Guten Morgen, meine Damen und Herren,
die Konsolidierung der Märkte verläuft nach Plan. Das merken Sie weniger in den Indizes als vor allem in den Titeln selbst. Darin drückt sich wiederum die schon beschriebene relative Stärke der Aktien aus, was Sie gestern recht deutlich verfolgen konnten: Der Dow Jones legte etwas zu, der Nasdaq verlor 3,4 % bzw. 4,5 %. Einzelne Titel brachen aber noch kräftiger ein und dafür gilt, was ich Ihnen ebenfalls beschrieb:
Was vorher bis 100 % zugelegt hatte (gegenüber dem Tief), muß jetzt wieder rund die Hälfte dieser Gewinne abgeben. Beispiel: Cisco lag im Tief bei 13,63 $, sprang auf 25 $ und wird jetzt in die Bandbreite 18/19 $ reagieren, vielleicht für einen halben Tag auch bis 16 $. Diese gewaltige Spanne steckt also als Volatilität in einer typischen Technikaktie. Sinngemäß gilt dies für alle anderen und das bedeutet für Sie: Schauen Sie sich die Charts an, verbunden mit den Umsätzen, und nur so können Sie einigermaßen erkennen, wo der sog. zweite Boden liegt.
Zur Orientierung: Apple hat ein Risiko von 18 - 19 $, Compuware bis etwa 8,50/9 $, Dell Computer bis 22 $ und Intel bis 24/26 $. Microsoft 66/68 $, Siebel Systems bei 45/46 $ und AMD bei etwa 27/28 $. Für EMC gelten 30 $ und für Micron Tech 35 $. Für Hewlett Packard schätze ich 26 $, aber am stärksten bleibt IBM, wo das Risiko nur bei äußerst 3 $, also 112/113 $ liegt. Diese Limits gelten als allgemeine Richtlinie und meine Empfehlung lautet unverändert: Um diese Kurse herum liegen die nächsten Kauflimits.
Der Lucent-Deal ist gestern abend überraschend geplatzt. Die Franzosen wollten abstauben, was die Amis nicht akzeptierten. Gott sei Dank! Nutzen Sie die Lucent-Schwäche, die mehr psychologisch zu verstehen ist, als nächste Kaufgelegenheit zwischen 7,50 und 9 $. Davon mache ich keine Abstriche. Allerdings warte ich auf die heutige Erklärung von Lucent zum Gesamtbild in dieser Sache. Es kann sein, daß die Abgabe der 58 %-Beteiligung an Agere Systems zur Disposition steht. Wenn Sie aber wissen wollen, was aus amerikanischer Sicht Lucent wert ist, so lesen Sie es in der heutigen Presse. Das ist so eine Art indirekte Bestätigung meiner Wertberechnung von Lucent.
Deutschland wartet auf neue Denkanstöße. Die gibt es heute im Kleinformat. ThyssenKrupp liefert einen positiven Ausblick vor dem Hintergrund der durchaus guten Halbjahreszahlen (30.3.). Dann gibt es zwei HVs von Hochtief und IVG Holding, in denen ich zwar keine Sensationen, aber einen interessanten Ausblick erwarte. Ferner ist HV bei T-Online und bei Maxdata, die ich als eine der billigsten PC-Hersteller auf dem deutschen Kurszettel einschätze. Karstadt kommt mit den Bilanzzahlen und König & Bauer mit denjenigen für das 1. Quartal. Schließlich ist HV bei Schneider Technologies. Fast alle diese Aktien hatte ich in den letzten ABs besprochen und
weitgehend zum Kauf empfohlen. Insofern gibt es heute eine Art Qualitätstest für diese Titel und deren Markttechnik.
Die gestrige HV von Dt. Telekom erzwingt keine neue Einschätzung. Aber man hat schon manchmal den Eindruck, daß Aktionäre glauben, daß ein Riesenunternehmen, welches mitten in einem weltweiten Strukturprozeß steht, mit wenigen Entscheidungen des Vorstandes neu ausgerichtet werden kann. Das ist irgendwie naiv. Ich halte das, was Ron Sommer darlegte, für seriös und richtig und am Ende erfolgreich. Die gestrige Kursschwäche rührte allerdings von Vodafone her, deren Markttechnik unter allen Telekommunikationsaktien im Moment am schlechtesten aussieht.
Wahrscheinlich heute oder morgen: Der Verkauf der Agrochemie von Aventis geht in die Endphase. 4 Mrd $ wurden gestern abend genannt, was unter den bisherigen Schätzungen liegt. Ein Viertel davon geht an Schering, die ursprünglich an 2 Mrd E. dachten. Das wird sich nicht realisieren lassen, aber 1,2 - 1,4 Mrd E. polstern die Rechnung auf, die ich kürzlich für Schering aufgemacht hatte.
Die Börsenumsätze in MG Technologies klettern auf inzwischen 1/2 Mio Stück pro Tag. Das gab's lange nicht mehr. Bitte lesen Sie die letzte AB. Lange dürfen Sie nicht warten. Werden 14 E. nachhaltig übersprungen, geht es in Richtung 18/20 E. Diese Aktie ist eine der interessantesten Spekulationen dieses Jahres, wenn auch nicht ganz leicht zu verstehen.
In Zürich ging es gestern in meinen zwei Tagestips schon rund. Sulzer sprangen von 669 auf 721 Fr. Die Tochter Sulzer Medica von 167 auf 190/193 Fr. Bin ich schuld? Teilweise wohl schon, aber Sie sehen daran, wie schön es ist, mitten in eine psychologische Angstphase hinein zu kaufen. Dennoch: Operieren Sie weiter in der Bandbreite 170/180 Fr. für die Tochter und knapp unter 700 Fr. für die Mutter. Die weiteren Details in der nächsten AB. Ich wünsche Ihnen damit einen ebenso sonnigen wie insofern auch interessanten Börsentag, als Sie sich in einer weitergehenden Konsolidierung sorgfältig die besten Einkaufskurse auswählen können.
Herzlichst Ihr
Hans A. Bernecker