Nebenwerte verzeichnen im ersten Quartal Gewinnsprung
Kleinere Aktien hängen Standardwerte ab
Von Patrick Mönnighoff
Die Aktien der mittelgroßen deutschen Unternehmen stellen die Standardwerte in den Schatten. Allein im laufenden Jahr hat das Nebenwertebarometer MDax bereits rund elf Prozent zugelegt und damit seinen mittlerweile gut zwei Jahre anhaltenden Höhenflug fortgesetzt.
HB DÜSSELDORF. Der Standardwerteindex Dax kommt im selben Zeitraum nur auf ein Plus von knapp über fünf Prozent. Auf Zwei-Jahres-Sicht sind die Unterschiede noch deutlicher (siehe Grafik). Auch dass der MDax in den kommenden Tagen die symbolisch wichtige 6000-Punkte-Marke überspringen wird, gilt unter Finanzexperten als so gut wie sicher.
Angesichts dieser positiven Entwicklung halten einige Analysten die Nebenwerte bereits seit Monaten für deutlich überbewertet und läuten immer mal wieder das baldige Ende der Mid-Cap-Rally ein. Doch Berechnungen des Handelsblatts zeigen, dass die kräftigen Kursgewinne durchaus gerechtfertigt sind.
Nachdem mittlerweile 49 der 50 im MDax notierten Unternehmen ihre Zahlen zum ersten Quartal des laufenden Jahres veröffentlicht haben – nur der Automobilzulieferer Beru wird erst Ende Juni über den Geschäftsverlauf berichten –, zeigt sich ein eindeutiger Trend. Die Konzerne erwirtschafteten alleine in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres über 1,9 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von fast 53 Prozent. Auch die im Dax gelisteten Unternehmen konnten zwar im ersten Quartal weiter zulegen und verbuchten einen Gewinnanstieg. Dieser fiel mit 17 Prozent aber deutlich niedriger aus.
Zu den größten Gewinnern zählten unter den Nebenwerten der Anlagenbauer IWKA, der Baukonzern Hochtief, der Röhrenhersteller Salzgitter, der Holzverarbeiter Pfleiderer sowie der Luftfahrtkonzern EADS. Aber auch der Versicherer AMB Generali, Heidelberger Druckmaschinen, der Düngemittelspezialist K+S, der Automobilzulieferer Leoni sowie Schwarz Pharma konnten ihren Gewinn mehr als verdoppeln. Nur zehn Unternehmen mussten rückläufige Einnahmen verbuchen, wobei der Elektronikkonzern Medion die Negativliste klar anführt.
Trotz der zuletzt überwiegend guten Zahlen sind sich Analysten und Fondsmanager jedoch uneinig, ob sich der Höhenflug des MDax weiter fortsetzen wird. Im Vergleich zu den Standardwerten müsse die Outperformance nicht unbedingt anhalten, sagt Gillian Skinner, Fondsmanager bei der Investmentbank Schroders. Allerdings sehe er auch keinen Grund, warum sich die Nebenwerte deutlich schwächer entwickeln sollten.
Die Skeptiker verweisen auf die im Vergleich zum Dax niedrigere Dividendenrendite sowie die mittlerweile hohe Bewertung. Denn obwohl nicht nur die Kurse, sondern auch die Gewinne der Unternehmen in den vergangenen Monaten weiter stiegen, sind viele Aktien gerade im Vergleich zu den Standardwerten nicht mehr günstig. So liegt das für Ende 2006 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MDax mit 13 bereits zwei Punkte über dem Wert für den Leitindex.
Diese Argumente sind aber alles andere als neu. „Schon seit Jahren wird von einem Ende der Nebenwerte-Rally gesprochen, bisher ist es aber nicht eingetreten“, sagt Wolfgang Fickus, Anlageexperte bei der WestLB. Eine Trendwende zu Gunsten der Schwergewichte sieht er daher nicht.
Entscheidend wird aber sein, wie sich die Gewinne in der Zukunft entwickeln werden. Ein Vorteil der MDax-Unternehmen ist sicherlich, dass sie in der Vergangenheit nur selten enttäuschten. Christian Kahler, Analyst bei der DZ-Bank, rechnet dennoch damit, dass die Gewinndynamik in den kommenden Quartalen abnehmen wird.
Sogar ohne große negative Überraschungen sollte sich der MDax daher kaum mehr besser entwickeln können als der Dax, sagt Kahler. Er räumt den Nebenwerten auf Jahressicht genau wie den Standardwerten nur noch ein Potenzial von sechs bis sieben Prozent auf 6200 Punkte ein.
Auch die WestLB rechnet zwar damit, dass das Gewinnwachstum bei den Nebenwerten in den kommenden Quartalen nachlassen werde. Allerdings zeichne sich dasselbe Szenario auch für die Standardwerte ab. „Alles in allem bleibt auch in den kommenden Quartalen das Gewinnwachstum im MDax höher“, sagt Fickus. Das Nebenwertebarometer sollte seinen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Dax daher auch im laufenden Jahr verteidigen können.
HANDELSBLATT, Freitag, 03. Juni 2005, 07:00 Uhr
gruss
permanent
Kleinere Aktien hängen Standardwerte ab
Von Patrick Mönnighoff
Die Aktien der mittelgroßen deutschen Unternehmen stellen die Standardwerte in den Schatten. Allein im laufenden Jahr hat das Nebenwertebarometer MDax bereits rund elf Prozent zugelegt und damit seinen mittlerweile gut zwei Jahre anhaltenden Höhenflug fortgesetzt.
HB DÜSSELDORF. Der Standardwerteindex Dax kommt im selben Zeitraum nur auf ein Plus von knapp über fünf Prozent. Auf Zwei-Jahres-Sicht sind die Unterschiede noch deutlicher (siehe Grafik). Auch dass der MDax in den kommenden Tagen die symbolisch wichtige 6000-Punkte-Marke überspringen wird, gilt unter Finanzexperten als so gut wie sicher.
Angesichts dieser positiven Entwicklung halten einige Analysten die Nebenwerte bereits seit Monaten für deutlich überbewertet und läuten immer mal wieder das baldige Ende der Mid-Cap-Rally ein. Doch Berechnungen des Handelsblatts zeigen, dass die kräftigen Kursgewinne durchaus gerechtfertigt sind.
Nachdem mittlerweile 49 der 50 im MDax notierten Unternehmen ihre Zahlen zum ersten Quartal des laufenden Jahres veröffentlicht haben – nur der Automobilzulieferer Beru wird erst Ende Juni über den Geschäftsverlauf berichten –, zeigt sich ein eindeutiger Trend. Die Konzerne erwirtschafteten alleine in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres über 1,9 Mrd. Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist das ein Plus von fast 53 Prozent. Auch die im Dax gelisteten Unternehmen konnten zwar im ersten Quartal weiter zulegen und verbuchten einen Gewinnanstieg. Dieser fiel mit 17 Prozent aber deutlich niedriger aus.
Zu den größten Gewinnern zählten unter den Nebenwerten der Anlagenbauer IWKA, der Baukonzern Hochtief, der Röhrenhersteller Salzgitter, der Holzverarbeiter Pfleiderer sowie der Luftfahrtkonzern EADS. Aber auch der Versicherer AMB Generali, Heidelberger Druckmaschinen, der Düngemittelspezialist K+S, der Automobilzulieferer Leoni sowie Schwarz Pharma konnten ihren Gewinn mehr als verdoppeln. Nur zehn Unternehmen mussten rückläufige Einnahmen verbuchen, wobei der Elektronikkonzern Medion die Negativliste klar anführt.
Trotz der zuletzt überwiegend guten Zahlen sind sich Analysten und Fondsmanager jedoch uneinig, ob sich der Höhenflug des MDax weiter fortsetzen wird. Im Vergleich zu den Standardwerten müsse die Outperformance nicht unbedingt anhalten, sagt Gillian Skinner, Fondsmanager bei der Investmentbank Schroders. Allerdings sehe er auch keinen Grund, warum sich die Nebenwerte deutlich schwächer entwickeln sollten.
Die Skeptiker verweisen auf die im Vergleich zum Dax niedrigere Dividendenrendite sowie die mittlerweile hohe Bewertung. Denn obwohl nicht nur die Kurse, sondern auch die Gewinne der Unternehmen in den vergangenen Monaten weiter stiegen, sind viele Aktien gerade im Vergleich zu den Standardwerten nicht mehr günstig. So liegt das für Ende 2006 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MDax mit 13 bereits zwei Punkte über dem Wert für den Leitindex.
Diese Argumente sind aber alles andere als neu. „Schon seit Jahren wird von einem Ende der Nebenwerte-Rally gesprochen, bisher ist es aber nicht eingetreten“, sagt Wolfgang Fickus, Anlageexperte bei der WestLB. Eine Trendwende zu Gunsten der Schwergewichte sieht er daher nicht.
Entscheidend wird aber sein, wie sich die Gewinne in der Zukunft entwickeln werden. Ein Vorteil der MDax-Unternehmen ist sicherlich, dass sie in der Vergangenheit nur selten enttäuschten. Christian Kahler, Analyst bei der DZ-Bank, rechnet dennoch damit, dass die Gewinndynamik in den kommenden Quartalen abnehmen wird.
Sogar ohne große negative Überraschungen sollte sich der MDax daher kaum mehr besser entwickeln können als der Dax, sagt Kahler. Er räumt den Nebenwerten auf Jahressicht genau wie den Standardwerten nur noch ein Potenzial von sechs bis sieben Prozent auf 6200 Punkte ein.
Auch die WestLB rechnet zwar damit, dass das Gewinnwachstum bei den Nebenwerten in den kommenden Quartalen nachlassen werde. Allerdings zeichne sich dasselbe Szenario auch für die Standardwerte ab. „Alles in allem bleibt auch in den kommenden Quartalen das Gewinnwachstum im MDax höher“, sagt Fickus. Das Nebenwertebarometer sollte seinen Bewertungsaufschlag gegenüber dem Dax daher auch im laufenden Jahr verteidigen können.
HANDELSBLATT, Freitag, 03. Juni 2005, 07:00 Uhr
gruss
permanent