonex legt das Risikopotenzial offen: Das Medikament Avonex wurde 1996 in den Vereinigten Staaten zugelassen und entwickelte sich schnell zu einem Blockbusterprodukt. Es ist weltweit das dritte Medikament neben Betaferon (Schering) und Rebif (Serono) gegen Multiple Sklerose. Im Juni berichtete Serono, dass in einer einjährigen Studie, in der Rebif mit Avonex verglichen wurde, Rebif signifikant bessere Ergebnisse gezeigt hat. Mit Hilfe dieser Studie könnte der Orphan Drug-Status von Avonex, der dem Produkt bis 2003 eine Marktexklusivität in den Vereinigten Staaten zusichert, angegriffen werden. Hier droht erhebliches Rückschlagpotenzial für Avonex, das den Höhenflug des Produktes schnell beenden kann.
Amevive könnte Nischenprodukt werden
Mehrere Wirkstoffe befinden sich in der klinischen Prüfung. Das immunmodulierende Proteintherapeutikum Amevive, das Lead-Produkt von Biogen in der Entwicklung, wurde erfolgreich in einer Phase III-Studie gegen chronische, plaquebildende Psoriasis getestet. Die bisher vorgelegten Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der Therapie von Psoriasis durch Amevive hin. Jedoch zeigte das von Genentech entwickelte Konkurrenzprodukt in einer kürzlich veröffentlichten Studie eine bessere Wirkung. Es bleibt zu befürchten, dass Amevive lediglich ein Nischenprodukt wird, mit dessen Markteintritt nicht vor 2003/04 zu rechnen ist.
Marktzulassung für Antegren erst 2004/5
Zur Behandlung von Multipler Sklerose und von der Crohn's Erkrankung wurde Antegren, ein humanisierter monoklonaler Antikörper entwickelt. Im Januar 2001 wurde von positiven Ergebnissen der klinischen Phase II-Studie für das Antikörperpräparat berichtet. Phase III der klinischen Prüfung soll für beide Indikationen noch in diesem Jahr anlaufen. Eine Marktzulassung ist jedoch nicht vor 2004/05 zu erwarten.
Darüber hinaus hat Biogen eine Gentherapie auf der Basis von Interferon-Beta für eine gezielte Antitumortherapie entwickelt. In Tiermodellen wurde bereits eine positive Wirkung des Präparats nachgewiesen. An den resultierenden Produkten hat Biogen die weltweiten Recht gesichert. Der Beginn der klinischen Prüfung ist noch im Jahr 2001 geplant.
Stürmische Zeiten stehen Biogen bevor
Insgesamt konzentriert sich Biogen mit seinen bisherigen Entwicklungen vor allem auf die Entwicklung von Proteintherapeutika, die auf die Behandlung von Immunstörungen zielen.
Biogen strebt eine Erweiterung des eigenen Forschungsspektrums mit Hilfe der Genomforschung, der Entwicklungsbiologie sowie gentherapeutischer Ansätze an. Das Unternehmen hat derzeit 20 Projekte in seiner Forschungspipeline und plant für das Jahr 2001 eine Verdopplung der Anzahl seiner Medikamente in der klinischen Phase. Bis diese Produkte auf den Markt kommen wird Biogen noch stürmische Zeiten erleben, wenn die Abhängigkeit von ihrem Blockbusterprodukt Avonex nicht sehr schnell abgebaut wird.
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22. Juli 2001 Die Umsätze von Biogens Blockbusterprodukt Avonex stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 28 Prozent auf 243,4 Millionen Dollar. Analysten gingen lediglich von Umsätzen in der Höhe von 220 Millionen Dollar aus. Aufgrund der hervorragenden Ergebnisse im zweiten Quartal kann Biogen berechtigte Hoffnungen haben, dass Avonex in diesem Jahr Umsätze von über 900 Millionen Dollar erreichen wird, und das Unternehmen insgesamt einen Umsatz von über eine Milliarde US Dollar realisieren kann.
Die starken Quartalsergebnisse sollten jedoch nicht überbewertet werden, denn in der Zukunft könnten einige Schwächen auftreten. Zwar befinden sich zahlreiche neue Produkte in der Pipeline, diese sind aber zum Teil noch weit von einer Markteinführung entfernt oder werden auf stark konkurrierende Produkte stoßen. Die Schwäche vieler Biotechnologieunternehmen gegenüber Pharmaunternehmen wird insbesondere an dem Beispiel Biogen deutlich: Die Abhängigkeit von einem Produkt, in diesem Fall Avonex.
Marktexklusivität von Avonex in Gefahr
Eine Analyse des Marktumfeldes von Avonex legt das Risikopotenzial offen: Das Medikament Avonex wurde 1996 in den Vereinigten Staaten zugelassen und entwickelte sich schnell zu einem Blockbusterprodukt. Es ist weltweit das dritte Medikament neben Betaferon (Schering) und Rebif (Serono) gegen Multiple Sklerose. Im Juni berichtete Serono, dass in einer einjährigen Studie, in der Rebif mit Avonex verglichen wurde, Rebif signifikant bessere Ergebnisse gezeigt hat. Mit Hilfe dieser Studie könnte der Orphan Drug-Status von Avonex, der dem Produkt bis 2003 eine Marktexklusivität in den Vereinigten Staaten zusichert, angegriffen werden. Hier droht erhebliches Rückschlagpotenzial für Avonex, das den Höhenflug des Produktes schnell beenden kann.
Amevive könnte Nischenprodukt werden
Mehrere Wirkstoffe befinden sich in der klinischen Prüfung. Das immunmodulierende Proteintherapeutikum Amevive, das Lead-Produkt von Biogen in der Entwicklung, wurde erfolgreich in einer Phase III-Studie gegen chronische, plaquebildende Psoriasis getestet. Die bisher vorgelegten Ergebnisse deuten auf eine Verbesserung der Therapie von Psoriasis durch Amevive hin. Jedoch zeigte das von Genentech entwickelte Konkurrenzprodukt in einer kürzlich veröffentlichten Studie eine bessere Wirkung. Es bleibt zu befürchten, dass Amevive lediglich ein Nischenprodukt wird, mit dessen Markteintritt nicht vor 2003/04 zu rechnen ist.
Marktzulassung für Antegren erst 2004/5
Zur Behandlung von Multipler Sklerose und von der Crohn's Erkrankung wurde Antegren, ein humanisierter monoklonaler Antikörper entwickelt. Im Januar 2001 wurde von positiven Ergebnissen der klinischen Phase II-Studie für das Antikörperpräparat berichtet. Phase III der klinischen Prüfung soll für beide Indikationen noch in diesem Jahr anlaufen. Eine Marktzulassung ist jedoch nicht vor 2004/05 zu erwarten.
Darüber hinaus hat Biogen eine Gentherapie auf der Basis von Interferon-Beta für eine gezielte Antitumortherapie entwickelt. In Tiermodellen wurde bereits eine positive Wirkung des Präparats nachgewiesen. An den resultierenden Produkten hat Biogen die weltweiten Recht gesichert. Der Beginn der klinischen Prüfung ist noch im Jahr 2001 geplant.
Stürmische Zeiten stehen Biogen bevor
Insgesamt konzentriert sich Biogen mit seinen bisherigen Entwicklungen vor allem auf die Entwicklung von Proteintherapeutika, die auf die Behandlung von Immunstörungen zielen.
Biogen strebt eine Erweiterung des eigenen Forschungsspektrums mit Hilfe der Genomforschung, der Entwicklungsbiologie sowie gentherapeutischer Ansätze an. Das Unternehmen hat derzeit 20 Projekte in seiner Forschungspipeline und plant für das Jahr 2001 eine Verdopplung der Anzahl seiner Medikamente in der klinischen Phase. Bis diese Produkte auf den Markt kommen wird Biogen noch stürmische Zeiten erleben, wenn die Abhängigkeit von ihrem Blockbusterprodukt Avonex nicht sehr schnell abgebaut wird.