Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Dafür braucht es neue
Antriebe und Technologien auch für den Luftverkehr. Nun haben die
Branche und die Politik konkrete Schritte dorthin vereinbart.
Berlin (dpa) - Bis 2030 will die Luftfahrtbranche mindestens
200 000 Tonnen nachhaltig erzeugtes Kerosin verwenden. Darauf haben
sich mehrere Ministerien sowie Verbände der Luftfahrt, der Industrie
sowie der Mineralölwirtschaft verständigt. Ein entsprechendes
Programm legten sie am Freitag in Berlin vor. Die vereinbarte Menge
entspricht demnach rund zwei Prozent des Verbrauchs aller von
Deutschland aus startenden Flugzeuge im Jahr 2019 sowohl ins Inland
als auch ins Ausland.
«Wir brauchen beim Thema Nachhaltige Kraftstoffe ein gemeinsames
Commitment der Regierung und der Industrie», sagte der
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen
Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow. «Das ist nun
geschehen.»
In dem gemeinsamen Fahrplan bis 2030 konzentrieren sich die
Beteiligten auf neue Antriebstechnologien in Form des sogenannten
Power-to-Liquid-Verfahrens (PtL). Vereinfacht beschrieben werden
dabei aus elektrisch gewonnenem Wasserstoff und dem Zusatz von CO2
flüssige Kraftstoffe erzeugt. Die Technologie gilt als teuer. Reine
Batterielösungen sind für den weltweiten Luftverkehr aber technisch
kaum denkbar.
«Wir haben bislang vor allem Testanlagen in kleinem Maßstab», sagte
von Randow. «Nun müssen wir schauen, was es bedeutet, wenn man solche
Anlagen in einer industriellen Größenordnung bauen soll.»
Eine weitere Herausforderung bleibt die Nachhaltigkeit. Denn
klimaneutral können PtL-Kraftstoffe nur sein, wenn auch der dafür in
großen Mengen benötigte Strom grün ist. «Nur mit der Nutzung von
Strom aus zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen kann der Ausstoß
klimaschädlicher Emissionen bei der Produktion selbst vermieden
werden», heißt es in dem Papier. Dafür müsste auch grüner Strom aus
den Ausland importiert werden, denn Deutschland könne den Bedarf
alleine nicht decken.
Um einen Markt für PtL zu schaffen, seien zudem Förderungen des
Bundes notwendig, betonte von Randow. Entweder stelle der Bund
Fördermittel bereit für das Inverkehrbringen eines solchen
Kraftstoffes Oder die Luftfahrtunternehmen kauften den Kraftstoff zu
Marktpreisen und könnten diese Mehrkosten etwa mit der
Luftverkehrssteuer verrechnen.