Der Umsatz des Softwarehersteller Oracle ist erneut um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Schuld ist jedoch nicht die Wirtschaftskrise, wie CEO Larry Ellison behauptet: Oracles Probleme sind vor allem hausgemacht.
New York - Oracle, der weltweit führende Hersteller von Datenbanksystemen, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres einen 13-prozentigen Ertragsrückgang erlitten. Das kalifornische Unternehmen erklärte den Rückgang am Donnerstag mit fallenden Software-Umsätzen.
Wie Oracle weiter mitteilte, sank der Nettogewinn in der am 28. Februar abgeschlossenen Berichtsperiode auf 508 Millionen Dollar oder 9 Cent je Aktie, von 582,7 Millionen Dollar oder 10 Cent je Aktie im Vorjahr.
Der Umsatz gab um 17 Prozent auf 2,23 Milliarden Dollar nach. Analysten hätten mindestens 2,42 Milliarden Dollar Umsatz erwartet, teilte die Firma Thomson Financial/First Call mit, die regelmäßig Analystenumfragen durchführt.
Markterwartungen erwartungsgemäß nicht erfüllt
Oracle hat in vier der vergangenen fünf Quartale die Erwartungen nicht erfüllen können. Als Begründung gab Oracle die schwache Gesamtwirtschaft sowie zurückhaltende Software-Bestellungen an.
Das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. So haben Oracles Konkurrenten im Bereich betriebswirtschaftlicher Software in den vergangenen Monaten gute Ergebnisse vorgelegt: Sowohl das größte europäischen Softarehaus SAP als auch der amerikanische Anbieter Peoplesoft konnten trotz Wirtschaftsflaute steigende Umsätze und stabile Gewinne melden.
Im Segment Datenbanken leidet Oracle unter der Konkurrenz von IBM und Microsoft . Die Konkurrenz bietet Software für Datenbanksysteme billiger an als Ellisons Unternehmen. Oracles Datenbank-Lizenzen fielen in der Dreimonatsperiode um 26 Prozent auf 629 Millionen Dollar, während der Umsatz von Oracles Anwendungen um 41 Prozent auf 148 Millionen Dollar nachgab.
Viel Lärm, wenig Qualität
In den letzten Quartalen vor allem mit lauten Werbekampagnen und fehlerhaften Produkten aufgefallen. In der Branche wird Oracles Software inzwischen hämisch als "Earlyware" bezeichnet, weil sie nach Ansicht vieler Experten vor der Marktreife ausgeliefert wurde.
Charles Phillips, Analyst bei Morgan Stanley, weist darauf hin, dass Oracle in der Vergangenheit mit seinen Großkunden mehrjährige Verträge geschlossen habe. Dadurch habe das Unternehmen zukünftige Umsätze vorweggenommen. "Jetzt müssen sie für die Sünden der Vergangenheit bezahlen, wo sie zu aggressiv waren", so Phillips gegnüber dem "Wall Street Journal".
Viele Beobachter sind zudem der Meinung dass der Exzentriker Ellison zunehmend zum Problem für seine Firma werde. Der als Egomane geltende Oracle-Gründer ist bekannt für seine vollmundigen Ankündigungen, auf die immer häufiger keine Taten folgen.
Erst kürzlich hatte Ellison eine neue Initiative angekündigt: Firmen sollen ihr gesamtes Datenbankmanagement auf Oracle übertragen können. Die Kalifornier wollen dann als Dienstleister Hard- und Software betreiben und warten. Geschehen ist seither nicht viel.
An der Börse fielen Oracle nach Bekanntgabe des Quartalsberichts bis zu 3,3 Prozent auf 13 Dollar und gingen mit einem Minus von 45 Cent bei 13,44 Dollar aus dem Markt. Seit seinem am 1. September 2000 erreichten Allzeithoch von 46,31 Dollar haben Oracle 70 Prozent eingebüßt.
Von Thomas Hillenbrand
URL: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,187133,00.html
New York - Oracle, der weltweit führende Hersteller von Datenbanksystemen, hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres einen 13-prozentigen Ertragsrückgang erlitten. Das kalifornische Unternehmen erklärte den Rückgang am Donnerstag mit fallenden Software-Umsätzen.
Wie Oracle weiter mitteilte, sank der Nettogewinn in der am 28. Februar abgeschlossenen Berichtsperiode auf 508 Millionen Dollar oder 9 Cent je Aktie, von 582,7 Millionen Dollar oder 10 Cent je Aktie im Vorjahr.
Der Umsatz gab um 17 Prozent auf 2,23 Milliarden Dollar nach. Analysten hätten mindestens 2,42 Milliarden Dollar Umsatz erwartet, teilte die Firma Thomson Financial/First Call mit, die regelmäßig Analystenumfragen durchführt.
Markterwartungen erwartungsgemäß nicht erfüllt
Oracle hat in vier der vergangenen fünf Quartale die Erwartungen nicht erfüllen können. Als Begründung gab Oracle die schwache Gesamtwirtschaft sowie zurückhaltende Software-Bestellungen an.
Das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. So haben Oracles Konkurrenten im Bereich betriebswirtschaftlicher Software in den vergangenen Monaten gute Ergebnisse vorgelegt: Sowohl das größte europäischen Softarehaus SAP als auch der amerikanische Anbieter Peoplesoft konnten trotz Wirtschaftsflaute steigende Umsätze und stabile Gewinne melden.
Im Segment Datenbanken leidet Oracle unter der Konkurrenz von IBM und Microsoft . Die Konkurrenz bietet Software für Datenbanksysteme billiger an als Ellisons Unternehmen. Oracles Datenbank-Lizenzen fielen in der Dreimonatsperiode um 26 Prozent auf 629 Millionen Dollar, während der Umsatz von Oracles Anwendungen um 41 Prozent auf 148 Millionen Dollar nachgab.
Viel Lärm, wenig Qualität
In den letzten Quartalen vor allem mit lauten Werbekampagnen und fehlerhaften Produkten aufgefallen. In der Branche wird Oracles Software inzwischen hämisch als "Earlyware" bezeichnet, weil sie nach Ansicht vieler Experten vor der Marktreife ausgeliefert wurde.
Charles Phillips, Analyst bei Morgan Stanley, weist darauf hin, dass Oracle in der Vergangenheit mit seinen Großkunden mehrjährige Verträge geschlossen habe. Dadurch habe das Unternehmen zukünftige Umsätze vorweggenommen. "Jetzt müssen sie für die Sünden der Vergangenheit bezahlen, wo sie zu aggressiv waren", so Phillips gegnüber dem "Wall Street Journal".
Viele Beobachter sind zudem der Meinung dass der Exzentriker Ellison zunehmend zum Problem für seine Firma werde. Der als Egomane geltende Oracle-Gründer ist bekannt für seine vollmundigen Ankündigungen, auf die immer häufiger keine Taten folgen.
Erst kürzlich hatte Ellison eine neue Initiative angekündigt: Firmen sollen ihr gesamtes Datenbankmanagement auf Oracle übertragen können. Die Kalifornier wollen dann als Dienstleister Hard- und Software betreiben und warten. Geschehen ist seither nicht viel.
An der Börse fielen Oracle nach Bekanntgabe des Quartalsberichts bis zu 3,3 Prozent auf 13 Dollar und gingen mit einem Minus von 45 Cent bei 13,44 Dollar aus dem Markt. Seit seinem am 1. September 2000 erreichten Allzeithoch von 46,31 Dollar haben Oracle 70 Prozent eingebüßt.
Von Thomas Hillenbrand
URL: www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,187133,00.html