Der Handheld-Hersteller Palm steckt in der Krise. Umsatzverluste, härtere Konkurrenz und der Vorwurf der irreführenden Werbung machen dem Unternehmen zu schaffen. Der Aktienkurs gibt ebenfalls wenig Anlass zum Optimismus.
Hamburg – Bei Palm ist derzeit die Stimmung düster. Der Taschencomputer-Hersteller wankt von einer Krisensituation in die nächste. Zuletzt machte das US-Unternehmen Anfang der Woche mit seinem Palm m130 Handheld Negativschlagzeilen.

Zweifel an den Farben: Palm-Handhelds m130 (rechts) und m515
Das Gerät – auf der Palm-Internetseite wegen seines Farbdisplays angepriesen – kann offenbar nicht die Leistung erbringen, die bei der Markteinführung im März vollmundig angekündigt wurde. Damals warb Palm damit, dass der Bildschirm 65.536 Farben darstellen könne. Schon bald gab es in diversen Web-Foren erste Zweifel, ob diese Angabe wirklich stimmt.
Der wachsende Druck zeigte Wirkung. Am Montag trat Palm die Flucht nach vorne an und reduzierte das Farbpotenzial öffentlich auf 58.621 Töne. Palm-Sprecherin Marlene Somsak sprach von einem "ehrlichen Fehler" für den man sich entschuldigen wolle.
Mangelhafte Kenntnisse über eigene Produkte
Ob die Reue die gewünschte Wirkung erzielt, darf allerdings bezweifelt werden. Käufer, die auf die fehlerhaften Angaben hereingefallen waren, sollen nicht entschädigt werden. Lediglich die Angaben auf der Packung werden verändert. Schwerer aber wiegt der Imageschaden. Analysten wunderten sich, dass die Kenntnisse bei Palm über die eigenen Produkte so mangelhaft sind. Schon machte der Vorwurf der irreführenden Werbung die Runde.
Mit diesem Thema hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits Erfahrungen gesammelt. Im November 2001 hatte Palm behauptet, dass seine Handhelds über drahtlosen Internetzugang verfügen würden. Prompt beschwerte sich daraufhin die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC). Der Vorwurf: Um tatsächlich mit den meisten Modellen ins Web zu kommen, musste zusätzlich ein Modem und ein Providervertrag gekauft werden.
Der aktuelle Streit um die Farbkraft des m130 kommt für Palm äußerst ungelegen. Das Unternehmen hadert parallel mit dem schwachen Marktumfeld. Der Erlös im vergangenen vierten Quartal lag bei 234 Millionen Dollar. Erwartet hatte der frühere Branchenpionier 300 Millionen Dollar. Im Gesamtgeschäftsjahr 2001/2002 brach der Umsatz um 34 Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar ein.
Derweil steckt Palm weiter in den roten Zahlen. Der Verlust in den vergangenen vier Quartalen betrug 82 Millionen Dollar. Immerhin: Im Vorjahr waren es 356 Millionen Dollar.
Nach wie vor profitiert das Unternehmen von seiner Dominanz im Segment der Handhelds. Nach Angaben der Marktforscher von IDC liegt der Anteil von Palm-Produkten in diesem Bereich weltweit bei 39 Prozent. In den USA sind es 47 Prozent.
Auf dem Handheld-Markt wird es eng
Doch der Vorsprung schmilzt. Bei der Software für die Taschencomputer steht Palm bereits seit zwei Jahren unter Druck. Bis dahin nutzten die Konkurrenten das Betriebsystem Palm OS. Im Jahr 2000 legte der Softwarekonzern Microsoft jedoch ein eigenes Programm vor und eroberte einen Marktanteil von 21 Prozent. Demnächst zieht die Gates-Compay nach und liefert mit Pocket PC 2002 ein Betriebssystem, das auch auf andere Windows-Programme abgestimmt ist.
Gleichzeitig wird es auf dem Handheld-Markt langsam eng. Handy-Produzenten wie Motorola oder Nokia statten ihre Geräte mit den klassischen Organizerfunktionen aus oder planen in diese Richtung.
Nach Marktgerüchten wollen auch die Computerhersteller Dell und Apple jeweils ein eigenes Gerät vorlegen. In Folge der Fusion werden Hewlett-Packard und Compaq ihre Kräfte bündeln und den Absatz des Ipaq forcieren.
Fortgesetzte Kursschwäche
Marktforscher kritisieren derweil die Innovationsschwäche von Palm. Während etwa Konkurrent Handspring mit dem Treo, einer Mischung aus Organizier und Handy, den technischen Anschluss halten will, droht das Unternehmen die Entwicklung zu verschlafen. Erst im Herbst sollen neue Produkte mit verbesserter Software auf den Markt kommen.
Gleichzeitig plant Palm massive Umstrukturierungen. Die Softwaresparte soll künftig getrennt vom Gerätebereich agieren, um das Lizenzierungsverfahren effizienter zu gestalten. Von der Entwicklungs- und Vertriebsallianz mit dem IT-Giganten IBM erhofft sich das Unternehmen ebenfalls neue Impulse.
Die Branchenkenner konnte Palm indes noch nicht überzeugen. Im Gegenteil: Der Aktienkurs spiegelt die Zurückhaltung der Märkte wider. Ende der 90er brachte es das Palm-Papier noch auf 40 Dollar. Derzeit notiert der Wert knapp unter einem Dollar. Zuletzt flog Palm auch noch aus dem S&P-500-Index. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Trotz des neuen Farbdisplays bleiben die Aussichten bis auf weiteres düster.
mm.de
Hamburg – Bei Palm ist derzeit die Stimmung düster. Der Taschencomputer-Hersteller wankt von einer Krisensituation in die nächste. Zuletzt machte das US-Unternehmen Anfang der Woche mit seinem Palm m130 Handheld Negativschlagzeilen.

Zweifel an den Farben: Palm-Handhelds m130 (rechts) und m515
Das Gerät – auf der Palm-Internetseite wegen seines Farbdisplays angepriesen – kann offenbar nicht die Leistung erbringen, die bei der Markteinführung im März vollmundig angekündigt wurde. Damals warb Palm damit, dass der Bildschirm 65.536 Farben darstellen könne. Schon bald gab es in diversen Web-Foren erste Zweifel, ob diese Angabe wirklich stimmt.
Der wachsende Druck zeigte Wirkung. Am Montag trat Palm die Flucht nach vorne an und reduzierte das Farbpotenzial öffentlich auf 58.621 Töne. Palm-Sprecherin Marlene Somsak sprach von einem "ehrlichen Fehler" für den man sich entschuldigen wolle.
Mangelhafte Kenntnisse über eigene Produkte
Ob die Reue die gewünschte Wirkung erzielt, darf allerdings bezweifelt werden. Käufer, die auf die fehlerhaften Angaben hereingefallen waren, sollen nicht entschädigt werden. Lediglich die Angaben auf der Packung werden verändert. Schwerer aber wiegt der Imageschaden. Analysten wunderten sich, dass die Kenntnisse bei Palm über die eigenen Produkte so mangelhaft sind. Schon machte der Vorwurf der irreführenden Werbung die Runde.
Mit diesem Thema hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits Erfahrungen gesammelt. Im November 2001 hatte Palm behauptet, dass seine Handhelds über drahtlosen Internetzugang verfügen würden. Prompt beschwerte sich daraufhin die US-Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC). Der Vorwurf: Um tatsächlich mit den meisten Modellen ins Web zu kommen, musste zusätzlich ein Modem und ein Providervertrag gekauft werden.
Der aktuelle Streit um die Farbkraft des m130 kommt für Palm äußerst ungelegen. Das Unternehmen hadert parallel mit dem schwachen Marktumfeld. Der Erlös im vergangenen vierten Quartal lag bei 234 Millionen Dollar. Erwartet hatte der frühere Branchenpionier 300 Millionen Dollar. Im Gesamtgeschäftsjahr 2001/2002 brach der Umsatz um 34 Prozent auf 1,03 Milliarden Dollar ein.
Derweil steckt Palm weiter in den roten Zahlen. Der Verlust in den vergangenen vier Quartalen betrug 82 Millionen Dollar. Immerhin: Im Vorjahr waren es 356 Millionen Dollar.
Nach wie vor profitiert das Unternehmen von seiner Dominanz im Segment der Handhelds. Nach Angaben der Marktforscher von IDC liegt der Anteil von Palm-Produkten in diesem Bereich weltweit bei 39 Prozent. In den USA sind es 47 Prozent.
Auf dem Handheld-Markt wird es eng
Doch der Vorsprung schmilzt. Bei der Software für die Taschencomputer steht Palm bereits seit zwei Jahren unter Druck. Bis dahin nutzten die Konkurrenten das Betriebsystem Palm OS. Im Jahr 2000 legte der Softwarekonzern Microsoft jedoch ein eigenes Programm vor und eroberte einen Marktanteil von 21 Prozent. Demnächst zieht die Gates-Compay nach und liefert mit Pocket PC 2002 ein Betriebssystem, das auch auf andere Windows-Programme abgestimmt ist.
Gleichzeitig wird es auf dem Handheld-Markt langsam eng. Handy-Produzenten wie Motorola oder Nokia statten ihre Geräte mit den klassischen Organizerfunktionen aus oder planen in diese Richtung.
Nach Marktgerüchten wollen auch die Computerhersteller Dell und Apple jeweils ein eigenes Gerät vorlegen. In Folge der Fusion werden Hewlett-Packard und Compaq ihre Kräfte bündeln und den Absatz des Ipaq forcieren.
Fortgesetzte Kursschwäche
Marktforscher kritisieren derweil die Innovationsschwäche von Palm. Während etwa Konkurrent Handspring mit dem Treo, einer Mischung aus Organizier und Handy, den technischen Anschluss halten will, droht das Unternehmen die Entwicklung zu verschlafen. Erst im Herbst sollen neue Produkte mit verbesserter Software auf den Markt kommen.
Gleichzeitig plant Palm massive Umstrukturierungen. Die Softwaresparte soll künftig getrennt vom Gerätebereich agieren, um das Lizenzierungsverfahren effizienter zu gestalten. Von der Entwicklungs- und Vertriebsallianz mit dem IT-Giganten IBM erhofft sich das Unternehmen ebenfalls neue Impulse.
Die Branchenkenner konnte Palm indes noch nicht überzeugen. Im Gegenteil: Der Aktienkurs spiegelt die Zurückhaltung der Märkte wider. Ende der 90er brachte es das Palm-Papier noch auf 40 Dollar. Derzeit notiert der Wert knapp unter einem Dollar. Zuletzt flog Palm auch noch aus dem S&P-500-Index. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Trotz des neuen Farbdisplays bleiben die Aussichten bis auf weiteres düster.
mm.de
