Ölsand


Thema
abonnieren
Beiträge: 3
Zugriffe: 561 / Heute: 1
Kalli2003:

Ölsand

 
26.06.03 08:16

Im Sand klebt Schwarzes Gold

VON GERD BRAUNE, 07:58h

Das aus Bitumen gewonnene Erdöl fließt vor allem in die USA.
Fort McMurray - Im Norden der kanadischen Provinz Alberta lagern riesige Ölreserven. Bis zu 2,5 Billionen Barrel Schweröl und dickflüssiges Bitumen werden in den Ölsand-Feldern Nord-Albertas vermutet. Etwa 300 Milliarden Barrel können mit der heutigen Technologie gewonnen werden. Kanada gehört damit zu den ölreichsten Ländern der Welt. Die bisherigen und geplanten Investitionen kanadischer und internationaler Konzerne liegen bei 30 Milliarden Dollar.

Etwa 55 Kilometer nördlich von Fort McMurray führt der Highway 63 über den Athabasca. Anfang der 80er Jahre wurde die Brücke gebaut, weil auf der anderen Flussseite Öl gefördert werden sollte. Das Projekt scheiterte. Die Brücke wurde im Volksmund zur „Brücke ins Nichts“. Jenseits war Niemandsland. Heute führt der Highway in die Minen des Athabasca-Ölfeldes, des größten der vier Ölsandgebiete Albertas. Konzerne wie Suncor oder Syncrude gewinnen hier aus dem dunklen, klebrigen, Bitumen enthaltenden Erdreich Petroleum oder bereiten die Ausbeutung vor. Fort McMurray ist das Zentrum der Ölsand-Industrie. Keine Stadt in Kanada wuchs in wenigen Jahrzehnten so rapide. Sind es 40 000 oder schon 45 000 Einwohner? Vor 40 Jahren lebten hier erst 1200 Menschen.

Vier große Reserven


Mike Ashar glaubt von Berufs wegen an die Zukunft der Ölindustrie. Als Vizepräsident von Suncor ist er verantwortlich für das „Project Millennium“, das 1997 verkündete Ausbauprogramm mit Investitionen von 3,4 Milliarden Dollar. „Trotz der Alternativen wie Wind, Sonnenkraft oder Ethanol braucht die Weltwirtschaft fossile Brennstoffe. Der Bedarf ist riesig. Diesen Bedarf müssen wir wirtschaftlich und umweltfreundlich decken“, sagt Ashar. Mit 75 Millionen Barrel pro Tag beziffert er den Weltbedarf, und die USA seien mit 16 Millionen Barrel der größte Abnehmer. Weltweit gebe es aber nur vier große Reserven: Naher Osten, Russland, Venezuela und eben die Ölsände Kanadas.

Das „Oil and Gas Journal“ nahm Ende 2002 eine Bewertung der Ölreserven der Welt vor und legte überraschende Zahlen vor: Die Reserven wurden um 181 Milliarden Barrel auf 1,213 Billionen Barrel hochgesetzt. „Der größte Teil dieses dramatischen Anstieg ist darin zu sehen, dass 175 Milliarden Barrel Schweröl in Albertas Ölsänden jetzt mitgerechnet werden“, stellt das US-Institut „Cambridge Energy Research Associates“ fest. Dabei wurden nur die Vorräte berücksichtigt, die mit dem Ölpreisniveau des vergangenen Jahres als „wirtschaftlich gewinnbar“ galten. Kanada steht jetzt auf Platz zwei der ölreichsten Ländern der Erde und verfügt über 15 Prozent der Weltreserven. Übertroffen wird es nur von Saudi-Arabien (35,4 Milliarden Tonnen); Irak (15 Milliarden Tonnen) fiel auf den dritten Platz zurück. Angesichts der Krise in Nahost und den Turbulenzen in Venezuela hat Kanada für die Ölversorgung eine strategische Bedeutung. Dies weckt Begehrlichkeiten der USA, die einen grenzenlosen nordamerikanischen Energiemarkt anstreben.

Kanadas Premierminister Jean Chretien genießt es, dem Nachbarn dessen Abhängigkeit von kanadischer Energie vor zu halten: „Wir liefern den USA 94 Prozent ihrer Erdgasimporte und fast 100 Prozent der Elektrizitätsimporte. 2002 lieferte Kanada den USA 17 Prozent ihres Roh- und raffinierten Öls, mehr als jeder andere ausländische Lieferant. Und das wichtigste: Wir sind ein sicherer Energielieferant, auf den sie sich verlassen können“, sagte er kürzlich in Chicago. Schon die Indianer nutzten die zähe Ölmasse, um ihre Birkenrindenkanus zu isolieren. Der Entdecker Peter Pond fand 1770 im Athabasca Öl. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass das Bitumen aus Ölseen unter der Erdoberfläche aufsteigt. Schließlich setzte sich die Überzeugung durch, dass das Öl mit Sand gemischt ist. In den zwanziger Jahren wurden Verfahren entwickelt, um Bitumen zu gewinnen: In heißem Wasser löste sich der Sand und sank. An der Oberfläche blieb Bitumen zurück. Im Prinzip wird diese Technik noch immer angewendet. Heute reißen gewaltige Bagger mit ihren Schaufeln den Boden auf. 80 bis 100 Tonnen können diese Monster mit einer Schaufel aufnehmen.

Die beiden Verfahren zur Gewinnung von Bitumen sind kostspielig: Beim „in situ“-Verfahren wird heißer Wasserdampf unter hohem Druck in Bohrlöcher gepresst. Hitze und Wasser machen das Bitumen im Sand dünnflüssiger und es kann abgepumpt werden. Wird Bitumen im Tagebau gewonnen, dann muss zunächst die 30 bis 50 Meter dicke Erdschicht abgetragen werden, die die ölhaltigen Schichten bedeckt. Entscheidend war in den 90er Jahren die Entwicklung des „Hydrotransports“. Der Ölsand wird bereits am Rande der Mine in einem Brecherwerk zerkleinert und mit warmem oder heißem Wasser und Natron zersetzt. Durch Pipelines fließt der Schlamm in die Verarbeitungsfabrik. In der Extraktionsanlage wird dann reines Bitumen gewonnen. Es ist ein dickflüssiges Öl, das früher fast nur zum Asphaltieren von Straßen verwendet werden konnte. Bitumen muss verbessert werden, bis es als synthetisches Rohöl auf den Markt kommen kann.

Fort McMurray kann sich auf weiteres Wachstum einstellen. In Nord-Alberta riecht es nach Öl. „Das ist der Geruch von Geld“, sagen die Menschen dort.

 

So long (oder doch besser short?)

Kalli  Ölsand 1074557

Antworten
sir charles:

Was leider in dem Artikel nicht erwähnt wird ist,

 
26.06.03 08:47
daß die Gewinnung mindestens 4x so teuer ist und daher der Spritpreis (Barel)
4 x so teuer ist. Ob sich das dann noch auszahlt ???
Antworten
Kalli2003:

Ansturm auf Kanadas Ölsand

 
08.08.05 10:10

Ansturm auf Kanadas Ölsand

Mineralölkonzerne wollen in Alberta mehr als 60 Milliarden Dollar investieren.

Ottawa - Der Anstieg der Ölpreise auf ein Rekordniveau machen die Gewinnung synthetischen Rohöls aus den Ölsandfeldern West-Kanadas noch attraktiver. Die Aussicht, dass diese Reserven noch viele Jahrzehnte reichen, lockt nach Ansicht von Analysten immer mehr Investoren an. Geschätzt wird, dass sich die Investitionen der Mineralölkonzerne in den Ölsandfeldern Albertas zwischen 2004 und 2013 auf 61 Milliarden kanadische Dollar (40 Milliarden Euro) belaufen werden.

Donald Coxe, Analyst der Bank of Montreal Financial Group, geht von einem Ansturm von „Big Oil“, der größten Ölfirmen, auf die Ölsandfelder und die dortigen teils kleinen Unternehmen aus. Angesichts schwindender Reserven in den bisherigen großen Ölfeldern sei der Einstieg in den Ölsand Kanadas „eine strategische Investition“. „Man investiert auf der Basis der Reserven im Boden in sicheren Gegenden der Welt. Ölsande stellen die größte Rohstoffreserve dar, auf die diese Kriterien passen“, sagte Coxe in Toronto.

Als Beispiel für wachsendes Interesse am Ölsand wird der geplante Kauf von Deer Creek Energy Ltd. durch die französische Total für umgerechnet 1,35 Milliarden kanadische Dollar (900 Millionen Euro) gesehen. Deer Creek hat die Pacht für das „Joslyn“-Gebiet, das zwei Milliarden Barrel Bitumen bergen soll. Total ist bereits mit Conoco Phillips am Surmont-Projekt in Alberta beteiligt. Auch die Übernahme des kanadischen Pipeline-Herstellers Terasen durch die amerikanische Kinder Morgan unterstreicht den Trend.


„Die bereits durchlässige Grenze zwischen der kanadischen und amerikanischen Öl- und Gas-Infrastruktur öffnet sich weiter“, stellt das Branchenblatt „Petroleum Intelligence Weekly“ fest. In diesem Jahr kaufte sich zudem Petro-Canada für 900 Millionen Can-Dollar bei UTS Energy ein. Mit China National Offshore Oil und der Sinopec-Gruppe engagieren sich auch Firmen aus dem Reich der Mitte im kanadischen Ölsand-Geschäft.

Laut Coxe haben es viele Mineralölkonzerne versäumt, schwindende Reserven durch neue zu ersetzen. Kanada habe Reserven von 179 bis 800 Milliarden, vielleicht gar 1,6 Billionen Barrel. Er sehe eine „gute Chance“, dass der Internationale Währungsfonds die Reserven neu bewerten und zwei- oder dreimal höher einstufen werde als diejenigen Saudi-Arabiens. Er glaube auch, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Regeln lockern werde, unter denen Ölsand als Reserve angegeben werden könne. Dies werde das Interesse von US-Unternehmen am Ölsand steigern.

Pricewaterhouse Coopers (PwC) in Toronto sieht in politischen Spannungen rund um den Erdball und der Nachfrage durch die USA, China und Indien die Hauptursache für Rekordpreise bei Öl und Gas, was in allen kanadischen Energiesektoren zu anhaltendem Wachstum geführt habe. Coxe weist zudem darauf hin, dass Russland und Venezuela auf Grund ihrer politischen Entwicklungen als Lieferanten mit sicherem Wachstum ausgefallen seien.

Von 1996 bis 2003 investierte die Industrie bereits 28 Milliarden Dollar (18 Milliarden Euro) in die Rohöl-Gewinnung in den Ölsandfeldern Nord-Albertas, von denen das Athabasca-Feld bei Fort McMurray das größte ist. Ölriesen wie Shell, Suncor oder Exxon Mobil sind längst vor Ort.

(KStA)
          §

http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1122811435092

So long (oder doch besser short?)  

Ölsand 2046156Kalli  

Antworten
Auf neue Beiträge prüfen
Es gibt keine neuen Beiträge.


Börsen-Forum - Gesamtforum - Antwort einfügen - zum ersten Beitrag springen
--button_text--