Prügel zum Geburtstag


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DarkKnight:

Prügel zum Geburtstag

 
12.03.01 09:20
Der Neue Markt ist an seinem vierten Geburtstag in einem jämmerlichen Zustand. Die Kurse sind im Keller, Neuemissionen nur vereinzelt möglich, und ein Teil der Unternehmen hat einen Ruf, der manchem Kleinbetrüger die Schamröte ins Gesicht treiben würde. Das Segment ist ins Gerede gekommen. Es wäre schade, wenn dadurch der unbestrittene Erfolg des Neuen Marktes zunichte gemacht würde. Denn er hat nicht nur Pleiten und Pannen in der Bilanz stehen. Auf der Habenseite ist ein außerordentlicher Erfolg als Emissionsplattform auszuweisen. Von 0 auf 300 Titel in weniger als vier Jahren - die Rasanz ist zu einem Markenzeichen des Segments geworden. Das gilt allerdings auch für die Bewertung. In der Hausse brauchte der Nemax All Share keine sechs Monate, um seinen Wert zu verdreifachen. Dummerweise ging es ähnlich flott in die andere Richtung. Seit dem Höchststand, der beim dritten Jubiläum im vorigen März erreicht wurde, hat der Index mehr als 80 % an Wert verloren.
Nicht die Zahl der Pleitekandidaten, die sich inzwischen nicht mehr an einer Hand abzählen lässt, ist das eigentliche Problem. Denn dass die Geschäftsmodelle riskant sind, hat jeder Investor wissen können. Außerdem gab es auch an der Nasdaq allein im Januar und Februar ein knappes Dutzend Delistings wegen Zahlungsunfähigkeit. Nicht zu verkraften ist vielmehr, dass Geschäftszahlen systematisch geschönt werden, dass Vorstände gegen Lock-up-Fristen verstoßen und Investoren in betrügerischer Absicht irregeführt wurden. Diese Machenschaften gehen an die Substanz, weil eine verlässliche Einschätzung der ohnehin schwer zu bewertenden Wachstumstitel kaum noch möglich ist.

Entsprechend vergrätzt sind die Investoren. Kleinanleger, die bis zum Frühjahr 2000 noch wild auf Neuemissionen und glücklich über jede Zuteilung waren, spielen auf dem Primärmarkt keine große Rolle mehr. Institutionelle scheuen das Risiko und beteiligen sich allenfalls an Emissionen, die als Selbstläufer gelten. Das ist verständlich, denn der Neue Markt steht trotz der großen Verluste immer noch auf wackeligem Boden. Vermeintliche Musterknaben wie Qiagen und Aixtron sind mit dem mehr als 80fachen ihrer geschätzten 2002er-Gewinne bewertet. In Zeiten der Hausse wären das Schnäppchen gewesen. Doch derzeit haben die Bären das Sagen. Sie werden sehr schnell mürrisch, wenn es Zweifel am Gewinnwachstum gibt. Gar nicht zu reden von den Defizitkönigen des Segments, wie zum Beispiel T-Online und MobilCom. Zwar gibt es inzwischen einige Titel wie Buch.de oder Prout, die so stark gefallen sind, dass ihr liquides Nettovermögen größer ist als die Marktkapitalisierung. Doch gegenüber den wackeligen großen Werten fallen sie kaum ins Gewicht.

Seine miese Verfassung führt dazu, dass der Neue Markt derzeit eine seiner wichtigsten Funktionen nur noch bedingt erfüllt: die Beschaffung frischen Kapitals, mit dem in den vergangenen Jahren der Aufbau vieler zukunftsträchtiger Unternehmen finanziert wurde. 133 Gesellschaften feierten 2000 ihr Börsendebüt auf dem Neuen Markt. Das Emissionsvolumen stieg auf fast 14 Mrd. Euro, doppelt so viel wie 1999. Ein Großteil des Geldes floss in die Kassen der Gesellschaften, die damit den Ausbau ihres Geschäfts finanzierten. Der Strom frischen Kapitals ist in den vergangenen Monaten zu einem Rinnsal geworden. Seit Jahresbeginn kamen nur drei Neulinge mit einem Gesamtvolumen von knapp 70 Mill. Euro.

Zugegeben, die Flaute auf dem Primärmarkt resultiert auch aus der weltweit schlechten Stimmung für Technologie- und andere Wachstumstitel. Das kann in einigen Monaten schon wieder günstiger aussehen. Doch beim Neuen Markt ist es mit Abwarten allein nicht getan. Das Vertrauen der Anleger ist erschüttert und muss Stück für Stück zurückgewonnen werden. In der Pflicht sind allen voran die schwarzen Schafe unter den notierten Unternehmen, die zu einer soliden Informations- und Geschäftspolitik finden müssen.

Die Emissionsbanken werden ihre Auswahlkriterien weiter verschärfen und die Betreuung ihrer Mandanten nach dem Börsenstart verbessern müssen. Zumindest Institute mit einer langfristigen Strategie setzen sonst ihren Markennamen aufs Spiel. Die Deutsche Börse hat mit der Verschärfung der Regeln für den Neuen Markt einen wichtigen Schritt getan, er hätte aber beherzter ausfallen können. Das gilt insbesondere für die Offenlegung von Insiderverkäufen. Auf dem Neuen Markt müssen sie erst nachträglich gemeldet werden, in den USA vorab.

Die Börse weist zu Recht auf die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland hin. Sie erschweren eine Regelung, die dem Standard der Nasdaq entspricht. Deshalb kommt auch dem Gesetzgeber eine wichtige Rolle zu. Regeln für Transaktionen von Insidern könnten Teil des nächsten Finanzmarktförderungsgesetzes werden. Das würde die Sanktionsmöglichkeiten erheblich verschärfen. Außerdem gilt es langfristig die Börsenaufsicht zu stärken. Sie ist in Deutschland hoffnungslos zersplittert und hält dem Vergleich mit der SEC in den USA nicht stand. Nur wenn alle Beteiligten ihre Hausaufgaben machen, kann der nächste Geburtstag des Neuen Markts erfreulicher ausfallen. Gelingt das nicht, droht Konkurrenz aus den USA. Die Nasdaq verfolgt ihre eigene Europa-Strategie, und schon jetzt ist ein IPO in den USA eine sinnvolle Alternative für europäische Unternehmen.




Börsen-Zeitung, 10.3.2001
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sir charles:

Und das Traurige daran ist, das kein Ende der

 
12.03.01 09:28
fallenden Kurse in Sicht ist. Von Bodenbildung traut sich keiner mehr zu
sprechen.
Wann könnte sich die Lage wieder verbessern??? Möglicherweise im Herbst,
wenn die Zinssenkungen der FED zu greifen beginnen, oder schlittern wir
in eine schlimme Rezession die in einer Depression mündet???
Ein langsam ziemlich zerstörter Wiener
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1Mio.€:

Hoffentlich läuft mein Geb.tag besser ! Gruss o.T.

 
12.03.01 09:29
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PRÜFER:

Denkt daran:

 
12.03.01 09:36
Die Kurse sind zwar im Keller, aber auch dort kann man ja noch ein Loch graben.
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Makelo:

zum Glück trifft man beim graben...

 
12.03.01 10:05
irgendwann auf Granit, denn bei Null ist endgültig Schluss und Aktionäre können im Insolvenzfall nicht an Verlusten beteiligt werden. Das ist doch beruhigend... Oder ???

MfG Make
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