Neues aus dem Land der Volltrottel


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calexa:

Neues aus dem Land der Volltrottel

 
20.01.04 04:46
Wenn ich derzeit so die ganzen Marktkommentare zu den
Geschehnissen an den Devisenmaerkten lese, kann ich mir
stets ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Da
wertet der Euro binnen kurzer Zeit gegenueber dem Dollar
um sage und schreibe 50 Prozent auf, weil die USA ein
Leistungsbilanzdefizit und wir Europaeer einen Leistungs-
bilanzueberschuss haben. Nun will ich das keinesfalls
kleinreden. Normalerweise – und am historischen Kontext
gemessen – sollte ein Leitwaehrungsland dem Rest der
Welt seine Waehrung durch Kapitalanlagen und nicht
durch Warenkaeufe zur Verfuegung stellen. Hier betreten
wir also alle Neuland – und so richtig wohl ist mir
dabei auch nicht.

Doch einmal Hand aufs Herz: In wen wuerden Sie lieber
ihr Geld investieren? In einen jungen, dynamischen
Menschen, der seine Plaene, die manchmal genial,
manchmal das aber auch nicht sind, stets realisiert
und dabei allerdings teilweise etwas ueber seine Ver-
haeltnisse lebt? Oder lieber in einen alten Mann, der
eine gute Rente bezieht, tausend Ideen hat, aber
keine davon auch nur annaehernd umsetzen kann? Meine
Entscheidung ist klar. Und was fuer einzelne Menschen
gilt, sollte auch fuer Nationen und Waehrungsraeume gelten,
denke ich.

Man hat es hierzulande ja schon immer gewusst, doch
mit jedem Tag, der vergeht, tritt es deutlicher zu Tage.
So kann es mit Sicherheit nicht gehen! Nehmen wir nur
einmal das Beispiel der Apotheken: Die neue Kalkulations-
grundlage der Apotheken fuer verschreibungspflichtige
Medikamente in unserem Land lautet: Einkaufspreis plus
drei Prozent vom Einkaufspreis plus Festaufschlag
von 8,10 Euro.

Das bedeutet: Waehrend ueberall im Land, auf den Finanz-,

auf den Waren-, auf den Dienstleistungs- und sogar auf
den Arbeitsmaerkten auf Flexibilitaet und Marktloesungen
gesetzt wird, erlauben wir uns in einem so zentralen
Bereich wie der Versorgung mit Medikamenten weiterhin
ein Monopol mit Monopolpreisen, in denen auf jedes
Produkt 8,10 Euro aufgeschlagen werden – immerhin
fast 16 DM. Warum machen wir das nicht auch bei der
Fleischversorgung so? Jeder, der ein Pfund Wurst kauft,
zahlt einen Einheitspreis plus drei Prozent
plus 8,10 Euro. Der Lebensmitteleinzelhandel wuerde
sich freuen.

Es gibt keinerlei Grund, hier – wie in so vielen anderen
Bereichen auch – nicht auch auf den Markt zu setzen.
Ausser den Lobbyismus natuerlich. Alleine schon die
Gerechtigkeit spraeche dafuer: Entweder wir muessen uns
alle (und nicht nur die Schwachen und Wehrlosen) dem
Markt stellen – oder wir fuehren den Verteilungs-Sozialismus
fuer alle ein. Dass die einen sich im Markt beweisen muessen,
die anderen hingegen nicht, ist jedoch eine kaum mehr
tragbare Ungerechtigkeit.

Und wenn wir dabei noch betrachten, dass wir Europaeer
zunehmend vergreisen und immer mehr Medizin in Anspruch
nehmen, fuer all das jedoch kollektiv niemals auch nur
einen Pfifferling zurueckgelegt haben – wohingegen die
USA trotz heftiger Probleme einiger Pensionsfonds ein
gutes Polster und vor allem eine stimmige demografische
Entwicklung vorlegen koennen – dann erkennt man das
Geschehen an den Devisenmaerkten immer mehr als Kasperle-
theater.

Hier schlaegt der Kasper mit der Keule auf das Krokodil
ein und alle Zuschauer nicken gefaellig mit dem Kopf.
Mit der wirklichen Welt hat das allerdings wohl eher
nichts zu tun.

Quelle: doersam-briefe.de

So long,
Calexa
www.investorweb.de
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