Donnerstag 15. November 2001, 20:12 Uhr
Taliban-Hochburgen Kundus und Kandahar umzingelt
neue Einzelheiten)
Pentagon meldet Tod von El-Kaida-Führern und hohen Taliban - UN rufen zu Bildung von Übergangsregierung auf - Mullah Omar: Rückzug ist Teil umfassender Strategie zur Vernichtung der USA
Kabul (AP) Nach dem Rückzug der Taliban aus dem Norden Afghanistans hält die Nordallianz die dortige letzte Hochburg der Miliz in Kundus belagert. Die im Süden gelegene Stadt Kandahar, der Sitz der Taliban-Zentrale, wurde nach Angaben von Taliban-Gegnern in Pakistan von örtlichen Paschtunen umzingelt. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Donnerstag vor allem die Umgebung der beiden Städte. Das Pentagon meldete den Tod mehrerer Führungsmitglieder der Taliban und des Terrornetzwerkes El Kaida. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Osama bin Laden unter den Opfern sei, hieß es.
Über Zahl und Identität der in den vergangenen Tagen getöteten El-Kaida-Mitglieder und Taliban-Führer äußerte sich Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke nicht. Der Kommandeur des Afghanistan-Feldzugs, General Tommy Franks, erklärte, die Kampfkraft der Taliban sei noch nicht gebrochen.
Die tatsächlichen Machtverhältnisse in Afghanistan blieben unterdessen undurchsichtig. Die Provinzen Paktika, Paktia und Teile der Provinz Logar sind nach Angaben von Nordallianz-Kommandeur Said Hussein Anwari in der Hand paschtunischer Gruppen, die sich gegen die Taliban erhoben haben. Über die Lage in Dschalalabad gab es widersprüchliche Berichte.
Ein Kommandeur der Nordallianz, Sajaf Baick, teilte mit, es werde eine Offensive gegen Kundus vorbereitet. Afghanische Kämpfer der Taliban wurden zum Niederlegen ihrer Waffen aufgefordert, ausländischen Kämpfern wurde blutige Rache angedroht. Aus Kandahar, dem Zentrum der islamisch-fundamentalistischen Taliban, wurden am Donnerstag Straßenkämpfe gemeldet. Bei Luftangriffen in der Umgebung wurden nach einer Meldung der unabhängigen Nachrichtenagentur AIP acht Zivilisten getötet und 22 verletzt.
Erstmals nach dem Rückzug aus Kabul meldete sich der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar zu Wort. Der Abzug aus den Städten sei Teil einer umfassenden Strategie zur Vernichtung der USA, sagte Omar dem paschtunischen Dienst des britischen Rundfunksenders BBC.
UN rufen zur Einhaltung der Menschenrechte auf
Die UN riefen in einer am Mittwoch verabschiedeten Erklärung alle Kräfte in Afghanistan auf, Racheakte zu unterlassen und die Menschenrechte einzuhalten. In der einstimmig verabschiedeten Erklärung werden alle Staaten ermutigt, zur Gewährleistung der Sicherheit besonders in Kabul beizutragen. Der Sicherheitsrat hat damit nach Ansicht von US-Botschafter John Negroponte auch für die bereits in Afghanistan operierenden Truppen der Anti-Terror-Koalition die Grundlage geschaffen, die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung zu unterstützen.
Der oberste UN-Gesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, soll nach dem Willen des Sicherheitsrats schnellstmöglich ein Treffen von Vertretern der afghanischen Volksgruppen einberufen und sich um die Bildung einer Übergangsregierung bemühen. Exkönig Mohammad Sahir Schah will dazu eine Delegation entsenden.
Die UN-Resolution ruft die 189 UN-Mitgliedsstaaten dringend auf, humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen. Frankreich kündigte an, in den kommenden Tagen Soldaten zur Sicherung der Verteilung von Hilfsgütern nach Afghanistan zu schicken. Die Vereinten Nationen begannen mit der Rückentsendung ausländischer Mitarbeiter nach Afghanistan, die nach den Terroranschlägen vom 11. September abgezogen worden waren.
Küsschen an alle, Schwuggler
Taliban-Hochburgen Kundus und Kandahar umzingelt
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Pentagon meldet Tod von El-Kaida-Führern und hohen Taliban - UN rufen zu Bildung von Übergangsregierung auf - Mullah Omar: Rückzug ist Teil umfassender Strategie zur Vernichtung der USA
Kabul (AP) Nach dem Rückzug der Taliban aus dem Norden Afghanistans hält die Nordallianz die dortige letzte Hochburg der Miliz in Kundus belagert. Die im Süden gelegene Stadt Kandahar, der Sitz der Taliban-Zentrale, wurde nach Angaben von Taliban-Gegnern in Pakistan von örtlichen Paschtunen umzingelt. US-Kampfflugzeuge bombardierten am Donnerstag vor allem die Umgebung der beiden Städte. Das Pentagon meldete den Tod mehrerer Führungsmitglieder der Taliban und des Terrornetzwerkes El Kaida. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Osama bin Laden unter den Opfern sei, hieß es.
Über Zahl und Identität der in den vergangenen Tagen getöteten El-Kaida-Mitglieder und Taliban-Führer äußerte sich Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke nicht. Der Kommandeur des Afghanistan-Feldzugs, General Tommy Franks, erklärte, die Kampfkraft der Taliban sei noch nicht gebrochen.
Die tatsächlichen Machtverhältnisse in Afghanistan blieben unterdessen undurchsichtig. Die Provinzen Paktika, Paktia und Teile der Provinz Logar sind nach Angaben von Nordallianz-Kommandeur Said Hussein Anwari in der Hand paschtunischer Gruppen, die sich gegen die Taliban erhoben haben. Über die Lage in Dschalalabad gab es widersprüchliche Berichte.
Ein Kommandeur der Nordallianz, Sajaf Baick, teilte mit, es werde eine Offensive gegen Kundus vorbereitet. Afghanische Kämpfer der Taliban wurden zum Niederlegen ihrer Waffen aufgefordert, ausländischen Kämpfern wurde blutige Rache angedroht. Aus Kandahar, dem Zentrum der islamisch-fundamentalistischen Taliban, wurden am Donnerstag Straßenkämpfe gemeldet. Bei Luftangriffen in der Umgebung wurden nach einer Meldung der unabhängigen Nachrichtenagentur AIP acht Zivilisten getötet und 22 verletzt.
Erstmals nach dem Rückzug aus Kabul meldete sich der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar zu Wort. Der Abzug aus den Städten sei Teil einer umfassenden Strategie zur Vernichtung der USA, sagte Omar dem paschtunischen Dienst des britischen Rundfunksenders BBC.
UN rufen zur Einhaltung der Menschenrechte auf
Die UN riefen in einer am Mittwoch verabschiedeten Erklärung alle Kräfte in Afghanistan auf, Racheakte zu unterlassen und die Menschenrechte einzuhalten. In der einstimmig verabschiedeten Erklärung werden alle Staaten ermutigt, zur Gewährleistung der Sicherheit besonders in Kabul beizutragen. Der Sicherheitsrat hat damit nach Ansicht von US-Botschafter John Negroponte auch für die bereits in Afghanistan operierenden Truppen der Anti-Terror-Koalition die Grundlage geschaffen, die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung zu unterstützen.
Der oberste UN-Gesandte für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, soll nach dem Willen des Sicherheitsrats schnellstmöglich ein Treffen von Vertretern der afghanischen Volksgruppen einberufen und sich um die Bildung einer Übergangsregierung bemühen. Exkönig Mohammad Sahir Schah will dazu eine Delegation entsenden.
Die UN-Resolution ruft die 189 UN-Mitgliedsstaaten dringend auf, humanitäre Hilfe zur Verfügung zu stellen. Frankreich kündigte an, in den kommenden Tagen Soldaten zur Sicherung der Verteilung von Hilfsgütern nach Afghanistan zu schicken. Die Vereinten Nationen begannen mit der Rückentsendung ausländischer Mitarbeiter nach Afghanistan, die nach den Terroranschlägen vom 11. September abgezogen worden waren.
Küsschen an alle, Schwuggler