Sehr geehrter Herr xx,
auch wir bei Roth & Rau sehen den Verlauf des Aktienkurses und sind darüber nicht erfreut. Man muss jedoch festhalten, dass wir als Vorstand nichts an unserer Strategie verändert haben, was eine solche Reaktion begründbar hervor rufen würde. Wir sind nach wie vor dabei den Konzern auf profitables Wachstum auszurichten und Kosten zu reduzieren.
Sicherlich sieht der Kapitalmarkt unsere Profitabilität mit wachsender Besorgnis, hier insbesondere unsere Fähigkeit, die eigenen Umsatz- und EBIT-Ziele für 2010 zu erreichen. Die Profitabilität in den alten Turnkey-Projekten ist es, die uns derzeit zu schaffen macht. Auch das After Sales Geschäft steuert im Augenblick noch nicht die Margen bei, die wir uns von diesem Segment versprechen. Das liegt besonders daran, dass wir bei der Einfuhr nach China den entsprechenden Abgaben unterworfen sind. Die Situation ist aber erkannt und wird sich in 2011 deutlich entspannen.
Ein weiterer Aspekt, der den ein oder anderen derzeit skeptisch auf unsere Aktie schauen lässt, sind die hohen aktivierten Eigenleistungen. So mancher meint zu sehen, dass wir unsere Gewinne nur hierdurch erwirtschaften. Das ist so aber nicht ganz richtig. Ja - wir aktivieren F&E Aufwand. Sofern er den Kriterien hierfür entspricht unterliegen wir nach den IFRS sogar einer Aktivierungspflicht. Somit wird der Aufwand über die Lebenszeit der Projekte (in der Regel 3-5 Jahre) verteilt und planmäßig abgeschrieben. Das verschafft uns planbares Abschreibungspotenzial für unsere hohen Anstrengungen auf diesem Gebiet. Die Tatsache, das wir einige unserer neuen Technologien bereits sehr erfolgreich zuletzt in Valencia vermarkten konnten, bestärkt uns in dieser Strategie. Ich unterstreiche bei dieser Gelegenheit in den Gesprächen mit institutionellen Investoren immer, dass unser Ansatz dennoch sehr konservativ ist. Sie sehen das insbesondere daran, wenn Sie unseren Goodwill mit dem der Peer Group im TecDax vergleichen. Hier stecken am Ende des Tages die wahren Risiken. Eine Goodwillabschreibung trifft Sie immer dann, wenn Sie ohnehin schon Probleme mit den Ergebnissen haben und das wird dann richtig schlimm für die Zahlen. Insofern sollte man bei dem Vergleich mit anderen Unternehmen, die jetzt von den Analysten favorisiert werden, auch solche Dinge in Betracht ziehen.
Das Unternehmen steht auf sehr soliden Füßen und ist Technologieführer (und zwar nicht nur durch erfolgreiches Marketing, sondern aufgrund der Tatsache, dass konzernweit etwa 10% unserer Mitarbeiter an neuen Prozessen für die Herstellung von hoch effizienten Solarzellen arbeiten). Wir werden in 2010 über 15% unseres Umsatzes in die Weiterentwicklung unserer Technologien investieren und die Konzernzentrale am Standort Sachsen festigen.
Die Finanzierung ist langfristig gesichert. Dazu trägt auch ein Kreditrahmen zu sehr günstigen Konditionen mit verlässlichen Bankpartnern bei. Weitere Verhandlungen laufen.
Die Auftragslage befindet sich auf Rekordniveau und wir denken, dass wir dieses Jahr die Auftragsbasis für eine profitable Auslastung 2011 bis weit in das übernächste Jahr bereits erreicht haben.
Wir befinden uns immer in einem Spannungsfeld zwischen unternehmerischen Chancen und Risiken. Dieses Jahr werden wir die alten Baustellen abarbeiten und uns weiter der Strukturierung des Konzerns verschreiben. Wir hoffen, dass jeder unserer Investoren diese -aus meiner Sicht vorübergehende- Schwächephase in der Aktie (der im Übrigen auch andere Unternehmen der Peer Group ausgesetzt sind) durchhalten kann. Die Fundamentaldaten Ihres Unternehmens Roth & Rau sind "in Ordnung". Das muss und wird auch langfristig in steigenden Kursen bzw. einem Wertzuwachs des Gesamtunternehmens Niederschlag finden.
Mit freundlichen Grüßen / best regards
Carsten Bovenschen
Mitglied des Vorstands (CFO
I spent a lot of my money on booze, birds and fast cars - the rest I just squandered". George Best