Opa Berneckers Schlachtplatte


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cap blaubär:

Wurst oder Nichtwurst das ist hier die Frage

 
01.02.02 11:14
Auf Messers Schneide  

Hans Bernecker: Auf Messers Schneide
Mails/Nachrichten vom 01.02.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Weltwirtschaftsgipfel hat begonnen, und die Marktkorrekturen zeigen einen ersten Ansatz für ihr Ende. Eliminiert man alle Zahlen und Infos und
schaut nur darauf, ist das ein ungeheuer spannendes Feld. Schade, daß ich Ihnen dies an dieser Stelle nicht zeigen kann. Ich traue mir aber vor dieser Konstellation keine kurzfristige Prognose zu. Es sieht fast wie auf des Messers Schneide aus.

Grundlinie deshalb: Meine Korrekturkurse halte ich noch aufrecht, wie in den letzten Briefen markiert. Nächste Woche muß ich sie überprüfen. Die genannten Kurse sind knapp erreicht, aber vielfach nicht ganz. Deshalb: Wer noch gar nicht investiert ist, baut in diesen Titeln eine Anfangsposition auf. Das ergibt sich aus oben Gesagtem. Dann muß 'nachgestellt' werden, wenn
es doch noch schwächer werden sollte.

An der Wall Street wächst nun die Erkenntnis, die ich skizziert hatte: Statt Zinssenkung muß die FED spätestens im April über Zinserhöhungen nachdenken. Nehmen Sie die heutige AB zur Hand und studieren Sie die Seite 1 bzw. den Chart. Was sich da ankündigt, ist mehr als lediglich eine Renditeerhöhung. Darauf komme ich in den nächsten Briefen noch zurück. Das alles ist natürlich nicht kurzfristig, sondern sehr langfristig zu sehen. 20 Jahre Zinsbaisse gehen zu Ende. Das ist ein Wort.

Ich persönlich bin gespannt, ob meine Prognose für den amerikanischen Arbeitsmarkt aufgeht. 5,6 % Arbeitslosenrate war meine Spitze vor New York

und 5,9 % nach New York. Die gestrigen Zahlen scheinen dies zu bestätigten, daß es eine 6 vor dem Komma nicht geben wird. Das ist ein weiterer Baustein für die Konjunktureinschätzung.

Zu den einzelnen Titeln: Procter & Gamble ist für mich ein Frühindikator. Knapp vor neuem Top mit den gestern vorgelegten Zahlen. Ich hatte kürzlich
darauf hingewiesen und wiederhole es: PG ist kein Renner, aber eine wichtige Stütze in Ihrem Portfolio, ebenso wie Philip Morris. Zwei weitere
Indikatoren für den Markt bleiben für mich GE und Microsoft als schwerste Titel. Erst wenn diese sich gefangen haben, ist der gesamte Markt im
Gleichgewicht. Ich hatte in der AB schon darauf hingewiesen und dies war keine Kaufempfehlung, worauf ich ausdrücklich hinweise.

Die deutsche Börse sieht ebenfalls in der Markttechnik so spannend aus, wie eingangs erwähnt. Ich verzichte deshalb auf eine ergänzende Empfehlung zur heutigen AB, worin alles gesagt ist, erlaube mir aber, einen Gedanken
auszusprechen:

Die Zahlen der Deutschen Bank, die gestern herauskamen, machen mir große Sorgen. Die frühere Gewinnqualität der deutschen Universalbanken ist nicht mehr erreichbar. Der Trend zum Investmentbanking war aus meiner Sicht stets
problematisch und bleibt es. Seit über 40 Jahren habe ich dieses Thema mit fast allen Vorständen der Großbanken besprochen. Der erste war Hans Deuss bei der Commerzbank und sein Nachfolger Lichtenberg. Bei der Deutschen Bank Hermann Josef Abs, Christians und Herrhausen, mit dem ich darüber ausgerechnet in New York debattierte. Bei der Dresdner Bank waren es schon Mathiessen und Rinn, die zwei ersten großen Banker nach Getz in der Nachkriegszeit, und schließlich Bremauer bei der Vereinsbank oder Ernst Berger bei der Hypo. Warum die ganzen Namen?

Die deutsche Universalbank als Typus war das Gerüst des Wirtschaftswunders. Sie finanzierten den Mittelstand kurz- und mittelfristig (bis 4 Jahre), dem sie sich jetzt zunehmend verweigern. Die Folgen sind bekannt. Daran verdienten die Banken zuverlässig und das machte die Ertragsstärke aus.

Das Investmentbanking hängt von den Kapitalmärkten ab. Es ist immer starken
Schwankungen ausgesetzt und mithin ist die Qualität der Gewinne gering einzuschätzen. Daraus folgt unweigerlich eine niedrigere Gewinnbewertung, weil ein Risikofaktor darin steckt, statt einer Wachstumsprämie. Mit diesem
Thema werden sich die Analysten häufig schwertun. Natürlich belastet dies auch den Gesamtmarkt.

In den nächsten 4 Wochen gibt es im MDAX mehr Chancen als im DAX. Darauf weise ich Sie vorsorglich hin. Der gestrige Tag zeigte diese erneut. Die Auswahl wird schwierig. Es kann sein, daß sich die Anzahl Ihrer Positionen ausweiten muß. Denn hier geht es mehr um Einzel-Hintergründe, wie in der AB beschrieben, und weniger um die aktuelle Gewinneinschätzung. Achten Sie besonders auf das, was ich in der heutigen AB schreibe. Hauptthema die Pharma-/Kosmetiktitel Altana, Beiersdorf, Schwarz Pharma bzw. Stada. Dies aber auch im Verbund mit Schering und Henkel.

Eine Bitte an Sie: Lesen Sie nicht die heutige AB allein, sondern nehmen Sie die letzten 3 Briefe zusammen, weil darin einige Nachbesserungen enthalten sind, die im Zusammenhang stehen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen unverändert
Babcock, Conti, Gildemeister und MG Tech, um nur die Bekanntesten zu nennen.

Zum Euro: Zielkurs ist unverändert 84 Cents. Dafür fehlen noch gut 2 Cents. Markttechnisch ist das zwar etwas knapp, aber noch möglich. Dann sind aber technische Korrekturen fällig. Das gleiche gilt für den Yen: Er ist gegen Dollar überverkauft. Hier ist Rückdeckung/Rückkauf von Yen zu erwägen, wenn Sie Yen-Kredite halten. Nach der Korrektur wird die Position wieder geöffnet. Es handelt sich also um eine Absicherung Ihrer Yen-Kredite.

Damit wünsche ich Ihnen ein gutes Wochenende und verbleibe

herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker
 




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_rain_:

Cap möge mir vergeben

 
06.02.02 11:17
Konsolidierung läuft

Hans Bernecker: Konsolidierung läuft
Mails/Nachrichten vom 04.02.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

wie der Freitag sich neigt, so der Montag sich zeigt. Das ist eine leicht abgewandelte Bauernregel. Aber beide fangen mit B an, Bauerwie Börse. Während die Konsolidierung im Gesamtumfeld noch läuft, hat sich die Markttechnik vieler Titel, wenn man sie einzelnbetrachtet, deutlich verbessert. Sehr viele erreichten oder überschritten inzwischen die berühmt-berüchtigten 200-Tage-Linien, aberdiese wiederum steigen noch nicht, sondern werden noch zwei bis drei Wochen benötigen. Sie wissen, was das heißt: Die200-Tage-Linie ist kein charttechnischer Trick, sondern der 'innere Trend' entweder eines Marktes oder einer Aktie. Darauf istdemnächst noch stärker zu achten, und ich habe immer wieder in der AB darauf aufmerksam gemacht. Unterstrichen wird dies von dentechnischen Indikationen, die Sie kennen. Vor allem die Relation New/high zu New/low überzeugt. Seit nunmehr 2 ½ Wochen deutlichim positiven Bereich, obwohl sich dies in den zwei Indizes überhaupt nicht widerspiegelt. Häufig geäußerte Anfrage: Soll man bei denvon mir gegebenen Limits bleiben. Ja! Wer aber noch gar nicht investiert ist, etabliert wenigstens eine Hausnummer. Das sollte sein.Zudem erscheint der kürzliche Absturz des Dow wie eine Art kurzfristige Bärenfalle. Stabilisierung oberhalb von 9.700 in den nächstenvier bis fünf Tagen wäre ein Indiz für einen Rally-Ansatz. Darüber morgen oder übermorgen. Das einzige Problem sind nochgelegentliche Abstürze, wenn enttäuschende Firmendaten erscheinen. Das ist der Grund für meine vorsichtige Zurückhaltung.

Die amerikanischen Konjunkturdaten zeigen Schritt für Schritt, wie eine neuer Konjunkturzyklus aufgebaut wird. Das ist fast so wie imLehrbuch und reicht vom Arbeitsmarkt über das Konsumverhalten bis zum Index der Einkäufer und schließlich den sog. Investitionen.Was man dazu in der Presse liest, ist wahrlich erstaunlich.

Wall Street konkret: Die ganze Konsolidierung läuft bei mäßigem Umsatz. Besser geht's nicht, siehe die oben genanntenmarkttechnischen Fakten. Zu bemerken ist allerdings: Die großen Pharmaunternehmen zeigen nach wie vor eine bedenklicheMarkthaltung. Trotz guter bis sehr guter Zahlen (Pfizer) gibt es bis zur Stunde keinen Grund für Käufe. Dagegen sind die zweiKlassiker, Procter & Gamble und Philip Morris, am Freitag beinahe ausgebrochen, aber noch nicht ganz. Wer also ruhig schlafen willund imTrend dennoch richtig liegen, investiert in diesen zwei Aktien. Zwei andere Konjunkturtitel zeigen dagegen eine totale Null-Reaktion:Coca-Cola und Walt Disney. Ich hatte auf diese Aktien im Herbst aufmerksam gemacht, jedoch nicht als Kauf, sondern alsKonjunkturindikator. Beide geben bis zur Stunde noch kein Lebenszeichen von sich.

Setzen Sie die Ölaktien auf die Watchlist. Niemand denkt zur Zeit daran. Ich werde mich dazu in der nächsten AB äußern. Auf dieDreiteilung kommt es an: Service, Upstream-, Downstreamgeschäft. Hier zeichnet sich ein neuer Trend ab, der auch Stärke undSchwäche der künftigen Konjunktur vorgibt. Auffallend ist auch:

Die PC-Spekulation verbessert sich deutlich. Das Ganze hängt natürlich noch an der Fusion HP/Compaq, aber auch Apple zeigt, wohines geht. Inzwischen knapp 25 $, nach dem glücklichen Kauf bei 15 $ Ende September letzten Jahres. Das macht Gateway wieder zueiner wenn auch etwas riskanteren Spekulation in der Nr. 4 des PC- Marktes. Diese Aktie ist eine Schieflage meinerseits, die ich neuins Auge fasse. Mit den vorgelegten Zahlen ist dies zwar ein Turn-around, aber eine gute 60 %-Chance.

In der Technologie bleibt es bei meinen Abstauberlimits, die schon teilweise haarscharf gestreift worden sind, siehe oben.

Frankfurt hat eine interessante Woche vor sich. Die Gerüchteküchen brodeln, denn es sind gleich mehrere. Ich kann Ihnen nurnahelegen: Was sich hier in den nächsten Monaten tun wird, hat nichts mit High-tech oder New Economy zu tun und ebenso wenig mitProduktestories und Ähnlichem. Wie schwer sich damit die jüngeren Analysten tun, können Sie aus den Begründungen einigerAnalysen gut entnehmen. Es geht um konzernstrategische Gesichtspunkte, die einer völlig anderen Beurteilung unterliegen. DieAbstufung von MLP erschreckt natürlich andere. Ist das ein Wunder? Wie oft habe ich vorgerechnet, daß ein KGV von 53 einfach nichttragbar ist. Auch dann, wenn die Geschäfte wirklich gut laufen. Bei einem Kurs von 40/45 gegen aktuell 66 E. kann man über dieseAktie reden.

Der Hamburger 'Skandal' ist perfekt. Die Familie Herz löst ihre gemeinsamen Interessen auf. Das interessiert natürlich nur Beiersdorf.Mein Stand der Information: Günther Herz wird 30 % an Beiersdorf halten, aber hat damit keine Chance, eine Mehrheit zu erreichenoder aber sich gegen die Allianz zu stellen. Siehe dazu letzte AB, aber - neue Konstellation nächste AB. Damit ist die Spekulation imDreieck zu Henkel und Wella ein Thema der nächsten Wochen.

Die Entscheidung der Deutschen Börse, Clearstream zu übernehmen, ist strategisch richtig. Das rechtfertigt eine erneut positiveEinschätzung, die noch der Konkretisierung bedarf. Wer Mut hat, kauft weiter. Ebenso wie bei Depfa, die 77 E. erreichten und icherinnere an meine vielfältigen Hinweise. Nächstes Kursziel sind 86 E. mit maximaler Möglichkeit von 89 E. Umgekehrt: Software wurdeam Freitag infolge einer Abstufung durch eine Investmentadresse an die Wand gefahren. Merrill Lynch stufte von 'strong buy' auf 'neutral' herunter, weil man ein schwieriges 1. Halbjahr erwartet und eine Erholung im 2. Halbjahr fragwürdig ist. Das steht imkrassen Gegensatz zu dem, was Software selbst meint. Daher halte ich das M.L. entweder für leichtfertig oder nicht kompetent. Beieinem Umsatz von 388.000 Stück wurde offensichtlich Stimmung gemacht. Gehen Sie in die Gegenposition, Kaufbasis 31/34 E. bleibtgültig. Details reiche ich nach. Nebenbemerkung: Solche Dinge werden Sie noch ein paarmal erleben.

Degussa ist plötzlich 'im Gerede'. Chef Felcht macht sich stark für den Ausbau der Spezialchemie. Alle relevanten Namen sind sofortgenannt: DSM, Rhodia und die Chemiesparte von Bayer sowie Clariant. Die ersten Zwei halte ich für Problemfälle. DSM ist erstklassig,aber die Holländer werden dem nicht zustimmen. Rhodia ist zweitklassig und deshalb nicht interessant. Clariant ist deshalb vonbesonderem Interesse, weil die Hälfte von Clariant die ehemalige Chemie von Hoechst repräsentiert. Damit rückt diese Aktieunweigerlich in eine interessante Ausgangslage, die an jenes anknüpft, was ich Ihnen dazu am 29.9.2001 bei damals 20 Fr. schrieb.Bitte Brief Nr. 39/01 nachlesen. Inzwischen gut 60 % Gewinn, aber 28/30 Fr. sind eine neue 'Betrachtung' wert.

Der Terminkalender in dieser Woche: Heute kommt die Commerzbank mit den Zahlen für 2001. Pikanterweise Tesa (Tochter vonBeiersdorf) mit der Einschätzung dieses schwierigen Kindes. Morgen ist Schering dran und in Paris übrigens Dassault Systèmes, aufdie ich kürzlich hingewiesen hatte.

Schock in Zürich: CS Group meldet Verlust von annähernd 1 Mrd Fr. infolge 'Sonderbelastung' und Rentenanstalt/Swiss Life dasGleiche. Ich werde mich dazu eingehend in der AB äußern. Hier nur die kurze Bemerkung: Selbst die solidesten Schweizer schaffen esnicht, mit besten Fundamenten solide Ergebnisse zu produzieren. Das ist mehr als fatal.

Damit beginnen Sie die Woche bitte mit freundlichem Grundtun, aber kritischer Distanz zu manchem, was über die Medien flimmert.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker  

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_rain_:

Machst Du Urlaub, Cap?

 
06.02.02 11:20
Vertrauensverlust

Hans Bernecker: Vertrauensverlust
Mails/Nachrichten vom 05.02.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

Nichts ist schlimmer für die Börsen als Schocks oder ein Vertrauensverlust. Sie bringen einepsychologische Atmosphäre in den Markt, die unmöglich zu kalkulieren ist. Die Vorgänge umdie amerikanischen Bilanzen sind ein ganz, ganz trübes Kapitel. Darum wird es noch eineMenge Ärger geben. Ich hatte dieses Thema schon im alten Jahr berührt. Weit schlimmer: DerTyco-Finanzchef meinte gestern ganz cool: Alles nach GAAP richtig und erlaubt, aber er habefür 'nur' 8 Mrd Dollar über 200 Beteiligungen gekauft, die so klein waren, daß sie nichtberichtspflichtig seien, obwohl sich die Gesamtverschuldung von Tyco dadurch umfaßt 20 MrdDollar erweitert hat.Kommentar überflüssig. Gestern geriet eine der ersten Adressen der amerikanischen Börseebenfalls ins Schiefe Licht, nämlich General Electric, die Ikone erfolgreicher Firmenstrategien.Seit Wochen schaue ich sehr mißtrauisch auf GE, siehe AB. Wehe, wenn es hier zu'Problemen' kommt. Es ist die schwerste Aktie im Dow. Mein bisheriger Zielkurs lag bei 28/30 $und dieser galt ebenso wie für Microsoft als eine Art Prüfstein für den ganzen Trend. DasThema läßt sich beliebig ausbreiten: Die teuren Firmenkäufe der amerikanischen Bosse werdendie Börse das ganze Jahr über beschäftigen. Übrigens: Microsoft fiel auf 60,75 $ zurück.Zielkurs sind hier 48/50 $, wie schon angemerkt. Dies zu Ihrer Orientierung.

Fundamental sieht das Ganze völlig anders aus. Die Industrieaufträge, die gestern abendherauskamen, passen in das bisherige Bild. Viel wird darüber diskutiert, ob und wie dieamerikanischen Konsumenten das Ganze tragen sollen, wo sie doch so hoch verschuldetseien. Großer Irrtum. Lesen Sie die nächste AB. Aber halten Sie sich dabei fest und kaufen Sienoch in dieser Woche die letzte Nummer des englischen Economist, an jedem Kiosk erhältlich.Ich kann daraus nur kurz zitieren.

Wall Street konkret: Trotz der gestrigen Ärgernisse, hat der Boden bei 9700 ganz knappgehalten. Zum Schluß 9687. Dabei ging die gute Markttechnik der Vortage erstaunlicherweisenoch nicht kaputt, was mich hoffnungsvoll stimmt. Ich sehe vor obigem Hintergrund heutekeinen Handlungsbedarf, aber ich lege Ihnen nahe, die nächste AB deshalb sorgfältiger zulesen, weil ich eine ganz andere Branche als neue Möglichkeit im Auge habe.

Der Nasdaq 100 Tracking Stock wird zum Ärgernis. Die deutschen Finanzbehörden behandelnihn wie einen Bond. Begründung ist offen und für mich auch nicht nachvollziehbar, aber diesläßt sich nicht ändern. Wählen Sie also die deutschen Alternativen als Index-Zertifikate, wofürich Ihnen in der nächsten AB alle WKN-Nummern angebe. Im Prinzip ist es das Gleiche. Andieser Stelle werde ich aber jeweils den Nasdaq 100 im Original kommentieren, also aufDollarbasis. Er erreichte gestern mit 37 $ mein tiefstes Limit. Es bleibt ein Kauf. Den dazugültigen Chart bringe ich in einer der nächsten AB's.

Frankfurt dürfte auf die New Yorker Börse heute weniger stark reagieren. Dafür macht dasThema Deutschland AG bzw. Paketkäufe weiter die Runde. Das ist wie Monopoly mit derberühmten Schloßallee. Gestern habe ich dazu schon einige Anmerkungen gegeben. Daswichtigste heißt jedoch: Was passiert mit Leo Kirch?

Fälle wie diese sind wie eine düstere Wolke über den gesamten Markt, obwohl es keinendirekten Bezug zur Börse gibt. Das gilt schon seit Herstatt, Schneider, Holzmann und anderen.Kracht es, ist das natürlich eine sofortige Kaufgelegenheit, und halten Sie dafür unbedingtLiquidität in Reserve. Ein Zusammenbruch von Kirch erscheint mir sicher. Die gestrigenStellungnahmen von Dt. Bank und Bayer LB sind ein Affront. Damit ist die Kreditwürdigkeitbeseitigt. Was jetzt kommt, dürfte dramatische Züge für die deutsche Medienlandschaft mitsich bringen. An der Börse geht dies nicht vorbei und die Banken sind dran. Mitentsprechenden Schlagzeilen in den Medien. Für die bayerische Landesregierung wird dasGanze ein Lauf gegen die Zeit, insbesondere für den Kanzlerkandidaten. Ich warte also auf denKnall.

Die Ankündigung von WCM-Chef Flach, noch in diesem Frühjahr eine große Adresse im DAX100 'aufs Korn' zu nehmen, können Sie ernst nehmen. Über den Stand der Dinge und die daranhängenden Überlegungen bitte die nächste AB abwarten. Erkennen können Sie das, was hinterden Kulissen läuft, extern nur an den täglichen Börsenumsätzen. Die strategischenGrundüberlegungen entnehmen Sie ebenfalls der AB. Es ist schon ein faszinierendes Spiel,was hier läuft, aber Sie haben nicht so schlecht abgeschnitten, wenn es auch nach anderenKriterien läuft.

Die extrem verschlechterte Markttechnik der Banken ist ein böses Omen. Die Dt. Bank verlor indrei Tagen rund 16 %. Das ist kein Pappenstiel. Was die Commerzbank heute vorlegt, stimmtebenfalls nicht lustig. Ich habe mich gestern dazu schon geäußert. Ich nehme daher alleEmpfehlungen für diese Titel zurück. Hier entscheiden Manager über Milliardenvermögen nachGesichtspunkten, die schwer nachzuvollziehen sind. Mit den tatsächlichen Werten, die hintereiner Aktie stehen, hat das kaum noch etwas zu tun. Banken sind aber 'Vertrauensaktien' undkeine Produzenten von Bier, Stahl oder Kunststoff. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Meine Linie heute: Schauen Sie zu, mir hängen im Moment einige dunkle Wolken zuviel überdem Himmel. Vielleicht sieht es am Freitag schon anders aus.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker  

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jack303:

thread ist nicht von heute, gruss jack o.T.

 
06.02.02 11:21
Antworten
jack303:

@_rain_, bernecker heute

 
06.02.02 11:22
_rain_:

Gruppenhaft nur für Cap

 
06.02.02 11:24
Gruppenhaftung

Hans Bernecker: Gruppenhaftung
Mails/Nachrichten vom 06.02.2002, Bernecker & Cie.

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Guten Morgen, meine Damen und Herren,

'Gruppenhaftung' ist das Schlagwort des Tages. Enron und seine Folgen werden uns nocheinige Zeit beschäftigen. Wie viele Leichen noch 'auftauchen', weiß in New York niemand. DasGanze ist vielleicht nicht dramatisch, stört aberdas Gleichgewicht des Marktes empfindlich. Vereinfacht erklärt: Wer in den vergangenen fünfJahren dadurch wuchs, daß er andere Unternehmen kaufte, bezahlte in der Regel einen zuhohen Preis. Die Differenz zwischen dem Kaufpreis und dem tatsächlichen Buchwert ist dersogenannte Goodwill, der abzuschreiben ist. Davon ist fast jede dritte Firmenbilanz geprägt.Das operative Ergebnis ist davon selten berührt, aber sehr wohl die Kreditfähigkeit einesUnternehmens, wenn mit Schulden teilweise finanziert wurde, die Bonität zurückgestuft wirdund die Lücke mit Eigenkapital nicht zu füllen ist. Das gilt nicht nur für die Amerikaner, sondernfür eine ganze Reihe europäischer Firmen. In Deutschland allerdings so gut wie gar nicht bisauf Dt. Telekom mit dem Erwerb von Voicestream. Ich gestehe, daß ich einunwohles Gefühl im Magen habe, wenn ich an die Bilanzkonsequenzen dieser Art denke.

Die Wall Street weiß damit auch kaum richtig umzugehen, weil die Irritation größer ist als dieeigentliche Sachkenntnis. Es gibt nur wenige Analysten, die sich mit diesem Problem ernsthaftauseinandergesetzt haben, denn es ist eigentlich ein Thema der Old Economy und vielemeinten, in der New Economy sei das alles überflüssig. Deshalb bleibe ich dabei: Solangenicht allediese Fakten, inklusive Quartalszahlen und Bilanzkonsequenz, auf dem Tisch liegen, ist dasGanze eine Achterbahnfahrt. Ernsthaft zu überlegen ist die Konsequenz bei denTelekom-Dienstleistungen. Das betrifft meinerseits nur drei Aktien: AT&T, Sprint undWorldcom. Dazu in der nächsten AB und für Sie vorab: Die zwei letzten nehme ich raus, trotzsattem Verlust. Bei AT&T bleibe ich dagegen dabei und bin der Meinung, daß ich die Verlusteder zwei anderen dort wieder herausholen kann. Dafür bestehen gute Aussichten. Ich habe denganzen Konzernzauber von Worldcom zwar nicht mitgemacht, aber nach Absturz des Kursesvon über 60 $ auf 17 $ wäre das ganze Risiko ausreichend berücksichtigt. Darin war ich zuoptimistisch. Seit September sah es so aus, daß die Basis 11 $ halten könnte. Kursverlustjetzt rund 90 % und ein Menetekel.

Bei meinen Techniklimits gingen die ersten drei auf, vergleiche AB Nr. 04/02. Und zwar beiAMD bei gestern 14,46 $, bei Motorola mit 11,89 $ imTagestief und ganz knapp auch Sun Microsystems mit 9,97 $. Alle weiteren Limits bleibenunverändert.

Nachrichtlich: General Electric konnte sich gestern bei 35 $ abfangen. Das ruhte auf einerberuhigenden Erklärung von GE zum Gewinntrend. Doch darum geht es nicht. 30 $ bleibenmein Ziel. Microsoft hielt sich nur knapp über 60 $. Es bleibt beim Risiko von 20 %. IBM mußich leicht korrigieren: Kursrückgang von 126 auf 101 $ wurde mit einer Zwischenrally bis 109 $relativiert. Aktuell 106 $, und ich erweitere das Risiko auf 90/94 $. Beachten Sie bitte: Diesedrei Aktien sind ein wesentliches Gerippe für den gesamten Markt, deshalb in den nächstenTagen sehr genau zu verfolgen.

Zur Internetszene. Börsenliebling Broadvision hielt sich knapp über 2 $. Auch 1,90 $ sind nochmachbar. Yahoo fiel in meine Limitspanne 14/16 $hinein, gestern im Tief bei 15,23 $, an einem schlechten Tag sind auch 14,50 $ möglich. Hierlegen Sie mich bitte nicht auf einen halben Dollar fest. Insgesamt besteht aber kein dringenderHandlungsbedarf, siehe oben.

In Frankfurt regierte gestern blankes Entsetzen. Das gab's wohl noch nie, daß der Chef einerGroßbank einen der größten Kreditnehmer des Landes an die Wand stellte. Meine Meinungzum Sachverhalt hatte ich gestern schon artikuliert. Diese Kreditblase muß platzen und diedeutschen Bankenkurse stehen unter diesem Vorzeichen. Ich stelle mich auf jedeÜberraschung ein. Bankaktien sind vorerst kein Thema und wie das funktioniert, zeigt die Dt.Bank: Von knapp 80 auf inzwischen 66,50 E. innert fünf Börsentagen. Die Hypovereinsbank istnatürlich ebenfalls dabei und mithin sind dort Kurse um 30 E. jederzeit möglich. Schließlich:

Halten Sie sich aus allen Medienaktien fern, gleich welcher Art, bis auf die reinen Verlagstitelwie Springer, die nun zum Objekt im Kirch-Strudel werden. Alles, was mit TV-Medien zu tunhat, bleibt für mich kein Thema. Bei Pro7 ist der Besitzwechsel abzuwarten.

Ergänzend zu oben: Testet Dt. Telekom noch einmal das Tief knapp über 13 E.? ie Wette dafürsteht 7:3. Ursache ist auch hier das erwähnte Bilanzproblem, und zwar aus der amerikanischenSicht. Stellen Sie sich auf diesen Kurs ein. Heute findet ein internationales Pressekolloqiumzum Thema UMTS in Deutschland statt. Die Hauptakteure sind Ron Sommer und Heinrich vonPierer. Vielleicht gibt's neue Ausblicke.

Zum heutigen Terminkalender: Bilanzpressekonferenz bei Aachen-Münchener Versicherung istnur ein Indikator für AMB. In Basel gibt es Zahlen für Ciba Spezialitätenchemie und in Parisberichtet Bouygues.

In den USA kommen heute die Zahlen von Cisco, EDS und Pepsi Cola. Davon sieht derEDS-Chart nach einem sehr guten Verlauf nach einer Umkehrformation aus. Gewinnemitnehmen?

Wer empfiehlt was? Die Dt. Bank macht sich stark für Epcos, Morgan Stanley stuft KPN nachder Übernahme von E-Plus hoch. Merrill Lynch gibt eine neue Kaufempfehlung für Intel. CréditSuisse empfiehlt Mobilcom und die WestLB wird bei Porsche vorsichtig. Dafür gibt esEntlastung für Sulzer Medica, die mit dem jüngsten Vergleich von der Konkursschippegesprungen sein dürften.

Ryanair ist der Shootingstar unter den Fluglinien. Mit Superzahlen im Umsatz und Gewinn,aber auf den zweiten Blick bereits mit sinkender Marge. Für die Finanzierung der Investitionenwird eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Mitmachen? Zum Spielen ja, als Investment nein. DasKonzept von Ryanair ist gut, beeindruckend, aber langfristig nicht durchzuhalten. Das ist einbesonderes Thema und sprengt diesen Raum. Aber ich habe es einmal mit Mr. Lakereingehend diskutiert. Laker war der erste vor gut 20 Jahren, der das probiert hat.

Gold erreichte neuen Topkurs. Kein Chart sieht so gut aus wie der Goldchart. Wer wagt es, hier'mitzuspielen'? Denken Sie mal darüber nach. Sprung über 290 $ weist auf nächstes Kurszielvon 300/305 $ hin.

Das wär's für heute, bis morgen.

Herzlichst Ihr

Hans A. Bernecker  

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_rain_:

@jack303

 
06.02.02 11:26
jetzt isser von heute und jetzt ist der chronologie genüge getan

gruß, rain
aka liquid sunshine :-)
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