Opec-Treffen elektrisiert die Märkte


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Opec-Treffen elektrisiert die Märkte

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12.12.02 09:17
Opec-Treffen elektrisiert die Märkte
Experten sehen bei unkontrollierter Produktionsausweitung Preisverfall auf unter 20 Dollar je Barrel
von Michael Fabricius

 
Berlin -  Öl-Aktionäre fiebern heute mit Saudi-Arabien. Wenn es dem weltgrößten Ölproduzenten auf der heutigen Sondersitzung der Erdöl exportierenden Staaten (Opec) in Wien nicht gelingt, die enorme Überproduktion des Kartells politisch in den Griff zu bekommen, droht mittelfristig ein rasanter Verfall des Ölpreises – darunter würden dann auch Ölkonzerne mit hohem Upstream-Anteil wie Exxon, TotalFinaElf oder BP leiden. „Ohne eine Kappung der Produktion droht der Ölpreis unter 20 Dollar zu fallen“, warnte gestern der saudi-arabische Ölminister Ali al Naimi.


Die Opec-Staaten überschreiten ihre Förderquoten derzeit deutlich. Die Internationale Energie Agentur (IEA) schätzt in ihrem gestern veröffentlichten Monatsbericht, dass der Ausstoß des Kartells im November um 2,4 Mio. Barrel (159 Liter) pro Tag über der festgelegten Menge von 21,7 Mio. Barrel lag. Die gesamte Weltproduktion beläuft sich auf 78,6 Mio. Barrel pro Tag. Während die Opec bereits ein Überangebot auf dem Weltmarkt mit der Gefahr eines Preissturzes zum Winter-Ende sieht, errechnete die IEA, die nach der Ölkrise 1972/73 von den Verbraucherstaaten ins Leben gerufen wurde, einen Tagesverbrauch von 76,8 Mio. Barrel. Tendenz steigend. Ursache sei ein unerwarteter Nachfrageschub in China.


Die IEA ist ständig um eine Erhöhung des Angebots bemüht, gleichzeitig unterliegen die Opec-Staaten seit gut einem Jahr der andauernden Versuchung, von dem steigenden Ölpreis zu profitieren und die Produktion zu erhöhen – auch Saudi-Arabien, das nach Schätzungen täglich etwa 700 000 Barrel mehr exportiert als erlaubt. Und Algerien fordert inzwischen offen eine drastische Anhebung seiner Förderquote von heute knapp 0,7 auf 1,1 Mio. Barrel. „Die Opec steht zurzeit höchst unglaubwürdig da“, sagt Klaus Matthies, Öl-Experte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA). Ganz unbegründet sei die Angst der Opec vor einem Preisverfall allerdings nicht. Tatsächlich werde der Ölpreis derzeit nur von einigen Sonderfaktoren in der oberen Hälfte der Opec-Spanne von 22 bis 28 Dollar (aktuell 26,60 Dollar je Fass der Sorte Brent) gehalten. Der neuerliche Anstieg sei einerseits mit der wieder zunehmenden Angst vor einem Militärschlag der USA im Irak und einer dadurch bedingten Lieferunterbrechung aus der Golfregion zu erklären, so Matthies. Andererseits sind durch die mittlerweile zehn Tage andauernden Streiks in Venezuela die Ölexporte des drittgrößten Opec-Produzenten stark eingeschränkt. Rund zwei Mio. Barrel fehlen dem Markt pro Tag. Das ist in etwa so viel wie der Irak derzeit exportiert. „Allein dieses Verhältnis zeigt, dass ein kriegsbedingter Produktionsausfall im Irak leicht vom Markt antizipiert werden könnte und der Preis keineswegs über 30 Dollar steigen muss“, sagt Matthies. Nach einem Militärschlag würde der Ölpreis dann erst recht deutlich absacken, zumal die Nicht-Opec-Staaten derzeit täglich den Öl-Hahn ein Stück weiter aufdrehen.


Auch die institutionellen Anleger sehen die Gefahr eines Preisverfalls, sagt Steffen Wollnik, Analyst bei der Hamburgischen Landesbank. Dies erkläre die schwache Performance von BP & Co. in den vergangenen Wochen. „Es gibt Schätzungen, die von 17 bis 18 Dollar je Barrel nach einem Irak-Krieg ausgehen.“ Da die Öl-Aktien trotz der wachsenden Bedeutung des Downstream-Geschäfts weiterhin vom Ölpreis abhingen, stuft Wollnik die meisten Titel derzeit allenfalls als „Marketperformer“ ein.
Weiter:
www.welt.de/data/2002/12/12/24525.html?s=2
 
  Alle Artikel vom 12. Dez 2002

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Politik stürzt Unternehmer in ein Stimmungstief

 
12.12.02 09:22
HANDELSBLATT, Donnerstag, 12. Dezember 2002


Top-Manager so pessimistisch wie noch nie

Politik stürzt Unternehmer in ein Stimmungstief

Die Konjunkturaussichten der deutschen Wirtschaft haben sich im Dezember erneut eingetrübt. Ökonomen und Manager sind sich in der Ursachenforschung einig: Die Steuer- und Abgabenpolitik der Bundesregierung.

HB DÜSSELDORF. Zumindest ein Wirtschaftszweig in Deutschland trotzt auch jetzt der Konjunkturflaute - die Schattenwirtschaft. Sie wird im kommenden Jahr um 7 % auf ein Rekordniveau von 380 Mrd. Euro steigen. Das sagt eine Untersuchung des Schwarzarbeit-Experten Prof. Friedrich Schneider vorher. „Damit ist die Schattenwirtschaft der mit Abstand boomendste Wirtschaftszweig in Deutschland“, sagte Schneider in Berlin. Eine Trendwende sei angesichts zusätzlicher Abgabenbelastungen nicht in Sicht. Inzwischen mache Schattenwirtschaft 16,5 % des Bruttoinlandsproduktes aus.

Für den Rest der Wirtschaft sieht es weniger rosig aus. Gut vier von fünf Führungskräften rechnen damit, dass sich die Standortbedingungen in Deutschland in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern. Das ergab der Handelsblatt Business-Monitor für Dezember, eine regelmäßige Befragung der deutschen Top-Entscheider. Neben dem drohenden Irak-Krieg speist sich ihr Pessimismus aus hausgemachten Quellen: Inzwischen kritisieren die Top-Manager zu 90 % die Arbeit des rot-grünen Kabinetts als sehr schlecht oder schlecht. Gleiches gilt für die persönlichen Leistungen des Kanzlers und des Finanzministers.

Die 800 befragten Unternehmen fahren ihre Investitionsplanungen für 2003 auf breiter Front zurück und forcieren stattdessen den Stellenabbau. Selbst der Dienstleistungssektor dürfte 2003 als Jobmotor ausfallen. Insgesamt ergeben sich die schlechtesten Werte seit Beginn des Business-Monitors vor dreieinhalb Jahren. Damit steigt die Gefahr, dass die Prognosen der Konjunkturforscher für 2003 vielleicht erneut zu optimistisch ausgefallen sind.

Investions- und Beschäftigungsklima Grafik
Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) hat seine Prognose bereits drastisch gesenkt. Verantwortlich dafür sei vor allem die einengende Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Die Finanzpolitik werde das Wachstum und die Beschäftigung schwächen, hieß es im neuen IfW-Konjunkturbericht. Für 2003 rechnet das Institut nur noch mit einem Wachstum von 1,0 % statt bisher 1,8 %. Auch der Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus rechnet nach dem deutlichen Produktionsrückgang für 2003 allenfalls mit einem minimalen Wachstum.

Einen konjunkturellen Lichtblick bietet allerdings die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom 5. Dezember. Sie hat die Aussichten für den Euro-Raum deutlich verbessert, ergab die Dezember-Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei 309 Finanzanalysten. Knapp ein Drittel der befragten Experten rechnet damit, dass weitere Zinssenkungen der EZB bevorstehen. Diese Einschätzung wurde am Mittwoch durch Interview-Äußerungen der Notenbankpräsidenten von Irland und Deutschland gestützt.

Quelle: Handelsblatt

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