und kann von manchen Seeking-Alpha-Autoren offenbar nicht in voller Tragweite erfasst werden, weil zu viele unterschiedlichen Einflussfaktoren aus unterschiedlichsten Bereichen zusammenspielen: Politische Interessen der jeweiligen US-Regierung, finanzielle Interessen von Wallstreets Großbanken im US-Hypo-Markt, generelles Verlangen nach günstigen Hausbaukrediten (sekundärer Hypo-Markt in USA) in der Bevölkerung, die Rechtslage im Allgemeinen und in der Zwangsverwaltung im Besonderen, das Vertragsrecht bei den JPS usw.
Als Beispiel nehme ich mal folgenden Satz aus obigem Artikel:
"Das bedeutet, dass die Aktionäre kein Mitspracherecht bei der Führung der Unternehmen haben und keinen Anspruch auf deren Gewinne."Es trifft zu, dass die Stammaktionäre in der Zwangsverwaltung kein Mitspracherecht haben. Gleiches gilt m. E. auch für die Vorzüge. Das liegt an den Besonderheiten der FHFA-Zwangsverwaltung und der damit einhergehenden Entrechtung der Altaktionäre durch das HERA-Gesetz (2008), das durch die Scotus-Opinion vom Juni 2021 noch zusätzliches Gewicht erhalten hat - im wahrsten Wortsinn, denn HERA ist ein Mühlstein, der am Hals der Altaktionäre hängt.
HERA überschreibt aber nicht komplett andere US-Grundrechte. Im Lamberthprozess geht es z. B. um einen Verstoß gegen "gute kaufmännische Sitten", der mit der Einführung des NWS begangen wurde (so die Kläger). Lamberth konnte den Prozess daher nicht bereits im Vorfeld durch Verweis auf HERA und Scotus abwürgen. Wenn der Prozess gewonnen wird, erhalten die JPS- und Freddie-Aktionäre auch tatsächlich bares Geld. Rechtlich ist deren Position also nicht komplett tot.
Bezüglich Mitspracherechten gilt, dass die Stämme in der Zwangsverwaltung gar keine haben - und sie könnten sich auch nicht dagegen wehren, wenn die Regierung beschließt, die Stammaktien katastrophal zu verwässern, indem sie ihre SPS-Vorzugaktien in Stammaktien umwandelt.
Die JPS-Halter haben auf die Entscheidungen der FHFA mehr Einfluss: Eine Änderung der JPS-Vertragsrechte ist nur möglich, wenn bei einer Abstimmung unter den JPS-Haltern zwei Drittel dieser Änderung zustimmen. Die JPS sind für die "Feinde" (Regierung, WallStreet) daher ein echter Stolperstein, der nicht einfach aus dem Weg gekickt werden kann. Wenn die JPS-Aktionäre eine Änderungsvorschlag (z. B. Auszahlung zum halben Nennwert) nicht mit 2/3-Mehrheit billigen, bleiben die ursprünglichen Vertragsbestimmungen stehen.
Die Macht der JPS-Halter besteht darin, dass ohne sie keine Kapitalerhöhung durchgeführt werden kann. Die Zeichner der neuen Stämme würden zögern, wenn "über ihnen" noch eine rechtlich vorrangige JPS-Schicht existiert. Denn wenn die SPS der Regierung durch Umwandlung in Stämme "verschwinden", würden die JPS
zur höchstrangigen Schicht in der Kapitalstruktur. Neuen Zeichnern würde das sauer aufstoßen.
Deshalb hatte Mnuchin (Trumps Finanzminister) bei internen Gesprächen vorgeschlagen, dass nicht nur die SPS, sondern auch die JPS in Stammaktien umgewandelt werden. Danach gäbe es nur noch Stammaktien (in Billionenzahl) und die zu zeichnenden neuen Aktien. Zu welchen Bedingungen die JPS in Stammaktien getauscht werden, wäre wiederum von der oben genannten, zwingend erforderlichen Abstimmung unter den JPS-Haltern abhängig, denn ohne deren Zustimmung ist ein Tausch von JPS in Stämme per JPS-Verträgen nicht möglich. D. h. die JPS-Halter haben ihr durchaus ein Mitspracherecht, und sogar ein gewichtiges. Wenn die Regierung an ihre schnellen 100-Mrd. $ aus der Freilassung/KE rankommen will, muss sie sich zwingend mit den JPS-Haltern auseinandersetzen und Angebote machen, für die sich eine 2/3-Mehrheit findet.
Die Ohnmacht der Stammaktionäre besteht darin, dass sie nicht verhindern können, wenn FHFA und Schatzamt die SPS-Umwandlung in Stämme beschließt und vollzieht. HERA gibt den Akteuren dazu sämtliche Freiheiten. Den Stammaktionären bliebe zwar der zivilrechtliche Anspruch auf eine Entschädigung des Wertverlustes, der aus der SPS-Umwandlung resultiert. Doch bei einem Kurssturz von z. B. 46 Cents auf 2 Cents ließen sich dabei maximal 44 Cents Entschädigung rausholen, und dies wohl auch erst nach langwierigen Prozessen.