Auf Messers Schneide
Hans Bernecker: Auf Messers Schneide
Mails/Nachrichten vom 01.02.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Weltwirtschaftsgipfel hat begonnen, und die Marktkorrekturen zeigen einen ersten Ansatz für ihr Ende. Eliminiert man alle Zahlen und Infos und
schaut nur darauf, ist das ein ungeheuer spannendes Feld. Schade, daß ich Ihnen dies an dieser Stelle nicht zeigen kann. Ich traue mir aber vor dieser Konstellation keine kurzfristige Prognose zu. Es sieht fast wie auf des Messers Schneide aus.
Grundlinie deshalb: Meine Korrekturkurse halte ich noch aufrecht, wie in den letzten Briefen markiert. Nächste Woche muß ich sie überprüfen. Die genannten Kurse sind knapp erreicht, aber vielfach nicht ganz. Deshalb: Wer noch gar nicht investiert ist, baut in diesen Titeln eine Anfangsposition auf. Das ergibt sich aus oben Gesagtem. Dann muß 'nachgestellt' werden, wenn
es doch noch schwächer werden sollte.
An der Wall Street wächst nun die Erkenntnis, die ich skizziert hatte: Statt Zinssenkung muß die FED spätestens im April über Zinserhöhungen nachdenken. Nehmen Sie die heutige AB zur Hand und studieren Sie die Seite 1 bzw. den Chart. Was sich da ankündigt, ist mehr als lediglich eine Renditeerhöhung. Darauf komme ich in den nächsten Briefen noch zurück. Das alles ist natürlich nicht kurzfristig, sondern sehr langfristig zu sehen. 20 Jahre Zinsbaisse gehen zu Ende. Das ist ein Wort.
Ich persönlich bin gespannt, ob meine Prognose für den amerikanischen Arbeitsmarkt aufgeht. 5,6 % Arbeitslosenrate war meine Spitze vor New York
und 5,9 % nach New York. Die gestrigen Zahlen scheinen dies zu bestätigten, daß es eine 6 vor dem Komma nicht geben wird. Das ist ein weiterer Baustein für die Konjunktureinschätzung.
Zu den einzelnen Titeln: Procter & Gamble ist für mich ein Frühindikator. Knapp vor neuem Top mit den gestern vorgelegten Zahlen. Ich hatte kürzlich
darauf hingewiesen und wiederhole es: PG ist kein Renner, aber eine wichtige Stütze in Ihrem Portfolio, ebenso wie Philip Morris. Zwei weitere
Indikatoren für den Markt bleiben für mich GE und Microsoft als schwerste Titel. Erst wenn diese sich gefangen haben, ist der gesamte Markt im
Gleichgewicht. Ich hatte in der AB schon darauf hingewiesen und dies war keine Kaufempfehlung, worauf ich ausdrücklich hinweise.
Die deutsche Börse sieht ebenfalls in der Markttechnik so spannend aus, wie eingangs erwähnt. Ich verzichte deshalb auf eine ergänzende Empfehlung zur heutigen AB, worin alles gesagt ist, erlaube mir aber, einen Gedanken
auszusprechen:
Die Zahlen der Deutschen Bank, die gestern herauskamen, machen mir große Sorgen. Die frühere Gewinnqualität der deutschen Universalbanken ist nicht mehr erreichbar. Der Trend zum Investmentbanking war aus meiner Sicht stets
problematisch und bleibt es. Seit über 40 Jahren habe ich dieses Thema mit fast allen Vorständen der Großbanken besprochen. Der erste war Hans Deuss bei der Commerzbank und sein Nachfolger Lichtenberg. Bei der Deutschen Bank Hermann Josef Abs, Christians und Herrhausen, mit dem ich darüber ausgerechnet in New York debattierte. Bei der Dresdner Bank waren es schon Mathiessen und Rinn, die zwei ersten großen Banker nach Getz in der Nachkriegszeit, und schließlich Bremauer bei der Vereinsbank oder Ernst Berger bei der Hypo. Warum die ganzen Namen?
Die deutsche Universalbank als Typus war das Gerüst des Wirtschaftswunders. Sie finanzierten den Mittelstand kurz- und mittelfristig (bis 4 Jahre), dem sie sich jetzt zunehmend verweigern. Die Folgen sind bekannt. Daran verdienten die Banken zuverlässig und das machte die Ertragsstärke aus.
Das Investmentbanking hängt von den Kapitalmärkten ab. Es ist immer starken
Schwankungen ausgesetzt und mithin ist die Qualität der Gewinne gering einzuschätzen. Daraus folgt unweigerlich eine niedrigere Gewinnbewertung, weil ein Risikofaktor darin steckt, statt einer Wachstumsprämie. Mit diesem
Thema werden sich die Analysten häufig schwertun. Natürlich belastet dies auch den Gesamtmarkt.
In den nächsten 4 Wochen gibt es im MDAX mehr Chancen als im DAX. Darauf weise ich Sie vorsorglich hin. Der gestrige Tag zeigte diese erneut. Die Auswahl wird schwierig. Es kann sein, daß sich die Anzahl Ihrer Positionen ausweiten muß. Denn hier geht es mehr um Einzel-Hintergründe, wie in der AB beschrieben, und weniger um die aktuelle Gewinneinschätzung. Achten Sie besonders auf das, was ich in der heutigen AB schreibe. Hauptthema die Pharma-/Kosmetiktitel Altana, Beiersdorf, Schwarz Pharma bzw. Stada. Dies aber auch im Verbund mit Schering und Henkel.
Eine Bitte an Sie: Lesen Sie nicht die heutige AB allein, sondern nehmen Sie die letzten 3 Briefe zusammen, weil darin einige Nachbesserungen enthalten sind, die im Zusammenhang stehen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen unverändert
Babcock, Conti, Gildemeister und MG Tech, um nur die Bekanntesten zu nennen.
Zum Euro: Zielkurs ist unverändert 84 Cents. Dafür fehlen noch gut 2 Cents. Markttechnisch ist das zwar etwas knapp, aber noch möglich. Dann sind aber technische Korrekturen fällig. Das gleiche gilt für den Yen: Er ist gegen Dollar überverkauft. Hier ist Rückdeckung/Rückkauf von Yen zu erwägen, wenn Sie Yen-Kredite halten. Nach der Korrektur wird die Position wieder geöffnet. Es handelt sich also um eine Absicherung Ihrer Yen-Kredite.
Damit wünsche ich Ihnen ein gutes Wochenende und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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Hans Bernecker: Auf Messers Schneide
Mails/Nachrichten vom 01.02.2002, Bernecker & Cie.
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Guten Morgen, meine Damen und Herren,
der Weltwirtschaftsgipfel hat begonnen, und die Marktkorrekturen zeigen einen ersten Ansatz für ihr Ende. Eliminiert man alle Zahlen und Infos und
schaut nur darauf, ist das ein ungeheuer spannendes Feld. Schade, daß ich Ihnen dies an dieser Stelle nicht zeigen kann. Ich traue mir aber vor dieser Konstellation keine kurzfristige Prognose zu. Es sieht fast wie auf des Messers Schneide aus.
Grundlinie deshalb: Meine Korrekturkurse halte ich noch aufrecht, wie in den letzten Briefen markiert. Nächste Woche muß ich sie überprüfen. Die genannten Kurse sind knapp erreicht, aber vielfach nicht ganz. Deshalb: Wer noch gar nicht investiert ist, baut in diesen Titeln eine Anfangsposition auf. Das ergibt sich aus oben Gesagtem. Dann muß 'nachgestellt' werden, wenn
es doch noch schwächer werden sollte.
An der Wall Street wächst nun die Erkenntnis, die ich skizziert hatte: Statt Zinssenkung muß die FED spätestens im April über Zinserhöhungen nachdenken. Nehmen Sie die heutige AB zur Hand und studieren Sie die Seite 1 bzw. den Chart. Was sich da ankündigt, ist mehr als lediglich eine Renditeerhöhung. Darauf komme ich in den nächsten Briefen noch zurück. Das alles ist natürlich nicht kurzfristig, sondern sehr langfristig zu sehen. 20 Jahre Zinsbaisse gehen zu Ende. Das ist ein Wort.
Ich persönlich bin gespannt, ob meine Prognose für den amerikanischen Arbeitsmarkt aufgeht. 5,6 % Arbeitslosenrate war meine Spitze vor New York
und 5,9 % nach New York. Die gestrigen Zahlen scheinen dies zu bestätigten, daß es eine 6 vor dem Komma nicht geben wird. Das ist ein weiterer Baustein für die Konjunktureinschätzung.
Zu den einzelnen Titeln: Procter & Gamble ist für mich ein Frühindikator. Knapp vor neuem Top mit den gestern vorgelegten Zahlen. Ich hatte kürzlich
darauf hingewiesen und wiederhole es: PG ist kein Renner, aber eine wichtige Stütze in Ihrem Portfolio, ebenso wie Philip Morris. Zwei weitere
Indikatoren für den Markt bleiben für mich GE und Microsoft als schwerste Titel. Erst wenn diese sich gefangen haben, ist der gesamte Markt im
Gleichgewicht. Ich hatte in der AB schon darauf hingewiesen und dies war keine Kaufempfehlung, worauf ich ausdrücklich hinweise.
Die deutsche Börse sieht ebenfalls in der Markttechnik so spannend aus, wie eingangs erwähnt. Ich verzichte deshalb auf eine ergänzende Empfehlung zur heutigen AB, worin alles gesagt ist, erlaube mir aber, einen Gedanken
auszusprechen:
Die Zahlen der Deutschen Bank, die gestern herauskamen, machen mir große Sorgen. Die frühere Gewinnqualität der deutschen Universalbanken ist nicht mehr erreichbar. Der Trend zum Investmentbanking war aus meiner Sicht stets
problematisch und bleibt es. Seit über 40 Jahren habe ich dieses Thema mit fast allen Vorständen der Großbanken besprochen. Der erste war Hans Deuss bei der Commerzbank und sein Nachfolger Lichtenberg. Bei der Deutschen Bank Hermann Josef Abs, Christians und Herrhausen, mit dem ich darüber ausgerechnet in New York debattierte. Bei der Dresdner Bank waren es schon Mathiessen und Rinn, die zwei ersten großen Banker nach Getz in der Nachkriegszeit, und schließlich Bremauer bei der Vereinsbank oder Ernst Berger bei der Hypo. Warum die ganzen Namen?
Die deutsche Universalbank als Typus war das Gerüst des Wirtschaftswunders. Sie finanzierten den Mittelstand kurz- und mittelfristig (bis 4 Jahre), dem sie sich jetzt zunehmend verweigern. Die Folgen sind bekannt. Daran verdienten die Banken zuverlässig und das machte die Ertragsstärke aus.
Das Investmentbanking hängt von den Kapitalmärkten ab. Es ist immer starken
Schwankungen ausgesetzt und mithin ist die Qualität der Gewinne gering einzuschätzen. Daraus folgt unweigerlich eine niedrigere Gewinnbewertung, weil ein Risikofaktor darin steckt, statt einer Wachstumsprämie. Mit diesem
Thema werden sich die Analysten häufig schwertun. Natürlich belastet dies auch den Gesamtmarkt.
In den nächsten 4 Wochen gibt es im MDAX mehr Chancen als im DAX. Darauf weise ich Sie vorsorglich hin. Der gestrige Tag zeigte diese erneut. Die Auswahl wird schwierig. Es kann sein, daß sich die Anzahl Ihrer Positionen ausweiten muß. Denn hier geht es mehr um Einzel-Hintergründe, wie in der AB beschrieben, und weniger um die aktuelle Gewinneinschätzung. Achten Sie besonders auf das, was ich in der heutigen AB schreibe. Hauptthema die Pharma-/Kosmetiktitel Altana, Beiersdorf, Schwarz Pharma bzw. Stada. Dies aber auch im Verbund mit Schering und Henkel.
Eine Bitte an Sie: Lesen Sie nicht die heutige AB allein, sondern nehmen Sie die letzten 3 Briefe zusammen, weil darin einige Nachbesserungen enthalten sind, die im Zusammenhang stehen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen unverändert
Babcock, Conti, Gildemeister und MG Tech, um nur die Bekanntesten zu nennen.
Zum Euro: Zielkurs ist unverändert 84 Cents. Dafür fehlen noch gut 2 Cents. Markttechnisch ist das zwar etwas knapp, aber noch möglich. Dann sind aber technische Korrekturen fällig. Das gleiche gilt für den Yen: Er ist gegen Dollar überverkauft. Hier ist Rückdeckung/Rückkauf von Yen zu erwägen, wenn Sie Yen-Kredite halten. Nach der Korrektur wird die Position wieder geöffnet. Es handelt sich also um eine Absicherung Ihrer Yen-Kredite.
Damit wünsche ich Ihnen ein gutes Wochenende und verbleibe
herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker
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