Folfer Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank und Experte in Wirtschafts- und
Währungsfragen, kommentiert heute in seiner täglichen Kolumne die Auswirkungen der Entwicklung in den USA auf die Weltwirtschaft. Seine ausgewogene Sichtweise ist wie immer beeindruckend:
"Mit der globalen Anschwächung der Wirtschaftsdynamik stellt sich die Frage, ob hier eine Trendwende in Richtung rezessiver Entwicklungen auf der Agenda steht.
Der solitäre Blick auf die Einkaufsmanagerindices und Stimmungsindikatoren als auch
auf enttäuschende Wachstumsdaten (USA) oder rückläufiges Wachstum der realen Auftragseingänge unterstützt diese Sichtweisen. Ergo ist diese Sorge aus quantitati-
ver Sichtweise berechtigt. Wenden wir uns der qualitativen Sichtweise zu. Hier müssen wir auf die Zyklik eingehen. Sind die Lagerbestände opportunistisch hoch? Die Antwort, die wir aus unterschiedlichsten Branchen erhalten, belegen in einer Durchschnittsbe-trachtung das Gegenteil. Entsprechend ist über den Lagerzyklus kein aggressiver Ein- bruch zu erwarten. Ähnlich sieht es bei dem Investitionsgüterzyklus aus. Der Zyklus
ist jugendlich - Ersatz- und Neuinvestitionen sind korreliert mit realer und notwendiger Nachfrage nach der historisch einmaligen Anpassung von Mitte 2008 bis Ende 2009.
Aus den beiden Impulsen über Lagerzyklus und Investitionsgüterzyklus hat sich in 70% der Weltwirtschaft über erhöhte Beschäftigung ein Konsumzyklus etabliert, der auf Arbeitseinkommen und nicht auf Neuverschuldung (2007/2008) beruht. Die qualitative Analyse impliziert unverändert ein sehr hohes Maß an Tragfähigkeit.
Diese Tragfähigkeit wurde in den letzten fünf Monaten durch vier Themenblöcke herausgefordert: Nordafrika, Fukushima, Eurodefizitkrise und US-Defizitkrise. Sollten weitere Themenblöcke durch unsensible Politik oder politischen Missbrauch der Finanzmärkte und seiner Instrumente aufgemacht werden, mag die Tragfähigkeit der globalen Wirtschaft weiter unterminiert werden und eine sachlich überhaupt nicht not-wendige Trendwende der globalen Konjunkturerholung erzwungen werden.
Bisher ist dieses Bild jedoch nicht mein präferiertes Szenario"
Aus:
www.goldseiten.de/content/marktberichte/...e.php?storyid=16879