AUSBLICK: Lob und Tadel für Neusegmentierung des Aktienmarktes
Die Reform des Aktienmarktes stößt bei Marktteilnehmern auf geteiltes Echo. Ob die Deutsche Börse mit der am 1. Januar in Kraft tretenden neuen Börsenordnung tatsächlich das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann, halten viele Experten für fraglich. Während einige Börsianer die erhöhte Transparenz und die verschärften Sanktionsmaßnahmen hervorheben, sehen Kritiker in der Neuregelung lediglich einen "Etikettenschwindel".
Unternehmen können seit Ende November die Zulassung ihrer Aktien zum streng regulierten "Prime Standard Segment" beantragen. Neben diesem Segment wird es künftig den "General Standard" geben, für den nur das gesetzliche Mindestmaß gilt. Nur Unternehmen aus der Oberliga "Prime Standard" werden künftig in wichtigen Indizes vertreten sein. Neben dem Deutschen Aktienindex DAX handelt es sich um den TecDAX für Technologiewerte, den MDAX für mittelgroße Firmen klassischer Branchen und den SDAX für kleinere Unternehmen. Die Entscheidung darüber, wer in die einzelnen Indizes aufgenommen wird, trifft die Deutsche Börse Anfang Februar 2003. Die Neuzusammensetzung wird dann zum 24. März 2003 umgesetzt.
DAX BESTEHT WEITER AUS 30 WERTEN - MDAX WIRD VON 70 AUF 50 VERKLEINERT
Im DAX werden weiterhin die 30 größten deutschen Unternehmen notiert sein. Erstmals können dann Unternehmen aus dem ehemaligen Neuen Markt in den DAX aufsteigen. Der MDAX wird von 70 auf 50 Werte reduziert. Der neue TecDAX umfasst die 30 größten Technologiewerte. Der Auswahlindex NEMAX 50 wird Ende 2004 aufgelöst.
'NAME NEUER MARKT IST VERBRANNT'
Bei den Marktbeobachtern wird die Reform mit gemischten Gefühlen aufgenommen. "Der Name 'Neuer Markt' war durch die vielen Negativschlagzeilen im In- wie im Ausland verbrannt", sagte dit-Fondsmanager Matthias Born, der den Fonds Neue Märkte Europa verwaltet. Die Deutsche Börse werde dadurch, dass die Segmente unter die Börsenordnung fallen, anders als bei der bisherigen privatrechtlichen Regelung des Neuen Marktes bessere Sanktionsmöglichkeiten bekommen.
ETIKETTENSCHWINDEL: 'ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN'
Allerdings gibt es auch Kritiker der neuen Aktienmarktsegmentierung. So bezeichnet Marktstratege Robert Halver von der Privatbank Vontobel die Reform als "Etikettenschwindel". Die Deutsche Börse verfahre nach dem Motto "Alter Wein in neuen Schläuchen", schließlich dürften sich viele Neue-Markt-Werte im kommenden Jahr im TecDAX wiederfinden. "Man hätte viel früher eingreifen sollen", kritisierte Halver im Gespräch mit dpa-AFX. Während der Neue Markt als Marketing-Mittel funktioniert habe, dürfte der neue TecDAX international keine große Bedeutung erlangen.
Kritisch zeigt sich auch Stefan Müller, Fondsmanager bei der Activest: "Das Vertrauen der Anleger müssen die Unternehmen durch solide Zahlen, eingehaltene Prognosen und schlüssige Unternehmenskonzepte wieder erwerben." Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) bemängelt, dass bald Werte aus dem TecDAX in den DAX aufsteigen können. "Hätte es diese Möglichkeit bereits vor drei Jahren gegeben, wären Werte wie EM.TV oder MobilCom in den DAX geraten", warnte SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub. Er befürchtet für die Zukunft einen häufigeren Austausch der DAX-Mitglieder.
REGELN WERDEN VEREINHEITLICHT
Weitgehend begrüßt wird dagegen die Vereinheitlichung der Regeln durch die neue Börsenordnung. "Es ist wichtig, den Wald Neuer Markt zu lichten und in Premium Standard und General Standard einzuteilen", sagte Andreas Sauer von der Analystenvereinigung GAIP. Auch im internationalen Vergleich sei das ein Schritt in die richtige Richtung.
Ebenfalls zufrieden zeigt man sich bei Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Mit der Einführung des TecDax wird wieder eine unbelastete Basis zur Eigenkapitalbeschaffung für Technologie-Werte geschaffen", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Auch sei es sinnvoll, das Premium-Segment mit erhöhten Publizitätspflichten zu versehen. Damit könnte das Anlegervertrauen wieder zurückgewonnen werden./tw/mw/kro
--- Von Till Weber, dpa-AFX ---
Die Reform des Aktienmarktes stößt bei Marktteilnehmern auf geteiltes Echo. Ob die Deutsche Börse mit der am 1. Januar in Kraft tretenden neuen Börsenordnung tatsächlich das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen kann, halten viele Experten für fraglich. Während einige Börsianer die erhöhte Transparenz und die verschärften Sanktionsmaßnahmen hervorheben, sehen Kritiker in der Neuregelung lediglich einen "Etikettenschwindel".
Unternehmen können seit Ende November die Zulassung ihrer Aktien zum streng regulierten "Prime Standard Segment" beantragen. Neben diesem Segment wird es künftig den "General Standard" geben, für den nur das gesetzliche Mindestmaß gilt. Nur Unternehmen aus der Oberliga "Prime Standard" werden künftig in wichtigen Indizes vertreten sein. Neben dem Deutschen Aktienindex DAX handelt es sich um den TecDAX für Technologiewerte, den MDAX für mittelgroße Firmen klassischer Branchen und den SDAX für kleinere Unternehmen. Die Entscheidung darüber, wer in die einzelnen Indizes aufgenommen wird, trifft die Deutsche Börse Anfang Februar 2003. Die Neuzusammensetzung wird dann zum 24. März 2003 umgesetzt.
DAX BESTEHT WEITER AUS 30 WERTEN - MDAX WIRD VON 70 AUF 50 VERKLEINERT
Im DAX werden weiterhin die 30 größten deutschen Unternehmen notiert sein. Erstmals können dann Unternehmen aus dem ehemaligen Neuen Markt in den DAX aufsteigen. Der MDAX wird von 70 auf 50 Werte reduziert. Der neue TecDAX umfasst die 30 größten Technologiewerte. Der Auswahlindex NEMAX 50 wird Ende 2004 aufgelöst.
'NAME NEUER MARKT IST VERBRANNT'
Bei den Marktbeobachtern wird die Reform mit gemischten Gefühlen aufgenommen. "Der Name 'Neuer Markt' war durch die vielen Negativschlagzeilen im In- wie im Ausland verbrannt", sagte dit-Fondsmanager Matthias Born, der den Fonds Neue Märkte Europa verwaltet. Die Deutsche Börse werde dadurch, dass die Segmente unter die Börsenordnung fallen, anders als bei der bisherigen privatrechtlichen Regelung des Neuen Marktes bessere Sanktionsmöglichkeiten bekommen.
ETIKETTENSCHWINDEL: 'ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN'
Allerdings gibt es auch Kritiker der neuen Aktienmarktsegmentierung. So bezeichnet Marktstratege Robert Halver von der Privatbank Vontobel die Reform als "Etikettenschwindel". Die Deutsche Börse verfahre nach dem Motto "Alter Wein in neuen Schläuchen", schließlich dürften sich viele Neue-Markt-Werte im kommenden Jahr im TecDAX wiederfinden. "Man hätte viel früher eingreifen sollen", kritisierte Halver im Gespräch mit dpa-AFX. Während der Neue Markt als Marketing-Mittel funktioniert habe, dürfte der neue TecDAX international keine große Bedeutung erlangen.
Kritisch zeigt sich auch Stefan Müller, Fondsmanager bei der Activest: "Das Vertrauen der Anleger müssen die Unternehmen durch solide Zahlen, eingehaltene Prognosen und schlüssige Unternehmenskonzepte wieder erwerben." Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) bemängelt, dass bald Werte aus dem TecDAX in den DAX aufsteigen können. "Hätte es diese Möglichkeit bereits vor drei Jahren gegeben, wären Werte wie EM.TV oder MobilCom in den DAX geraten", warnte SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub. Er befürchtet für die Zukunft einen häufigeren Austausch der DAX-Mitglieder.
REGELN WERDEN VEREINHEITLICHT
Weitgehend begrüßt wird dagegen die Vereinheitlichung der Regeln durch die neue Börsenordnung. "Es ist wichtig, den Wald Neuer Markt zu lichten und in Premium Standard und General Standard einzuteilen", sagte Andreas Sauer von der Analystenvereinigung GAIP. Auch im internationalen Vergleich sei das ein Schritt in die richtige Richtung.
Ebenfalls zufrieden zeigt man sich bei Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Mit der Einführung des TecDax wird wieder eine unbelastete Basis zur Eigenkapitalbeschaffung für Technologie-Werte geschaffen", sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Auch sei es sinnvoll, das Premium-Segment mit erhöhten Publizitätspflichten zu versehen. Damit könnte das Anlegervertrauen wieder zurückgewonnen werden./tw/mw/kro
--- Von Till Weber, dpa-AFX ---