Kreditsorgen erhöhen Druck auf Fed
Die US-Notenbank Fed wird mit Leitzinssenkungen reagieren, sollte sich die Krise auf dem Hypothekenmarkt zu einer ernsthaften Kreditklemme ausweiten oder der Arbeitsmarkt eine Abschwächung der Konjunktur signalisieren.
"Das Risiko einer Kreditkrise nimmt schrittweise zu. Das erhöht den Druck auf die Fed", sagte Brian Fabbri, US-Chefvolkswirt bei BNP Paribas. "Zinssenkungen werden schnell auf den Tisch kommen, sollte die Fed die Stabilität des Finanzsystems bedroht und damit Gefahren für die Konjunktur sehen", sagte Patrick Franke, US-Experte bei der Commerzbank.
Ein schwächerer Arbeitsmarkt würde es der Fed erleichtern, eine Zinssenkung in naher Zukunft in Betracht zu ziehen, denn damit nähmen die Inflationsrisiken ab. Wie das US-Arbeitsministerium am Freitag mitteilte, stieg die Arbeitslosenquote im Juli von 4,5 auf 4,6 Prozent. "Sollte die Arbeitslosenquote im August erneut um 0,1 Prozent steigen, wird die Fed auf eine neutrale Position umschwenken", sagte Franke.
Hauptsorge: Inflation
Die Fed bewertet trotz der Wachstumsverlangsamung zum Jahresanfang die Inflation als ihre Hauptsorge. Sie hält den Leitzins seit August 2006 bei 5,25 Prozent. Auch von dem Treffen der US-Notenbanker am Dienstag erwarten Experten keine Änderung.
Doch mittlerweile rechnen Marktteilnehmer und eine Reihe von Ökonomen zum Jahresende mit einer ersten Zinssenkung. An den Finanzmärkten ist sie bereits für Oktober mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 70 Prozent eingepreist. Die Krise bei Hypothekendarlehen für Schuldner geringer Bonität hatte in der vergangenen Woche zu massiven Verlusten an den Aktienmärkten und Turbulenzen an den Kreditmärkten geführt. So geriet auch die IKB Deutsche Industriebank an den Rand einer Pleite.
Analysten sind sich uneinigDie Sorge wächst, dass der gesamte Finanzsektor angesteckt wird. Dann könnten die Finanzinstitute den Unternehmen den Kredithahn zudrehen, wodurch deren Investitionstätigkeit erlahmen würde. Bereits jetzt haben gestiegene Risikoprämien die Finanzierungskosten für Unternehmen deutlich verteuert.
David Rosenberg, US-Chefvolkswirt bei Merrill Lynch, erwartet wegen der strafferen Finanzierungsbedingungen und eines schwachen Starts der US-Wirtschaft ins zweite Halbjahr eine erste Zinssenkung beim Fed-Treffen am 30. und 31. Oktober. Dies sei wahrscheinlich, auch wenn die Fed am Dienstag bei der Betonung ihrer Inflationssorgen bleibe und die Marktturbulenzen herunterspiele.
Ganz so schnell rechnet dagegen BNP-Volkswirt Fabbri nicht mit einer Zinssenkung. Aber auch er sieht die aktuelle Lage als "Risiko für die Wachstumserwartungen der Fed". Zuletzt hatte sie 2,25 bis 2,5 Prozent Wachstum für 2007 und 2,5 bis 2,75 Prozent für 2008 vorhergesagt.
Das Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet von 0,6 auf 3,4 Prozent beschleunigt. Doch viele Experten sagen ähnlich wie die Fed im zweiten Halbjahr ein Wachstum von nur gut zwei Prozent voraus.
Bisher lässt der abkühlende Arbeitsmarkt bei Ökonomen jedoch wenig Konjunktursorgen aufkommen. Denn noch immer bauen die US-Firmen neue Stellen auf. Im Juli schufen die Unternehmen 92.000 neue Jobs - im Vormonat lag der Zuwachs bei 126.000. Mit 4,6 Prozent ist die Arbeitslosenrate noch relativ niedrig. Dies war bisher ein Grund dafür, dass die Fed einen zunehmenden Lohndruck und eine höhere Inflation erwartete.
Diese Sorge teilt David Milleker, Chefökonom bei Union Investment. Er sieht die Kerninflation, gemessen an den Konsumausgaben ohne Lebensmittel und Energie, bis Ende des Jahres infolge der hohen Kapazitätsauslastung und des noch engen Arbeitsmarkts wieder auf rund 2,6 Prozent steigen. Er rechnet daher nicht damit, dass die Fed den Leitzins in diesem Jahr senkt. Das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß lag zuletzt zwei Monate innerhalb der "Komfortzone" der Notenbank von 1,0 bis 2,0 Prozent.
Trotz des gestiegenen Drucks auf die Notenbank sind sich Experten unsicher, wie schnell Fed-Chef Ben Bernanke den Finanzmärkten mit Zinssenkungen zur Seite springt. Sein Vorgänger Alan Greenspan senkte seit Anfang 2001 den Leitzins drastisch, nachdem die New-Economy-Blase geplatzt war. Ähnlich reagierte er, als 1998 der HedgeFonds LTCM nach dem Ausbruch der Russlandkrise in Schwierigkeiten geriet. "Greenspan hätte wahrscheinlich den Zins längst gesenkt", sagte Milleker.
Von Mark Schrörs (Frankfurt) und André Kühnlenz (Berlin)
Quelle: Financial Times Deutschland
Servus, J.B.
"Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben sondern den Jahren mehr Leben zu geben."
-Alexis Carrel-
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