Die rechnen wie die Experten für den August mit einer hohen Schwankungsbreite des deutschen Leitindex. Darauf deutet jedenfalls die jüngste Sentimentanalyse des Daytradebrokers Clickoptions hin. In dieser Woche setzten die meisten Dax-Anleger bei Clickoptions mit so genannten Tunnel-Optionen darauf, dass sich der Kurs des Aktienindex in den kommenden zwei bis vier Wochen in einem bestimmten Kurskorridor bewegt. Die Grenzen sind momentan allerdings breit gesteckt und reichen im Falle der meistgehandelten Optionen von 7 240 bis 8 140 Punkten. Dies würde einer Schwankungsbreite von mehr als zwölf Prozent entsprechen. "Offensichtlich sind viele Anleger derzeit unsicher, in welche Richtung sich der Dax in den kommenden Tagen bewegen wird", deutet Clickoptions-Sprecher Richard Ohl die aktuellen Ergebnisse.
Auslöser für die Aufregung sind immer neue Nachrichten über Schieflagen bei Fonds, Baufinanzierern und Banken, die faule US-Hypotheken in ihren Depots haben. Seit vergangenem Montag erschüttert der Fall der Düsseldorfer Mittelstandbank IKB die Branche. Die IKB hatte milliardenschwere Risiken angehäuft und versucht nun fast schon verzweifelt, ihre Portfolios zu bereinigen. "Die Frage ist nun, welche Banken noch betroffen sind. Da ist auch die eine oder andere negative Überraschung von den Banken aus den USA nicht auszuschließen", meint Commerzbank-Aktienstratege Matzke. In den Vereinigten Staaten steht offenbar der Hypothekenfinanzierer American Home Mortages vor der Pleite und hat deswegen fast 90 Prozent seines Personals entlassen.
Die Kreditkrise könnte nach Einschätzung von Bear-Stearns-Finanzchef Sam Molinaro schlimmere Auswirkungen haben als der Einbruch an den Aktienmärkten in den 80ern oder das Platzen der Internet-Blase.
Der Markt verharrt nun erst einmal weiter in Schockstarre. Solange nicht jede Bank ihr Risiko im US-Markt genau beziffert hat, solange werde auch die Zurückhaltung andauern, meinen Beobachter. Einige sehen aber schon erste Anzeichen der Stabilisierung. Zahlreiche deutsche und europäische Banken haben im Wochenverlauf bereits ihre US-Risiken benannt. Dazu zählten Commerzbank, Depfa, Aareal Bank, Hannover Rück und die Société Générale. "Das ist genau, was der Markt jetzt braucht", erklärte ein Händler. Allerdings müssten erst alle Banken ihre Beteiligungen an den in Schieflage geratenen Geschäften offenlegen, damit der wirtschaftliche Schaden für die Branche ermittelt werden könne.
Immerhin sei der Investment-Gau schließlich bei der deutschen Mittelstandsbank IKB entdeckt worden, betont ein britischer Händler. Gerade der deutsche Mittelstand habe weltweit als Synonym für Stabilität und Prosperität gegolten. "Wenn es also selbst die erwischt hat - wer ist dann noch vor US-Schäden sicher?", so die rhetorische Frage des Händlers. Bis nicht alle Institute alle Karten auf den Tisch gelegt haben, sei daher auch keine Erholung zu erwarten.
Fed beobachtet EntwicklungÜberraschungen positiver Natur dürften in der kommenden Woche nur von der Sitzung der US-Notenbank Fed am Dienstag kommen. Zwar rechnet der Markt einhellig mit einem unveränderten Leitzins bei 5,25 Prozent. Man erhofft sich aber deutlich beruhigende Worte zur Krise am US-Hypothekenmarkt für schlechte Schuldner (Subprime). Bereits im Wochenverlauf hatte Fed-Gouverneur Randall Kroszner gesagt: "Wir werden die Entwicklung sehr, sehr genau verfolgen". Für hunderttausende von Hausbesitzern bestehe das Risiko, dass sie ihr Heim verlören.
Für die USA hat die Immobiliensituation eine zusätzliche Brisanz, da rund die Hälfte der Subprime-Kredite an Minderheiten vergeben wurden. Kein Wunder also, wenn erste Hoffnungen auf Zinssenkungen durch die US-Notenbank wach werden. Die Terminkontrakte auf die US-Zinsen (die so genannten "Fed Fund Futures") gehen bereits mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit von einer Zinssenkung auf 5,0 Prozent zum Jahresende aus. Vergangene Woche hatte diese noch bei 20 Prozent gelegen.
In der allgemeinen Unsicherheit geht die bislang hervorragend verlaufene Berichtssaison in USA, Europa und Deutschland unter. Immerhin gäben sie dem Markt ein gewisses Stützungspotenzial, meinen die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger. "Auch die Konjunkturzahlen lassen noch keine Sorgen aufkommen", schreiben sie in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart". Allerdings zeige sich auch immer mehr, dass die Unternehmen, die die Analystenmeinungen gerade erfüllen können, "schon abgestraft werden, weil sie nicht über den Erwartungen liegen". Die Experten verweisen als Beispiel auf Henkel. "Solche Faktoren sind oft Anzeichen, die Anlass zu der Vermutung geben, dass der Markt nur nach Ansätzen sucht, um zu verkaufen."
Ein wichtiges Marktthema ist die Neubewertung von Risiken. Und da gemeinhin nur niedrige Kaufpreise einen ausreichenden Puffer gegen Überraschungen bieten, dürften niedrige Kurse das Ziel vieler Marktteilnehmer sein. Immerhin habe beim Dax die Unterstützungslinie von 7 350 Punkten gehalten, betonen die Ellwanger & Geiger-Marktbeobachter. "Allerdings dürfte erst ein Übersteigen der 7 600-Punkte-Marke eine wirkliche Erholungstendenz einleiten."
Allein beim Dax sei eine Tagesschwankung von über 100 Punkten "inzwischen keine Seltenheit mehr", stellen die Experten weiter fest. "Damit wächst die Verunsicherung, ob nun der Aufwärtstrend tatsächlich gebrochen ist oder ob es sich nur um eine vorübergehende Korrektur handelt." "Momentan gibt es keine eindeutigen Zeichen, die auf den künftigen Kursverlauf des Dax hindeuten", meint auch Matthieu Driol, der als unabhängiger Analyst für den Daytradebroker Clickoptions tätig ist. Nach der starken Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen sei der Leitindex in eine Konsolidierung getreten
Der Kurs stabilisiere sich zwischen der Unterstützungslinie bei 7 415 Punkten und der Widerstandslinie bei 7 610 Punkten, erklärt Driol. Eine weitere Talfahrt will er nicht ausschließen. "Bei einem Bruch der Unterstützungslinie bei 7415 Punkten würde sich die Baisse bis zur Schwelle von 7 325 Punkten fortsetzen", so der Experte.
Ungeachtet der Turbulenzen am Kreditmarkt erwartet die Börse in der neuen Handelswoche wieder eine Fülle an frischen Quartalsberichten. Während in den USA die Berichtssaison schon wieder ausläuft, lassen sich in Deutschland noch einmal acht Dax-Werte in die Bücher schauen, nebst einer Fülle an Firmen aus der zweiten und dritten Reihe.
Mit Berichten der Münchener Rück, Heidel-Cement und Qiagen startet die Woche. Am Dienstag berichten Fraport, Kuka, Bayer und Beiersdorf. Am Mittwoch folgen Adidas, MLP, Rheinmetall, GPC Biotech und Douglas; am Donnerstag die Deutsche Telekom, RWE, Commerzbank und Tui sowie unter anderem Salzgitter, Bilfinger, Demag, Drägerwerk und Symrise. Mit Thyssen-Krupp und United Internet am Freitag endet die Woche dann.
In der vergangenen Woche sorgten 13 von 30 Dax-Firmen mit ihren Quartalsberichten für meist positive Nachrichten. "Das Dumme ist nur, dass sie in dieser Gemengelage meist kaum Gehör finden. Die Schlagzahl bleibt aber weiter hoch", sagt ein Frankfurter Aktienhändler.
Daneben stehen nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm. Lediglich einen Seitenblick wert sein dürfte am Dienstag der Zinsentscheid der US-Notenbank (Fed). Analysten rechnen damit, dass Fed-Chef Ben Bernanke den Leitzins für die Versorgung der US-Finanzwirtschaft mit frischem Geld unverändert bei 5,25 Prozent belassen wird. Allerdings könnten Aussagen von Fed- und EZB-Bankern Anlass zu neuen Spekulationen über Zinsen, Konjunktur und Marktausblicke geben.
Quelle: Handelsblatt.com
Servus, J.B.
"Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben sondern den Jahren mehr Leben zu geben."
-Alexis Carrel- PS:
Liebe User, um Mißverständnissen vorzubeugen: http://www.ariva.de/Die_10_Gebote_fuer_Ariva_User_t296849