"Papier ist durch nichts umzubringen"


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"Papier ist durch nichts umzubringen"

 
09.02.02 14:58
Geduldig wie sein Produkt führte Clemens Haindl das Papier-Imperium seiner Familie in den neunziger Jahren in die europäische Spitze. Vor gut sechs Monaten hat er die Traditionsfirma verkauft. Nicht eben die Erfüllung eines Lebenstraums, so Haindl. Lukrativ aber war das Geschäft allemal.

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Clemens Haindl  
 
In Zukunft papierlos - mit dem Einzug von Computern und allerlei anderer Elektronik in die Büros der Welt übten sich Technik-Enthusiasten schon früh in Abgesängen auf das traditionsreiche Zellstoffprodukt. Zu früh. Ihre Prognose hat sich längst als grandiose Fehleinschätzung entpuppt.
"Papier ist durch nichts umzubringen", behauptet Clemens Haindl. Kaum einer dürfte das besser wissen als der langjährige Vorsteher der Haindl Papier GmbH & Co. Fast zehn Jahre leitete der heute 65-Jährige die Geschicke eines der größten Papierhersteller Europas. Im Jahr 2000 haben rund 2,4 Millionen Tonnen Pressedruckpapier die Fabriken des Augsburger Familienunternehmens verlassen. Tendenz steigend.

Ursprünglich wollte der junge Clemens Haindl mit Papier wenig zu tun haben. Anders als sein Bruder, der in Darmstadt Papiertechnik studierte, schlug er sich auf die Seite der Kaufleute und ließ sich in München zum Betriebswirt ausbilden. Nach dem Examen heuerte er beim Sinus-Institut an, wo er sich als freier Mitarbeiter zweieinhalb Jahre mit Industriesoziologie beschäftigte. Währenddessen promovierte er über das Thema "Der kontinuierliche Vier-Schicht-Betrieb in der deutschen Papierindustrie".
 
1970 trat Haindl dann doch in die Firma ein. Über Stationen in der Marktforschung und der Werbung stieg er schließlich zum Sprecher der Geschäftsführung auf. Sein Spezialgebiet war stets der Verkauf. Doch auch in technischen Belangen galt er als äußerst versiert und für Neuerungen stets aufgeschlossen.

So nahm Haindl am Stammsitz des 1849 von seinem Urgroßvater gegründeten Unternehmens vor einiger Zeit eine rund 800 Millionen Mark teure neue Produktionsanlage für Zeitschriften- und Magazinpapiere in Betrieb. Der Clou: Die innovative Maschine verarbeitet ausschließlich Altpapier. Der Einsatz moderner Recycling-Technik war indessen nicht allein der Umwelt geschuldet, sondern Teil eines wirtschaftlichen Überlebenskonzeptes.

Früh erkannte der Bayer, dass er nur durch konsequente Wiederverwertung gegen die Konkurrenten aus Skandinavien bestehen konnte, die ihr Papier dank riesiger Wälder und billigeren Stroms viel kostengünstiger produzieren können. Als er 1992 die Leitung des Unternehmens von seinem älteren Bruder Ernst übernahm, schrieben die Augsburger zweistellige Millionenverluste. Acht Jahre später erlösten die weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter des Konzerns über drei Milliarden Mark Umsatz und erwirtschafteten einen Jahresüberschuss von stolzen 411 Millionen Mark.

Am Ende aber sollte auch das nicht reichen, um gegen die Giganten der Branche bestehen zu können. Vor die Wahl gestellt, Milliarden in die weitere Expansion zu investieren oder den anhaltenden Konzentrationsprozeß zu nutzen, um sich möglichst teuer zu verkaufen, entschied sich Haindl für letzteres. Für insgesamt 3,6 Milliarden Euro erhielt im Sommer 2001 der finnische Papier- und Forstkonzern UPM-Kymmene den Zuschlag.

Zwangsläufig, so Clemens Haindl, sei die Entscheidung, das Unternehmen zu veräußern, nicht gewesen. Aber richtig. Dem kann man nur beipflichten: Das Haindlsche Vermögen, Anfang 2001 auf rund 2,7 Milliarden Mark taxiert, dürfte dank dieses exzellenten Deals noch um ein paar hundert Millionen gewachsen sein.
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