Die Mehrheit der Amerikaner rechnet mit einer baldigen Rezession, schätzt aber ihre persönliche Lage positiv ein, berichtet Bloomberg. Die Wall Street setzt sich aber über solche diffusen Ängste hinweg.
Heute wurde der leichte Schwächeanfall von gestern wieder spielend ausgeglichen. Dabei ließ man sich weder von den überraschend hohen Arbeitslosenmeldungen verunsichern, noch von der Ankündigung verschiedener Ladenketten, dass die Verkäufe im April schwach ausfallen werden. Wegen des frühen Ostertermins waren die Käufe eben in den März vorgezogen worden.
Der Dow Jones gewann 0,6% auf 12.552,96 Punkte. Der S&P 500 legte ebenfalls 0,6% zu und schloss auf 1.447,80 Zählern. Der technologielastige Nasdaq Composite Index zog um 0,9% an und beendete den Tag auf 2.480.32 Punkte.
Dow: Gefragte Pillenriesen
Die größten Gewinner im Dow waren die Pillenriesen Pfizer und Merck, die jeweils 1,6% gewannen. Pfizer schloss auf 26,46 Dollar und Merck auf 46,36 Dollar.
Der Chemiegigant DuPont folgte mit einem Gewinn von 1,5% auf 49,40 Dollar.
Microsoft legte ebenfalls 1,5% zu und schloss auf 28,54 Dollar. Dort war wohl eine Kaufempfehlung eines Brokers hilfreich.
S&P: Liebe zu den Eisenbahnen
Im S&P 500 sprang MedImmune 14.3% auf 43.43 Dollar. Das Biotechunternehmen hat Goldman Sachs beauftragt, einen Käufer für sich selbst zu finden.
Die traditionsreiche US-Eisenbahngesellschaft Union Pacific (Marktkapitalisierung 30 Milliarden Dollar) profitierte davon, dass Großinvestor Warren Buffet seine Liebe zu den Eisenbahnen entdeckt hat. Der Multimilliardär hatte bereits am Montag über seine Holding Gesellschaft Berkshire Hathaway Inc. eine Beteiligung im Umfang von 10.9 % an der Burlington Northern Santa Fe erworben. Das gab der gesamten Eisenbahnbranche neuen Schwung.
Union Pacific fuhr um 4,3% auf 111,02 Dollar.
Nasdaq: Einlenken des Preiskriegs?
In der Nasdaq sprang Advanced Micro Devices (AMD) 3,6% auf 13,66 Dollar. Die Investoren nutzten ausgerechnet eine Umsatzwarnung zum Einsteigen. Möglicherweise wird die Warnung auch als Einlenken im kostspieligen Preiskrieg gegen Intel verstanden.
Dell stieg um 1,7% auf 24.65 Dollar. Der PC-Hersteller war von einem Broker empfohlen worden.
Juwelen im Internet
Im Internetbereich war heute der E-Commerce sehr gefragt.
Der Online-Juwelenhändler Blue Nile verteuerte sich um 2,7% auf 43,26 Dollar.
Amazon.com gewann 1,4% auf 42,27 Dollar und Ebay legte 1,3% auf 34.05 Dollar zu. Das Auktionshaus war von einem Broker gelobt worden.
Das Online-Reisebüro Expedia profitiert wohl von der herannahenden Reisesaison. Jedenfalls gewann der Urlaub-Titel 1,5% auf 23,83 Dollar.
Valueclick klickte um 2,4% auf 29,34 Dollar. Der Spezialist für Werbung im Internet profitiert davon, dass sich derzeit Microsoft und Google angeblich um den in Privatbesitz befindlichen Rivalen Doubleclick schlagen.
Der Online-Börsenionformationsdienst TheStreet.com gewann 2,6% auf 11.73 Dollar.
Daran gemessen ist das Abschneiden von Google eher enttäuschend. Der Suchmaschinen-Gigant gewann 0,6% auf 467.39 Dollar.
Angst vor den Zahlen?
Noch schwächer schnitt Yahoo ab. Das Portal legte nur 0,1% auf 31,21 Dollar zu, obwohl Broker Bear Stearns heute sein Kursziel auf 35 Dollar angehoben hatte. Das Projekt Panama, mit dem Yahoo mehr Werbeeinnahmen aus seinen Suchaufträgen destillieren will, entwickle sich besser als erwartet, begründete der Broker. Aber vielleicht fehlte den Investoren kurz vor den am kommenden Dienstag fälligen Quartalszahlen der Mut. Immerhin reagiert das Papier erfahrungsgemäß oft sehr volatil auf Quartalsmeldungen.
Der Leopard kommt später
Apple verliert nachbörslich 2,8% auf 89,61 Dollar. Das neue Apple-Betriebssystem, bekannt unter dem Namen Leopard, kommt nicht wie geplant im Juni, sondern erst im Oktober. Zuvor war der Kult-Titel bereits um 0,4% gefallen. JP Morgan hatte zwar seine Gewinnschätzung für das abgeschlossene 2. Quartal des Geschäftsjahres angehoben, korrigierte aber seine Prognose für die verkaufen Stückzahlen beim Mac-Rechner nach unten.
Research In Motion Ltd. rutschte 8.2 % auf 134.10 Dollar. Der Blackberry-Hersteller hatte bereits gestern enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt.
Besonders schlimm erwischte es heute American Oil & Gas. Die Explorationsfirma hat eine Kapitalerhöhung angekündigt hat. Darauf fiel der an der Nasdaq notierte sehr spekulative Rohstoff-Titel 10,6% auf 4.80 Dollar.
Öl : Beklagenswerter Zustand
Der Ölpreis setzte seinen Aufwärtstrend fort. Der Markt zeigt sich weiterhin davon beeindruckt, dass die Benzinvorräte in den USA schneller zurück gehen als erwartet.
Analysten führen die Benzinknappheit kurz vor Start der Reisesaison auch auf den beklagenswerten technischen Zustand der US-Raffinerien zurück. Erst gestern war wieder eine Raffinerie in Texas wegen einer Betriebsstörung vorübergehend ausgefallenen.
Light Crude Oil verteuerte sich heute um 1.84 Dollar, oder 3%, und schloss auf 63.85 Dollar.
Dem schloss sich auch das Erdgas an. Dessen Preis stieg 6.9 cents auf 7.92 Dollar.
Gold: Gegen alle Regeln
Heute wurden am Metallmarkt gleich zwei goldene Regeln außer Kraft gesetzt:
Regel Nr. 1: Der Goldpreis steigt immer dann, wenn der Dollar fällt
Regel Nr. 2: Der Goldpreis steigt immer dann, wenn der Preis für das Öl steigt.
Heute fiel der Dollar und das Öl stieg, das Gold verlor aber trotzdem.
Das gelbe Metall gab 2 Dollar ab und schloss auf 679.70 Dollar. Vielleicht hielten viele Investoren den Preis einfach für ausgereizt.
Silber bröckelte um 3.5 cents und beendete den Tag auf 13.855 Dollar
Dem schloss sich auch das Platin an, das um 1.80 Dollar nachgab und auf 1,275.50 Dollar schloss.
Warten auf den General
Der morgige Handel dürfte von den General Electric-Quartalszahlen beeinflusst werden, die vor Börsenstart fällig sind, und den Inflationszahlen auf Großhandelsebene. Außerdem gibt es die aktuellen Außenhandelszahlen. Wegen des günstigen Dollarkurses gewinnt die US-Exportindustrie an Boden.
Servus, J.B.
"Second thoughts are ever wiser." (Euripides)