Der Finanzalchemist
Von Holger Steltzner
Der Kopf hinter den Optionsgeschäften: Porsche-Finanzvorstand Holger Härter
29. Oktober 2008 In Zuffenhausen schrauben seit Jahrzehnten einfallsreiche Tüftler und fleißige Techniker an kraftvollen Sportwagen. In der schwäbischen Provinz werkelt aber auch ein brillanter Finanzalchimist. Die Folgen seines Werks bestaunen dieser Tage Anleger und Börsenprofis von Frankfurt bis London. Von jetzt auf gleich springt der Preis für die VW-Aktie auf 1000 Euro. Für einige Minuten war Volkswagen das teuerste Unternehmen der Erde, mit einem höheren Marktwert als Exxon oder Gasprom. Doch was zählt heute noch der Börsenwert? Den Deutschen Aktienindex kann man derzeit getrost vergessen. Er ist kaum mehr als ein Wurmfortsatz der VW-Kurskapriolen.
Während Fondsmanager in seltener Eintracht mit Chefkritikern auf den vermeintlichen Kasinokapitalismus schimpfen und die Börse, samt Aufsicht, die Geschäfte prüft, zieht Porsche in aller Ruhe die Übernahme von Volkswagen durch – und verdient sogar noch prächtig daran. Im abgelaufenen Geschäftsjahr dürfte Porsche mit rund sieben Milliarden Euro fast so viel Gewinn wie Umsatz gemacht haben, aber nur etwa ein Viertel des Gewinns stammt aus dem Bau und Verkauf von Autos. Wegen des großen Erfolgs wird der Vorstand von Porsche besser bezahlt als alle anderen Manager in Deutschland, der Chef Wiedeking könnte vielleicht 70 Millionen Euro bekommen, Finanzvorstand Härter wohl etwas weniger. Aber er ist der Kopf hinter den genialen Optionsgeschäften.
Immer wieder gewettet und die Finger verbrannt
Die ersten VW-Aktien kaufte Porsche vor drei Jahren für 35 Euro. Früh sicherte sich der kleine Sportwagenhersteller die günstigen Aktienpreise, indem er mit Banken Kurssicherungsgeschäfte abschloss. Als die Optionen in Stufen aufgelöst wurden, konnte Porsche den deutlich größeren Hersteller Volkswagen zu den frühzeitig gesicherten Festpreisen schrittweise übernehmen. Das Geschrei über das Geschäftsgebaren von Porsche ist wohl dort am größten, wo die Verluste besonders schmerzen.
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Immer wieder wetten Hedge-Fonds auf den Absturz der VW-Aktie – und verbrennen sich die Finger. Ähnlich ergeht es Banken, die ihre Positionen aus Termingeschäften nicht abgesichert haben. Solche Verluste muss man nicht bedauern. Die Optionsstrategie des Finanzalchemisten Härter ist das große Rätsel der computerisierten Börsenwelt. Hoffentlich kennt er auch die Auflösung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann
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