Polytec: Warum für den Autozulieferer Bananen und Armeen wichtiger werden
HÖRSCHING. Der oberösterreichische Kunststoffkonzern will mittelfristig 30 Prozent des Umsatzes mit kreislauffähigen Verpackungs- und Logistiksystemen erwirtschaften und Margen steigern
Vor 40 Jahren haben Ulrike und Friedrich Huemer Polytec gegründet und vor 20 Jahren an die Börse gebracht. Sohn Markus Huemer richtet als Vorstandschef den börsenotierten Autozulieferer jetzt neu aus.
Autozulieferer brauchen ein hohes Maß an Leidensfähigkeit. Sie bekommen Krisen der Branche unmittelbar zu spüren, während sie beim Aufschwung häufig mit Brosamen abgespeist werden. Das zeigte sich zuletzt auch, als die Bilanzen der Autokonzerne wieder glänzten, während die Zulieferer nach wie vor mit geringen Margen kämpfen. "Die vergangenen zehn Jahre glichen einer Rallye ohne Streckenplan, bei der man sich von Sonderprüfung zu Sonderprüfung kämpft", sagt Markus Huemer im Gespräch mit den OÖNachrichten.
Aus den multiplen Krisen zwischen 2019 und jetzt hat Polytec mehrere Konsequenzen gezogen. Sieben von 27 Werken wurden geschlossen (vor allem in Deutschland, den Niederlanden und der Türkei), gleichzeitig neue aufgesperrt. Die Produktion in Großbritannien wurde gewinnbringend verkauft, die Produktpalette für die Autoindustrie wurde umgestellt. "Wir sehen uns als One-Stop-Shop für Kunststofftechnologie. Unsere Kunden kommen mit einem Problem. Wir versuchen, es zu lösen", sagt Huemer und nennt als Beispiel für neue Lösungen die E-Mobilität, für die neue Produkte entwickelt worden seien.
Weitere Werke wie jenes im deutschen Weierbach werden zugesperrt, weil manche Bereiche wie etwa Kleinserien für Audi und AMG nicht mehr erfolgreich waren.
Die Kunststoffkompetenz will Polytec dafür stärker abseits der Autobranche nutzen. Smart Plastics Applications (SPA) sollen mittelfristig 30 Prozent vom Umsatz beisteuern, derzeit sind es nur zehn Prozent.
Dabei verfolgt Polytec mehrere Schienen, die ihren Ursprung in der einstigen Kunststoff-Logistik-Tochter Steco in Ebensee haben, die ein Logistik-System mit wiederverwendbaren Plastikkisten aufgezogen hat. Gemeinsam mit der deutschen Ifco wird dieses System der Kreislaufwirtschaft weiterverfolgt. Umlaufverpackungen werden auch für Pflanzen ein Thema.
Hoffnung Lebensmittellogistik
Große Hoffnungen hegt Huemer für zwei spezielle Entwicklungen. Zum einen geht es um die größte Herausforderung in der Lebensmittel-Logistik: das Gewicht der Transportkisten. Die derzeitigen Kunststoffkisten seien so schwer, dass sie nicht vollständig mit Ware wie etwa Bananen gefüllt werden können. "Wem es gelingt, das Gewicht der Kisten um 25 Prozent zu reduzieren, hat große Chancen. Wir haben das technologisch so weit." Ähnliches gilt für Paletten. Polytec habe das Ziel, lebensmittelechte Kunststoffpaletten zu produzieren, die man für die Digitalisierung der Logistik verwenden kann. Das Potenzial ist enorm: Der Marktführer bei Holzpaletten hat 410 Millionen Stück weltweit im Umlauf.
Die zweite Entwicklung ist das Ergebnis einer oberösterreichischen Kooperation. Das Startup BooxIt hat Kunststoff-Boxen entwickelt, die man flexibel stapeln kann, ohne sie zusätzlich fixieren zu müssen. Bis zu einer Höhe von 2,40 Metern könne man Elemente mit flexiblen Größen übereinanderlegen, es funktioniert so ähnlich wie bei Plastikbausteinen, die sich ineinander verzahnen. Polytec könne diese Boxen (siehe Bild) in Serie herstellen, Haidlmair liefere das Werkzeug dafür. Das österreichische Bundesheer könne der Katalysator für die Innovation sein. Generell seien die Boxen wegen ihrer flexiblen Handhabbarkeit und Stabilität für den Defense-Bereich ein Thema.
Solides Eigenkapital
Der SPA-Bereich soll helfen, die Ertragsstärke der Polytec zu erhöhen, die nach multiplen Krisen langsam wieder zurückkehrt. Immerhin könnte heuer mit 40 Prozent weniger Personal als noch 2017 und etlichen Werken weniger wieder derselbe (nominelle) Umsatz wie vor der Coronakrise (660 bis 680 Millionen Euro) erzielt werden, die Ebit-Marge liege bei 2,5 Prozent. Das sei ausbaufähig, sagt Huemer.
Polytec beschäftigt derzeit in 21 Werken weltweit 3431 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat eine Eigenkapitalquote, die deutlich über 40 Prozent liegt, und eine sehr geringe Nettoverschuldung.