ich kenne die Firma nur von früher vor dem Börsengang. Von danach kenne ich nur die offiziellen Zahlen und Fakten aus denen man sich so seine Gedanken macht.
Ich will mal versuchen, es auf den Punkt zu bringen. Die Anzahl der Aufträge ist eigentlich egal. Aufträge bekomme ich, wenn ich der günstigste bin oder zumindest die wirtschaftlichste Anlage anbiete. Behaupte ich, dass meine die wirtschaftlichste ist, muß ich eventuell für die verkaufte Wirtschaftlichkeit haften. Das ist wohl in GB geschehen. Die Anlagen waren also nicht wirtschaftlich. Neubukow ist von Farmatic selbst als Growian der Biogasanlagen bezeichnet worden. Also auch nicht wirtschaftlich. Da fragt sich die Bank schnell, ob zukünftige Anlagen den wirtschaftlicher sind und ob die Berechnungen von Farmatic nicht realistisch waren und sind.
Ich denke mit ein paar geglückten Großprojekten wäre die Finanzierung kein Problem. Die Einnahmen (Strompreis) sind staatlich festgelegt. Das alleinige Risiko liegt also in den schlecht kalkulierten (kalkulierbaren?) Herstellungskosten und in der Zuverlässigkeit der Anlage. Die Biomasse muß natürlich auch organisiert werden. Wenn ich gute Referenzobjekte habe, die sich rechnen, geben (da bin ich sicher) auch Hamburger Banken gern Kredit. Sie tun es schließlich auch bei Windparks und Photovoltaikanlagen.
Mein ganz persönliches Fazit ist daher: Es fehlen wirtschaftliche Referenzanlagen. (Kann sein, dass ich mich täusche. Aber ich habe noch nichts gegenteiliges gehört). Bei Kläranlagen und dem Behälterbau sehe ich die Problematik in der Baukrise. Es erhält derjenige den Zuschlag, der der günstigste ist. Zur Zeit ist aber immer mindestens einer dabei, der den Auftrag auch ohne Gewinn ausführt. Nur, um nicht schrumpfen (entlassen)zu müssen. Hier im Norden ist zur Zeit am Bau, kaum Geld zu verdienen.
Die Idee, die hinter Farmatic-Biogas steckt mag gut und richtig sein. Es ist aber schwer den augenblicklichen Stand der Entwicklung zu erfassen. Beim Eurotunnel wußte man, wie weit man gegraben hatte und wie teuer jeder Kilometer wirklich war. Obwohl alles sehr viel teurer wurde, hat man trotzdem weiter gegraben. Wie ist es aber bei Farmatic? Sind es nur noch 10% der Wegstrecke bis zum Ziel. Oder sind es 50%. Ich habe keine Ahnung.
So blöd das klingt. Aber eigentlich habe ich erwartet, dass unsere Regierung in Schleswig-Holstein stärker einspringt. Wir haben hier ROT-GRÜN. Umweltpolitisch wäre es sogar äußerst effektiv. Ich denke Farmatic entwickelt ein Verfahren, um Biogas in Erdgasqualität zu verwandeln und ins allgemeine Erdgasnetz einzuspeisen. Wenn dem so ist, müßte es eigentlich massiv Fördermittel geben. Aber hier überläßt man es gern dem Mittelstand so etwas auf den Weg zu bringen. Die Großindustrie bekommt dann lieber Milliarden für Transrapid, Maut und so. Die haben einfach die bessere Lobby.
Ostarrichi, ich Deinen Frust gut verstehen. Hier ist nicht alles ganz logisch in Deutschland
fluxxi