HINTERGRUND: Münchener Rück setzt auf Befreiungsschlag: Mrd-Kapitalerhöhung
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Kurz vor seinem Abschied aus der Chefetage hat Hans-Jürgen Schinzler der Münchener Rück mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung wieder Luft verschafft. "Wir haben raues Fahrwasser und eine schwere See", beschrieb Schinzler, der zum Jahresende den Vorstandsvorsitz beim weltgrößten Rückversicherer abgibt, die Situation der Versicherungswirtschaft.
Großereignisse wie der 11. September und die Börsenkrise hatten der Münchener Rück fünf Verlustquartale in Folge beschert. Mit frischem Kapital in Höhe von mindestens 3,8 Milliarden Euro soll der Branchenprimus nun wieder Kurs auf Wachstum und Profitabilität nehmen.
WOCHENLANGE SPEKULATIONEN
Bereits seit Wochen hatte die Finanzwelt über einen bevorstehenden Paukenschlag spekuliert, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's im August das für das Versicherungsgeschäft wichtige Rating von "AA-" auf "A+" gekappt hatte. Am Tag darauf hatte der Rückversicherer bei Vorlage der Halbjahresbilanz deutlich gemacht, dass er sich von den Rating-Agenturen nicht zu einer Kapitalmaßnahme zwingen lassen will.
Seither dürfte der Druck von Kunden und Investoren nicht geringer geworden sein, zumal die die Erneuerungssaison für Rückversicherungsverträge unmittelbar bevorsteht. So räumte Schinzler bei Vorstellung der Kapitalerhöhung am Freitag auch ein, dass man mit der Entscheidung auch der Verunsicherung bei Investoren und in der Öffentlichkeit begegnen wolle: "Es muss uns daran gelegen sein, dass wir nicht jeden dritten Tag in der Zeitung stehen", sagte der scheidende Vorstandschef. "Verunsicherung ist immer Gift für das Kapital."
RATING-GEDANKEN
Zugleich pochte er auf Entscheidungsfreiheit seines Unternehmens: Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG werde sich bemühen, so schnell wie möglich ein Double-A-Rating zurückzuerhalten. Dabei setze sie aber ihren eigenen Fahrplan um und könne nicht nur im Interesse von Ratingagenturen handeln.
Das Verhältnis zu der Rating-Agentur sei im übrigen keineswegs getrübt, versicherte Vorstandsmitglied Jörg Schneider: "Wir haben keinerlei Schwierigkeiten mit der Agentur, es besteht ein hervorragendes Arbeitsverhältnis."
ANALYSTEN: 'BEFREIUNGSSCHLAG'
Analysten werteten den Schritt als Befreiungsschlag. Mit der Entscheidung habe der Rückversicherer dem Druck des Marktes und der Ratingagenturen nachgegeben, hieß es bei der WGZ-Bank. Auch andere Experten gehen davon aus, dass sich das Unternehmen nach den wochenlangen Spekulationen wieder Ruhe verschaffen wollten.
Frank Stoffel von der WestLB zeigte sich vor allem über die Höhe der Kapitalerhöhung überrascht. Sein Haus hatte mit einem Volumen von zwei bis drei Milliarden Euro gerechnet. Mit dem Schritt nehme das Management auch den Druck von sich, kurzfristig über eine weitere Reduzierung der Anteile an der HypoVereinsbank AG und der Allianz AG nachzudenken, sagte Stoffel. Andere Analysten erwarten nun einen stärkeren Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft./DP/sbi
--- Von Christine Schultze, dpa ---
Quelle: dpa-AFX .
www.eklein.de
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Kurz vor seinem Abschied aus der Chefetage hat Hans-Jürgen Schinzler der Münchener Rück mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung wieder Luft verschafft. "Wir haben raues Fahrwasser und eine schwere See", beschrieb Schinzler, der zum Jahresende den Vorstandsvorsitz beim weltgrößten Rückversicherer abgibt, die Situation der Versicherungswirtschaft.
Großereignisse wie der 11. September und die Börsenkrise hatten der Münchener Rück fünf Verlustquartale in Folge beschert. Mit frischem Kapital in Höhe von mindestens 3,8 Milliarden Euro soll der Branchenprimus nun wieder Kurs auf Wachstum und Profitabilität nehmen.
WOCHENLANGE SPEKULATIONEN
Bereits seit Wochen hatte die Finanzwelt über einen bevorstehenden Paukenschlag spekuliert, nachdem die Rating-Agentur Standard & Poor's im August das für das Versicherungsgeschäft wichtige Rating von "AA-" auf "A+" gekappt hatte. Am Tag darauf hatte der Rückversicherer bei Vorlage der Halbjahresbilanz deutlich gemacht, dass er sich von den Rating-Agenturen nicht zu einer Kapitalmaßnahme zwingen lassen will.
Seither dürfte der Druck von Kunden und Investoren nicht geringer geworden sein, zumal die die Erneuerungssaison für Rückversicherungsverträge unmittelbar bevorsteht. So räumte Schinzler bei Vorstellung der Kapitalerhöhung am Freitag auch ein, dass man mit der Entscheidung auch der Verunsicherung bei Investoren und in der Öffentlichkeit begegnen wolle: "Es muss uns daran gelegen sein, dass wir nicht jeden dritten Tag in der Zeitung stehen", sagte der scheidende Vorstandschef. "Verunsicherung ist immer Gift für das Kapital."
RATING-GEDANKEN
Zugleich pochte er auf Entscheidungsfreiheit seines Unternehmens: Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG werde sich bemühen, so schnell wie möglich ein Double-A-Rating zurückzuerhalten. Dabei setze sie aber ihren eigenen Fahrplan um und könne nicht nur im Interesse von Ratingagenturen handeln.
Das Verhältnis zu der Rating-Agentur sei im übrigen keineswegs getrübt, versicherte Vorstandsmitglied Jörg Schneider: "Wir haben keinerlei Schwierigkeiten mit der Agentur, es besteht ein hervorragendes Arbeitsverhältnis."
ANALYSTEN: 'BEFREIUNGSSCHLAG'
Analysten werteten den Schritt als Befreiungsschlag. Mit der Entscheidung habe der Rückversicherer dem Druck des Marktes und der Ratingagenturen nachgegeben, hieß es bei der WGZ-Bank. Auch andere Experten gehen davon aus, dass sich das Unternehmen nach den wochenlangen Spekulationen wieder Ruhe verschaffen wollten.
Frank Stoffel von der WestLB zeigte sich vor allem über die Höhe der Kapitalerhöhung überrascht. Sein Haus hatte mit einem Volumen von zwei bis drei Milliarden Euro gerechnet. Mit dem Schritt nehme das Management auch den Druck von sich, kurzfristig über eine weitere Reduzierung der Anteile an der HypoVereinsbank AG und der Allianz AG nachzudenken, sagte Stoffel. Andere Analysten erwarten nun einen stärkeren Preisdruck im Rückversicherungsgeschäft./DP/sbi
--- Von Christine Schultze, dpa ---
Quelle: dpa-AFX .
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