...Die Telekommunikationsbranche zählt die Überlebenden. Der britische Mobilfunkkonzern
Vodafone soll zu ihnen gehören - und
Nokia. In jüngster Zeit mehren sich auffallend die positiven Stimmen zum finnischen Handy-Hersteller. Unter der Führung des Chairman und Chief Executive Officer (CEO) Jorma Ollila habe das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren gezeigt, dass es wirtschaftlichen Turbulenzen trotzen kann, so das Fazit vieler Analysten. Dennoch, ein allzu hohes Kurspotenzial wird dem Handy-Giganten derzeit noch nicht zugetraut.
Dabei läuft die Fertigung im finnischen Salo auf vollen Touren. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang werden in dieser Fabrik Handys hergestellt. Salo trägt 25 Prozent zur globalen Produktion von Nokia bei. Noch vor einem Jahr wurden hier durchschnittlich lediglich sechs Tage die Woche gearbeitet. Insgesamt verlassen nahezu fünf Mobiltelefone jede Sekunde Nokias Fabriken. Nokia begründet die Geschäftigkeit mit einer steigenden Nachfrage aus Europa vor allem nach Farb-Displays und neuen Designs.
Salo macht Analysten an
Die Analysten von Goldman Sachs besuchten vor einigen Tagen die Fertigungshallen in Salo und waren beeindruckt. Sie bestätigten ihre "Outperform"-Empfehlung für die Aktie. Gleichzeitig bestätigten die Aktienstrategen ihre Gewinn-Prognose für 2003 von 0,90 Euro. Dies liegt 10 Prozent über der Konsensus-Schätzung.
Dabei ist es nicht nur die hochtourige Produktion, die bei Nokia überzeugt. Die Finnen halten ihre Lagerbestände gering. Auf Preiskämpfe lassen sie sich nicht ein. Im Vergleich zur Konkurrenz bauten sie in den vergangenen zwei Jahren relativ geringe 7600 Stellen ab. Schließlich arbeiteten sie an ihrer Angebotspalette. Kein anderer Wettbewerber könne beim Produktspektrum die Breite und Tiefe der Finnen anbieten, heißt es dann auch bei Analysten. Die Marke ist derzeit zweifelsfrei stark. Kein Wunder also, dass Nokia im laufenden Quartal einen weltweiten Rekord-Marktanteil von fast 40 Prozent erreichen soll.
Nokia-Barometer |
+++ Positiv +++ |
| starke Marke |
| weltweiter Marktanteil steigt auf fast 40 Prozent |
| starkes Balance Sheet |
| breite Produktpalette |
| geringe Lagerbestände |
| --- Negativ --- |
| kaum Wachstumsphantasie |
| Asien als Herausforderung |
| CDMA muss an Marktanteile gewinnen |
| allgemein schlechtes Sentiment für Technologieaktien |
| Aussichten für 2003 unsicher |
Quo vadis?
Auf dem ersten Blick klingt das natürlich klasse. Konkurrenten wie
Motorola,
Samsung,
Siemens und
Ericsson werden diese Stärke neiden. Doch gleichzeitig muss man sich die Frage stellen: Welche Höhen können da noch erreicht werden? Analysten schauen vor allem nach Asien. Mit einem 50-prozentigen Marktanteil ist die Luft in Europa einfach zu dünn geworden. Doch um Asien, vor allem den wichtigen Markt China, zu knacken, muss Nokia erfolgreicher mit der CDMA-Technologie sein.
CDMA ist eine Konkurrenztechnologie zur zweiten Mobilfunk-Generation GSM. Mit der dritten Generation (3G) konkurriert dann CDMA2000. Mit der Technologie CDMA hat Nokia lediglich einen Marktanteil von 10 bis 20 Prozent. Nach Aussagen des CEO Ollila muss sich dieser in der Zukunft verbessern. Denn vor allem in China werden CDMA-Produkte benötigt. Goldman Sachs erwartet, dass Nokias Marktanteil in China im kommenden Jahr zunächst noch fallen wird.
3G als Herausforderung
Und schließlich wartet da noch die Umwandlung auf die 3G-Technologie auf Nokia. Vor einigen Wochen trat das Unternehmen mit seinem ersten 3G-Handset, dem 6650, an die Öffentlichkeit. In der ersten Hälfte des kommenden Jahres sollen diese in den Läden erhältlich sein.
Dennoch, die Mehrheit der Analysten sieht Nokia als ein Unternehmen mit einer guten Produktpalette und einem starken Balance Sheet. 55 Prozent der von Multex Estimates befragten Analysten sagen "Buy", 24 Prozent "Hold" und 12 Prozent "Sell". Neben Goldman Sachs ist US Bancorp Piper Jaffray ein Fan der Finnen. Sie geben eine "Outperform"-Empfehlung mit einem Kursziel von 20 Dollar. Bei dem derzeitigen Kursniveau von 19,14 Dollar verspricht dies jedoch lediglich eine geringe Gewinnspanne von 4,5 Prozent.
Pessimisten sehen Kursziel von 11 Euro
SG Cowen sagt auf Grund der unsicheren Aussichten für 2003 lediglich "Hold" mit einem Kursziel von 11 Euro. Die Strategen von Standard & Poor's sind dann auch mutiger. Sie sehen mehr Risiken als Chancen und sagen "Avoid". Sie erwarten, dass der Umsatz 2002 um drei Prozent zurückgehen wird. Der Gewinn je Aktie sollte 0,69 Dollar liegen. Für das kommende Jahr prognostizieren sie dann einen Gewinn je Anteilsschein von 0,78 Dollar.