Noch kein Aufschwung in Schlüsselbranchen


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Noch kein Aufschwung in Schlüsselbranchen

 
11.02.02 23:56
Maschinenbau- und Elektroindustrie nicht so optimistisch wie Bundesregierung
Berlin - Die Schlüsselbranchen Maschinenbau und Elektro beurteilen ihre Lage skeptisch und erwarten nach eigenen Angaben 2002 kein Umsatzwachstum. Hingegen teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit, es rechne mit einer baldigen Wirtschaftserholung in Deutschland.

Die Verbände des Maschinenbaus (VDMA) und der Elektroindustrie (ZVEI) erklärten in Hannover, sie erwarteten in diesem Jahr kein Umsatzwachstum. Der Maschinenbau rechnet mit einem Minus von zwei Prozent, die Elektroindustrie sieht Wachstum erst wieder 2003. Ein großes Risiko sei die aktuelle Tarifrunde in der Metall- und Elektrobranche. Deutschland hinke der weltweiten Konjunktur hinterher, erklärten Vertreter der Verbände. Sie repräsentieren die beiden wichtigsten Ausstellerbranchen der weltgrößten Industrie-Messe in Hannover Messe, die am 15. April beginnt.

Nach VDMA-Angaben legte der Maschinenbau 2001 in Deutschland um drei Prozent auf 125 Mrd. Euro zu. Für 2002 sei aber mit einem Rückgang von Produktion und Umsatz von etwa zwei Prozent zu rechnen, sagte Thilo Brodtmann vom VDMA. Wenn die Konjunktur weltweit nicht wie erwartet anspringe, könne dies sogar noch schlechter ausfallen. Deutschland stehe damit im Maschinenbau europaweit 2002 zusammen mit Schweden und der Schweiz am Ende der Konjunkturerwartungen.

Für die Elektrobranche korrigierte der ZVEI seine bisherigen Umsatzangaben für 2001 erneut nach unten. Grund sei ein starker Einbruch in den beiden letzten Monaten des Jahres gewesen, sagte Geschäftsführer Gotthard Graß. Frühestens Ende 2002 sei mit einer Erholung zu rechnen. Im ersten Halbjahr sei ein Umsatzminus von bis zu zwei Prozent zum Vorjahr wahrscheinlich. Im zweiten Halbjahr könnte sich das Blatt aber allmählich wenden. "Nachhaltig günstigere Perspektiven sind allerdings erst für die dann folgende Periode ab 2003 zu erwarten", sagte Graß.

Dagegen schreibt das Bundeswirtschaftsministerium von einem zügigen Aufschwung. "Im ersten Vierteljahr des neuen Jahres könnte sich die Wirtschaftsentwicklung stabilisieren, um danach wieder in eine Aufwärtsentwicklung überzugehen", heißt es in der Internet-Ausgabe der "Wirtschaftsfakten" für Februar. "Die Talsohle des Konjunkturabschwungs dürfte damit überwiegend durchschritten sein." Die konjunkturellen Lichtblicke hätten sich im Januar weiter aufgehellt. Besonders das verbesserte Geschäftsklima deute daraufhin, dass im Frühjahr eine allmähliche Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft im Zuge einer Erholung der US-Wirtschaft in Gang komme.

"Das Ende des Konjunkturtales ist in Sichtweite gerückt, auch wenn die monatlichen Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten zunächst noch ungünstig erscheinen", heißt es in den "Wirtschaftsfakten" des Wirtschaftsministeriums. Anlass zum Optimismus böten auch die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten zum Jahresbeginn: Der Ölpreis halte sich auf niedrigem Niveau, mittel- und langfristige Zinsen seien nach wie vor niedrig, und der Preisauftrieb schwäche sich weiter ab.

Im Gegensatz dazu rechnet das Bundesfinanzministerium mit einer Erholung der Wirtschaft erst in der zweiten Hälfte des Jahres. Für das Gesamtjahr 2002 prognostiziert der Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung ein Plus von rund 0,75 Prozent. Im vergangenen Jahr betrug das Wachstum nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes 0,6 Prozent.

Beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Ottawa am Wochenende hatte sich auch Bundesbankpräsident Welteke optimistisch zu den Wachstumsaussichten in Deutschland geäußert. Das Schlimmste sei offenbar überwunden. Das Wirtschaftsklima habe sich verbessert. Es gebe Anzeichen für eine bessere Auftragslage der Unternehmen.
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