04.12.2010
HSH Nordbank: Millionenpoker und
Schmiergeldverdacht
Nonnenmacher fordert laut «Focus»
insgesamt 4,8 Millionen Euro. (Foto: dpa)
Hamburg (dpa) - Bei der
krisengeschüttelten HSH Nordbank wird
um eine Millionen-Abfindung des
scheidenden Chefs Dirk Jens
Nonnenmacher gefeilscht.
Nonnenmacher fordere insgesamt 4,8
Millionen Euro, berichtete der "Focus".
Die Summe beinhalte vier Millionen Euro aus
vertraglichen Ansprüchen und Boni zuzüglich
20 Prozent Verfahrens- und Anwaltskosten,
schrieb das Magazin und berief sich auf
Verhandlungskreise. Die Bank biete zwei
Millionen Euro.
Laut "Focus" soll eine Klausel festlegen, dass
der Banker die Abfindung bei einer
strafrechtlichen Verurteilung zurückzahlen
muss. Rückzahlungen bei nachgewiesenen
Rechtsverstößen ohne eine Verurteilung
lehne Nonnenmacher ab, hieß es. Die Bank
war am Samstag zunächst nicht für eine
Stellungnahme zu erreichen.
Außerdem gibt es bei der HSH Nordbank
einen Korruptionsverdacht: Es gebe Hinweise
darauf, dass die türkische Justiz mittels der
Sicherheitsfirma Prevent geschmiert worden
sein könnte, um einen Rechtstreit gegen
einen türkischen Reeder zu gewinnen,
berichtete die "Süddeutsche
Zeitung" (Samstag) und berief sich auf
interne Unterlagen und Aufsichtsratskreise.
Die HSH Nordbank hatte am Donnerstag
selbst Strafanzeige in dem Fall erstattet.
Laut "Spiegel" war der Vorstand der HSH-
Nordbank über die mutmaßlich kriminelle
Millionenzahlung an Prevent informiert. Dies
gehe aus dem Protokoll einer
Vorstandssitzung aus dem Juni 2009 hervor,
berichtet das Magazin. In diesem Protokoll
heiße es, Prevent sei gebeten worden, "über
ihr Netzwerk im Hintergrund Gespräche mit
der Politik und der Wirtschaft zu führen und
die wahrgenommene Einseitigkeit" in der
Türkei "aufzubrechen".
Hintergrund der Zahlung eines so genannten
"Teil-Erfolgshonorars" an Prevent in Höhe von
mehr als 3,5 Millionen Euro im April 2009 ist
laut den Presseberichten ein seit Jahren
anhängiger Rechtsstreit mit dem Reeder, der
eine Schadenersatzzahlung erreichen will.
Laut dem "Spiegel" hat der Reeder einen
vollstreckbaren Titel in Höhe von 80 Millionen
Dollar erwirkt. Die HSH Nordbank ist der
weltgrößte Schiffsfinanzierer.
Bei der Erstattung ihrer Strafanzeige "wegen
aller infrage kommenden Delikte" hatte sich
die HSH Nordbank am Donnerstag auf
Erkenntnisse berufen, die eine
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Rahmen
eines Compliance Audits - übersetzt: einer
Prüfung der Ordnungsgemäßheit - erlangt
hatte. Diese Prüfung war im Oktober vom
Vorstand der HSH in Auftrag gegeben
worden. Die Wirtschaftsprüfer hätten
Hinweise auf Handlungen erlangt, "die
potenzielle Anzeichen einer Untreue
beziehungsweise einer Bestechung von
Amtsträgern darstellen könnten", hatte die
Bank erklärt.
Der schleswig-holsteinische FDP-
Fraktionschef Wolfgang Kubicki reagierte
alarmiert auf die Bestechungsvorwürfe. "Der
Gedanke, dass eine Bank, die vor allem
Schleswig-Holstein und Hamburg gehört, in
eine Schmiergeld-Affäre involviert sein
könnte, ist unerträglich", sagte Kubicki dem
"Hamburger Abendblatt" (Samstag). Die
"Süddeutsche" zitierte Kubicki mit den
Worten: Man kann langsam den Eindruck
gewinnen, es war eine kriminelle Vereinigung
am Werk." Die Grünen im Landtag forderten
laut "Hamburger Abendblatt" ebenfalls
umgehend Aufklärung.
Unterdessen will der Parlamentarische
Untersuchungsausschuss (PUA) der
Hamburgischen Bürgerschaft zur HSH
Nordbank keine weiteren Zeugen mehr
befragen, wie der Sender NDR 90,3
berichtete. Somit muss auch der Banken-Chef
Dirk Jens Nonnenmacher, dessen geplante
Vernehmung am Freitag kurzfristig abgesagt
worden war, nicht mehr aussagen.
Hintergrund: Der PUA kann seine Arbeit
wegen der vorgezogenen Neuwahlen in
Hamburg nicht zu Ende führen und will nun
bis Januar einen Zwischenbericht vorlegen.
Weiter laufen gegen Nonnenmacher aber
noch Ermittlungen der Hamburger
Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der
Untreue im Zusammenhang mit den
umstrittenen "Omega"-Geschäften. Auch die
New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt, weil
dort ein HSH-Mitarbeiter Opfer einer Intrige
geworden sein soll.
Quelle: dpa-info.com GmbH