Mal sehen wie der Ausblick wird.
Handelsblatt vom 30.10.03
Novasoft-Aktie profitiert von SAP
Von Christian Schnell, Handelsblatt
Die Performance stellt selbst zuletzt gefragte Tech-Werte in den Schatten: Um rund 40 % legte die Aktie des Heidelberger IT-Dienstleisters Novasoft im Oktober zu. Gründe hierfür gibt es etliche.
FRANKFURT/M. Zum einen präsentierte der Software-Konzern SAP, auf den allein Novasoft spezialisiert ist, sehr gute Zahlen. Zum zweiten gilt die Aktie im Vergleich zur Peer-Group um IDS Scheer und SAP SI als günstig bewertet. Und zu guter Letzt scheint die Branche nicht mehr unter den Dumping-Preisen zu leiden, wie sie noch im vergangenen Jahr üblich waren. Dennoch stellen viele Analysten inzwischen zurecht die Frage, ob die hohe Bewertung zu rechtfertigen ist.
Die Antwort darauf wird es erst mit der Vorlage der Neun- Monats-Zahlen am kommenden Montag geben. Dabei ist dann weniger das reine Zahlenwerk, sondern vor allem der Ausblick für das letzte Quartal und für das kommende Geschäftsjahr für die Analysten von Interesse. Abschätzen lässt sich in deren Augen bereits jetzt, dass alte Wachstumsraten in weite Ferne gerückt sind und sowohl Umsatz als auch Ergebnis unter den Zahlen des Jahres 2002 liegen werden. Für den Aktienkurs dürfte das jedoch keine Belastung darstellen, notiert dieser doch noch immer gut 90 % unter den Höchstständen vom März 2000. Sowieso hatte Vorstandsmitglied Georg Konrad bereits im Sommer angekündigt, dass das oberste Ziel für dieses Jahr das Erreichen der Profitabilität ist. Das wird Novasoft nach übereinstimmender Meinung der Analysten auch erreichen. Für Phantasie sorgt zudem, dass die beiden Wettbewerber IDS Scheer und SAP SI in den letzten Tagen positive Ausblicke lieferten.
„Viele Unternehmen haben in den letzten drei Jahren nur das nötigste an ihrer IT-Infrastruktur verbessert. Früher oder später ist jedoch keine Flickschusterei mehr möglich“, begründet Gerrit Rohleder von Equinet Research einen gewissen Optimismus. Unter anderem deswegen setzt er darauf, dass es ab dem kommenden Jahr mit Umsatz und Ergebnis wieder bergauf geht. Das ist für Unternehmen wie Novasoft auch bitter nötig, ist doch ein gewisser Preisdruck nach wie vor spürbar, der die Margen belastet. Deswegen rät Rohleder vorerst lediglich zum Halten der Aktie. Den fairen Wert, den er bei 3,60 Euro sieht, hat diese schließlich gerade erreicht.
n entscheidender Punkt wird auch in Zukunft das Verhältnis zwischen Inlands- und Auslandsumsätzen sein. Im Inland hatte Novasoft im ersten Halbjahr Einbußen hinnehmen müssen, die durch das Auslandsgeschäft kompensiert wurden. Nun deutet sich an, dass sich die Lage im Inland stabilisiert, dafür aber im Ausland nicht mehr das starke Wachstum wie zuletzt möglich ist. Für Phantasie sorgen bei dem IT-Dienstleister auch die starken Zahlen und die positiven Prognosen von SAP. „Die guten Lizenzverkäufe der SAP kommen gewöhnlich mit einer zeitlichen Verzögerung von rund sechs Monaten bei den IT-Dienstleistern an“, sagt Norbert Kretlow von Independent Research. Er rät deshalb zum spekulativen Kauf der Aktie. Positiv auch: Je besser es SAP geht, umso weniger positioniert sich der Konzern im Bereich Professional Services. Dieses Feld bleibt dann den Dienstleistern.
Ob die Novasoft-Aktie nun im Vergleich zu den beiden größeren Wettbewerbern IDS Scheer und SAP SI günstig bewertet ist, lässt sich nicht auf den ersten Blick beantworten. Der Grund ist, dass Novasoft nach dem International Accounting Standard (IAS) bilanziert, die anderen beiden Unternehmen nach US-Gaap. Der Unterschied: Novasoft muss in seiner Bilanz Abschreibungen auf den Firmenwert vornehmen, IDS Scheer und SAP SI dagegen können dies tun. Immerhin beliefen sich bei Novasoft im vergangenen Jahr von den 2,5 Mill. Euro Abschreibungen rund 1,5 Mill. Euro auf den Firmenwert. „Wenn man das herausrechnet, erscheint die Aktie im Vergleich günstig“, sagt Gerrit Rohleder. Gleichwohl ist nach Meinung von Norbert Kretlow ein Abschlag gerechtfertigt, da Novasoft im Vergleich zu den beiden Wettbewerbern nicht im TecDax gelistet ist.
Auf eines dürfen sich die Anleger auf alle Fälle freuen: Trotz des niedrigeren Gewinns dürfte die Dividende wieder bei 0,10 Euro liegen. „Ich denke, dass Novasoft an einer gewissen Dividendenkontinuität festhält“, sagt Norbert Kretlow.