UPDATE: Nordex will 2010 zweistellig wachsen und Marge steigern
24.11.2009
09:35
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(NEU: Details, Hintergrund, Aussagen Richterich, Analyst, Aktienkurs)
Von Martin Rapp
DOW JONES NEWSWIRES
DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der Windkraftanlagenhersteller Nordex hat nach den
ersten neun Monaten des "Übergangsjahrs" 2009 bereits das "Wendejahr" 2010 im
Blick. Dann will das Unternehmen beim Umsatz wieder ein zweistelliges Wachstum
in Angriff nehmen und auch die Marge vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll nach
dem Rückgang in diesem Jahr wieder steigen.
Die Nordex AG hat am Dienstag für die Monate Januar bis Juli Bilanz gezogen.
Knapp fünf Wochen vor Silvester sieht man in Norderstedt klarer, was die
voraussichtlichen Ergebnisse des ganzen Jahres angeht. An dem Umsatzziel von
rund 1,2 Mrd EUR hält Nordex fest, die EBIT-Marge soll sich bei etwa 3%
einpendeln. 2008 war bei Erlösen von 1,14 Mrd EUR eine Umsatzrendite von 5,5%
vor Zinsen und Steuern erwirtschaftet worden.
Der Rückgang des Gewinns wird vom Unternehmen auf gestiegene Strukturkosten
zurückgeführt. In Erwartung eines stärkeren Wachstums seien die Kapazitäten
ausgebaut worden, die nun in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht
ausgelastet werden. Mittelfristig soll das jedoch der Fall sein, wie es im
Quartalsbericht heißt, so dass an dem Ausbau der Ressourcen festgehalten werde.
Nordex hat binnen eines Jahres die Zahl der Mitarbeiter um über 10% auf mehr
als 2.200 erhöht. Das führte in den ersten neun Monaten zu einem um fast 22 Mio
auf knapp 80 Mio EUR gewachsenen Personalaufwand. Bei einem Umsatzwachstum um
nur 4% auf 814 Mio EUR war das zu viel, um an die 4,8% an EBIT-Marge aus dem
Vorjahr anzuknüpfen. Diese lag in diesem Jahr bislang bei 2,7%.
Damit wird das letzte Vierteljahr 2009 zur Aufholjagd von Nordex. Der Umsatz
muss bei dem gesteckten Ziel um rund 8% im Jahresvergleich steigen, nachdem er
im dritten Quartal um über 4% rückläufig war. Der Vorstandsvorsitzende Thomas
Richterich gab sich in einer Telefonkonferenz dennoch optimistisch und verwies
darauf, dass das vierte Quartal traditionell das umsatzstärkste sei und die
Erlösprognose durch bestehende Aufträge gedeckt.
Dabei erwähnte Richterich erneut die Finanzierungsschwierigkeiten von Kunden,
die zu Verschiebungen von Aufträgen geführt hätten. Das habe sich in dem
weiterhin verhaltenen Bestellverhalten der Kunden bemerkbar gemacht. Im
Jahresverlauf seien mit 638,3 Mio EUR weniger neue Order eingegangen als im
Jahr zuvor, als Kunden für 796 Mio EUR Bestellungen aufgaben. Der
Auftragsbestand zum 30. September sank binnen eines Jahres um 1 Mrd auf 2,3 Mrd
EUR, wovon gut 700 Mio EUR feste Aufträge waren.
In der Frage von Finanzierungshürden rechnet Nordex erst im Verlauf des
kommenden Jahres mit Entspannung. Die Prognose für 2010 fiel deshalb vorsichtig
aus. Das Unternehmen erwartet eine Umsatzsteigerung im ein- bis niedrig
zweistelligen Bereich und eine verbesserte Marge.
Damit scheint Nordex nach Jahren des rasanten Wachstums auf gemäßigte Bahnen
einzuschwenken. Nach vier Jahren mit einem durchschnittlichen Wachstum von mehr
als 50% hat das Unternehmen in diesem Jahr ein Umsatzplus von rund 5% im Blick.
Und auch die Aussicht auf das nächste Jahr zeugt auf den ersten Blick nicht von
überbordendem Optimismus.
Robert Schramm, Analyst der Commerzbank, findet es "vernünftig, die Ziele
nicht zu hoch zu stecken, um dann nicht zu enttäuschen". Er verweist darauf,
dass sich die Prognose von Nordex im Rahmen der von Konkurrenten wie
Weltmarktführer Vestas genannten Ziele bewegt. "Der Markt steht nicht vor einem
unmittelbaren Wachstumsschub", erklärte Schramm. Insofern sei es folgerichtig,
dass die Branche den Blick auf das zweite Halbjahr 2010 richte.
Auch an der Börse stoßen die Zahlen und die neuen Ziele von Nordex auf
Wohlwollen. Im frühen Geschäft legt der Aktienkurs um fast 1% auf 11,00 EUR zu,
während der Technologieindex TecDAX mit fast 0,7% im Minus notiert.
Webseite: www.nordex-online.com
-Von Martin Rapp, Dow Jones Newswires; +49 (0) 211 13 87 214;
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