Oppositionelle nehmen Geiseln in Berliner Botschaf


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Oppositionelle nehmen Geiseln in Berliner Botschaf

 
20.08.02 16:39
Irakische Oppositionelle nehmen Geiseln in Berliner Botschaft

20 August 2002 16:27 CEST  


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Berlin (Reuters) - Irakische Oppositionelle haben am Dienstag die Botschaft ihres Landes in Berlin besetzt und mehrere Geiseln genommen, darunter den Leiter der Botschaft. Zu der Aktion bekannte sich die bisher unbekannte "Demokratische Irakische Opposition Deutschlands".

Polizeisprecher Jörg Mittmann sagte, die genaue Zahl der Geiseln sei bislang nicht bekannt. Es seien vermutlich aber weniger als zehn. Unter den Geiseln sei der Geschäftsträger der Botschaft. Zwei Personen seien leicht verletzt worden. Anwohner berichteten, sie hätten Schüsse gehört. Das Botschaftsgebäude wurde von der Polizei weiträumig abgeriegelt. In einem an die Nachrichtenagentur Reuters adressierten Fax der "Demokratischen Irakischen Opposition Deutschlands" hieß es: "Wir übernehmen die irakische Botschaft in Berlin und somit den ersten Schritt in Richtung der Befreiung unseres geliebten Vaterlandes." Die Aktion sei friedlich und zeitlich begrenzt.

Der Polizeisprecher sagte, eine unbekannte Anzahl von Personen sei gegen 14.30 Uhr in die Botschaft eingedrungen, die sich in einer Villa im vornehmen Stadtviertel Zehlendorf im Südwesten Berlins befindet. Bei der Polizei seien zuvor mehrere Notrufe eingegangen. Über die Bewaffnung der Geiselnehmer sei bislang nichts bekannt. Es gebe unbestätigte Berichte über einen Schusswechsel. Möglicherweise sei aus der Botschaft heraus geschossen worden. Ein Mann und eine Frau seien leicht verletzt worden. Sie wurden inzwischen ins Krankenhaus gebracht. Der Polizeisprecher sagte, die beiden hätten keine Schussverletzungen erlitten. Das Gelände um das Eckhaus wurde weiträumig abgesperrt. Polizisten mit schusssicherer Weste standen an der Absperrung. Sieben Mannschaftswagen und ein Räumpanzer sowie Krankenwagen und die Feuerwehr waren vor Ort. Auch Angehörige des Sondereinsatzkommandos (SEK) waren vorgefahren.

In dem Schreiben wird die Besetzung als "erster Schritt gegen das Terrorregime Saddam Husseins" bezeichnet. Sie solle zeigen, "dass unser Volk den Willen zur Freiheit hat und diesen umsetzen wird." Das Fax der Oppositions-Gruppierung trägt eine Absendernummer aus Hamburg. Als Adresse hat die Gruppierung auf dem Fax die Anschrift des Botschaftsgebäudes angegeben, versehen mit dem Zusatz "Irakische Volksvertretung".

Im jüngsten Bericht des Berliner Verfassungsschutzes wird die Gruppierung nicht aufgeführt.

Der Irakische Nationalkongress, die Hauptvertretung der irakischen Exil-Opposition, erklärte in London, die Demokratische Irakische Opposition Deutschlands repräsentiere nicht die irakischen Oppositionellen. "Wir versuchen, mehr Informationen über diese Leute zu bekommen. Wir unterstützen diese Gewalt nicht", sagte ein Sprecher des Nationalkongresses. "Wir beschränken unseren Freiheitskampf auf den Irak selbst."

Der Nahost-Experte Volker Perthes von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik sagte, eine Gruppe namens "Demokratische Irakische Opposition Deutschlands" sei ihm nicht bekannt. Bislang seien vornehmlich irakische Studenten im Exil oder Kurdengruppen in Berlin aktiv geworden. Irak und Deutschland unterhielten volle diplomatische Beziehungen. Allerdings seien seit dem Golfkrieg 1991 beide Staaten nur mit Geschäftsträgern in Bagdad beziehungsweise Berlin vertreten.

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