Porsche höher verschuldet als gedacht
Nach der Einigung im Drama um Porsche und VW verhandeln die beiden Autokonzerne, wie der integrierte Konzern aussehen soll. Dabei kommen brisante Details ans Tageslicht: So soll Porsche laut Medienberichten mehr Schulden haben als angenommen. Deutsche-Bank-Chef Ackermann dringt deshalb auf frisches Kapital.
ANZEIGE
ZUM THEMA
Abfindung: Wiedeking sollte 150 Millionen bekommen
Ferdinand Piëch: Wieder Sieger im Intrigenstadel
Integrierter Konzern: Wie Porsche in Volkswagen aufgeht
Leitartikel: VW/Porsche - Frieden nach der Schlacht
Das Kapital: Endlich Klarheit bei Porsche
Zitate zum Wiedeking-Abgang: "Es tut mir in der Seele weh"
Diesen Artikel jetzt anhören
Die Schulden von Porsche sind laut den Magazinen "Focus" und "Spiegel" wesentlicher größer als bisher bekannt. Das Zuffenhausener Unternehmen sprach zuletzt von einer Verschuldung in Höhe von 9 bis 10 Mrd. Euro. Doch während der Sitzung in der Nacht zum Donnerstag wurden laut Focus andere Zahlen präsentiert: Demnach hätten die Stuttgarter Verbindlichkeiten von rund 14 Mrd. Euro.
Teilnehmer der Sitzung berichteten, wäre es nicht zu einer Einigung mit Volkswagen (VW) gekommen, wäre Porsche in etwa zwei Wochen zahlungsunfähig gewesen. Der "Spiegel schrieb unter Berufung auf Bankenkreise, dass Porsche zu den Kreditschulden noch weitere Anleihen gezählt werden müssen, die das Unternehmen herausgegeben hat.
Zudem hieß es, dass Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Eigentümerfamilien zu einer baldigen Kapitalerhöhung drängt. In einem vertraulichen Gespräch mit Porsche-Miteigentümer Wolfgang Porsche soll Ackermann gesagt haben, dass die Familien Porsche und Piëch schnell eigenes Kapital in den Konzern stecken müssten.
Preisverhandlungen beginnen
Nach wochenlangem Ringen einigten sich VW und Porsche am Donnerstag darauf, einen integrierten Automobilkonzern zu schmieden. Er soll durch die schrittweise Beteiligung von VW an Porsche und die abschließende Verschmelzung der Porsche Holding SE mit der Volkswagen AG entstehen. Dabei solle Katar als strategischer Partner bei VW eingebunden werden. Zuvor hatte Porsche im Alleingang versucht, VW zu übernehmen - hatte sich damit aber finanziell überhoben.
Die neuen Meldungen über die hohe Verschuldung dürften die Verhandlungsposition Porsches weiter schwächen. In den nächsten Tagen wollen die VW-Experten laut "Focus" anfangen, alle Bilanzen und Berichte von Porsche sorgfältig zu prüfen. Erst danach entscheidet sich, wie hoch der Kaufpreis sein wird. VW will spätestens bis Jahresende 49,9 Prozent der Porsche AG übernehmen, den Rest im nächsten Jahr.
VW-Betriebsrat will Einfluss sichern
Betriebsratschef Bernd Osterloh möchte die Regeln des VW-Gesetzes auf den Gesamtkonzern festschreiben
Der Kampf um Einfluss im entstehenden Konzern hat bereits begonnen. Der VW-Betriebsrat bringt sich bereits in Stellung und will laut der "Süddeutschen Zeitung" die Sonderrechte des Landes Niedersachsen und der Belegschaft im Unternehmen zusätzlich absichern. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Regeln des VW-Gesetzes sollten im neuen Unternehmen, das zusammen mit Porsche entsteht, von allen Beteiligten in einer Grundlagenvereinbarung festgeschrieben werden.
"Wir haben das VW-Gesetz immer für alle Standorte angewandt. Und das wird auch so bleiben." Insofern werde das VW-Gesetz dann auch für Porsche gelten. "Gegen die Stimmen der Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat können dann keine Werke verlagert oder gar geschlossen werden", sagte Osterloh. Die Belegschaft wolle sicher gehen, dass der Zusammenschluss der Unternehmen und die künftige finanzielle Lage nicht zu Lasten der Arbeitnehmer und ihrer Jobs gingen.
Auch in Brüssel gibt es Veränderungen. Nach dem Vereinigungsbeschluss von Volkswagen und Porsche will die EU-Kommission laut einem Zeitungsbericht die Rechtmäßigkeit des VW-Gesetzes erneut prüfen. Der Sprecher von Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy sagte der "Süddeutschen Zeitung", seine Behörde werde im September beraten, ob sie Deutschland wegen des Gesetzes zum zweiten Mal nach 2007 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklage.
Die Sonderregelung war in den 60er-Jahren geschaffen worden, um eine feindliche Übernahme des Konzerns auszuschließen. Sie sichert dem Land Niedersachsen ein Vetorecht in wichtigen strategischen Fragen sowie bei Standortentscheidungen. Der EuGH hatte das Gesetz bereits 2007 für unvereinbar mit europäischem Recht erklärt, weil es den freien Kapitalverkehr einschränke.
Zypries will keine Änderung, Baden-Württemberg schon
Die Bundesregierung änderte die Regelung daraufhin, ließ den Passus, wonach wichtige Beschlüsse einer Kapitalmehrheit von 80 Prozent bedürfen, aber bestehen. Damit behielt das mit 20,01 beteiligte Land Niedersachsen seine Sperrminorität. Das VW-Gesetz ist eine Ursache für Porsches finanzielle Probleme: Porsche-Chef Wiederking war davon ausgegangen, dass das Gesetzt fällt, und er Zugriff auf die Volkswagen-Kasse erhält, um Schulden zurückbezahlen zu können.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die auch in der Union neu aufkeimende Debatte um das VW-Gesetz sofort zu beenden. "Die CDU schadet dem Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn sie Zweifel am VW-Gesetz streut", sagte sie. Dagegen forderte der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) in der Zeitung, das Gesetz abzuschaffen. Es benachteilige private Anteilseigner und schade den Standortinteressen Baden-Württembergs.
http://www.ftd.de/unternehmen/autoindustrie/...edacht/544672.html?p=2