Profi-Depots im Abwärtssog


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Profi-Depots im Abwärtssog

 
30.09.01 15:52
Profi-Depots im Abwärtssog  

Viele Vermögensverwalter erwirtschafteten zuletzt Verluste. Doch sie sind noch besser als die Indizes - Firstfive-Ranking

Von Michael Höfling

Berlin - Claus Schwan weiß nicht so recht, ob er lachen oder weinen soll. Zum einen liegt der Privatkundenberater der Commerzbank im dynamischen Ranking der Depotcontroller Firstfive mit seinem Portfolio auf dem ersten Rang. Andererseits hat das Depot aber auf Jahressicht ein Minus von fast elf Prozent "erwirtschaftet". "Wirklich zufrieden kann man damit natürlich nicht sein, aber der Markt ist die Messlatte", sagt Schwan. Und den hat er klar hinter sich gelassen: Der Dax verlor im selben Zeitraum 28 Prozent, der Nemax All Share sogar fast 81 Prozent.
Was Schwan in der Baisse zugute kam, war vor allem sein Engagement in Hedgefonds, durch die er über unterschiedliche Strategien wie zum Beispiel Leerverkäufe auch von fallenden Aktienmärkten profitierte. "Der Anteil der Hedgefonds am Gesamtportfolio liegt zurzeit bei sechs Prozent", berichtet der Vermögensberater. Mittelfristig will er den Anteil auf 15 Prozent hochfahren - was Bände spricht über seine Erwartungen an die Entwicklung der Aktienmärkte. "Dort hilft im Moment wirklich nur sehr selektives Vorgehen", sagt Schwan.

Mit der Flucht in die Defensive, die bei ihm Aktien wie Procter & Gamble oder McDonald's darstellen, ist er bisher gut gefahren. Auf seiner Watchlist hat der Vermögensberater deutsche Immobilienaktien. "Nach England und den USA kann man nun in Deutschland auf den Abbau der massiven Unterbewertung dieser Branche setzen", vermutet er. "Das Sicherheitsbedürfnis nach den Terroranschlägen in den USA dürfte sich zusätzlich auswirken."

Angesichts der völlig ungewissen Entwicklung der weltpolitischen und damit auch der konjunkturellen Lage hält Schwan einen Bargeld-Anteil von 20 bis 30 Prozent: "Diese Reserve brauchen wir für Kaufgelegenheiten wie die am vorvergangenen Freitag." Diesen Tag mit Sell-Out-Charakter nutzte er für selektive Käufe, zum Beispiel bei DaimlerChrysler, Siemens, Deutscher Bank oder Commerzbank. "Solche Positionen sichern wir per nachgezogenem Stopp-Loss nach unten ab und profitieren so auch kurzfristig von den äußerst volatilen Märkten", erläutert der Experte.

Wobei Siemens eigentlich nicht zu seiner augenblicklichen Strategie passt, denn für High-Tech-Werte ist Schwan bis auf weiteres bearish. "Doch Siemens oder auch eine IBM können kurzfristig überverkauft sein, so dass man zumindest auf eine oft sogar heftige technische Reaktion spekulieren kann."

Ganz ohne alternative Anlage-instrumente schaffte es Albrecht von Witzleben, im Firstfive-Ranking auf Jahressicht mit einem Minus von 13,9 Prozent den zweiten Platz einzunehmen. Eine fast noch beachtlichere Leistung. "Meine Aktienquote liegt bei 85 Prozent", bestätigt der Chef der gleichnamigen Vermögensverwaltung. Auch er verlässt sich auf die Qualität seines Stock-Picking: "Den Dax würde ich jetzt sicher nicht kaufen."

Dafür schaut er nach Werten, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen. "Kurs/Gewinn-Verhältnisse von unter zehn sind zwar schön, das allein reicht aber bei weitem nicht aus", erläutert von Witzleben seine Value-Strategie. Denn der Gewinn, der dieser Kennzahl zu Grunde liegt, darf keine "Eintagsfliege" sein. "Da muss eine kontinuierliche, möglichst konjunkturunabhängige Entwicklung vorliegen", fordert der Vermögensverwalter. "Und ein solides

Gewinnwachstum sollte schon über die Dauer eines Konjunkturzyklus nachzuweisen sein." Fündig wurde von Witzleben, der seinen Aktienbestand auf sieben Positionen verteilt hat, unter anderem bei der Baugesellschaft Bilfinger Berger. "Krass unterbewertet", urteilt von Witzleben. Nach Konzernteilen gemessen, ergebe sich ein fairer Wert von etwa 30 Euro, der Kurs liegt bei 17 Euro.

Auf Rang drei liegt das Bankhaus Sal. Oppenheim mit einer Performance von minus 15,7 Prozent. Paul Christian Recum, der das Depot führt: "Wir haben auf Grund der unsicheren Aussichten schon früh begonnen, die Aktienquote zu Gunsten der Cash-Position zu senken." Er erwartet weitere Turbulenzen, wartet auf weitere Ausverkaufstage, um dann günstig in ausgebombte Qualitätswerte einzusteigen.

Die Firstfive Deutschland AG analysiert die realen Investmententscheidungen und -ergebnisse führender Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum
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