"Schwarzbuch" zeigt den Aktienmarkt als Narrenschiff
Skandale, Mißstände und Pleiten rund um das Börsengeschehen 2004 - SdK enthüllt Schattenseiten des deutschen Kapitalmarkts
von Daniel Eckert
Produktion von Glühkerzen im Ludwigsburger Werk der Beru AG
Foto: dpa
Berlin - In der berühmten Groteske "Das Narrenschiff" brandmarkt der frühneuzeitliche Dichter Sebastian Brant die Torheiten, Fehltritte und Laster seiner Zeitgenossen. Viele der Verfehlungen, die darin den Menschen des 15. Jahrhunderts nachgesagt werden, finden Anleger nun auch im "Schwarzbuch Börse 2004" der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wieder. Denn wie die Aktionärsschützer zeigen, sind die Skandale, Mißstände und Pleiten rund um das Börsengeschehen allzu oft der Ausfluß allzumenschlicher Schwächen.
Hart im Wind segelt nach Überzeugung der SdK zum Beispiel die Führungsriege des Automobilzulieferers Beru. Ende vergangenen Jahres nahm sich der US-Konkurrent Borg Warner vor, Beru zu übernehmen. Doch statt zumindest den Übernahmepreis hochzutreiben und damit die Interessen der Aktionäre zu vertreten, war die Beru-Führungsriege anscheinend mehr darauf bedacht, selbst nicht zu kurz zu kommen. So bezeichneten Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot von 67,50 Euro pro Beru-Aktie trotz vielfach anderweitiger Einschätzungen als fair und angemessen. Während die Kleinanleger laut SdK dadurch mit "einem Knochen abgespeist" wurden, ließen sich zwei Beru-Vorstandsmitglieder für die "erhebliche Mehrarbeit im Rahmen des Veräußerungsprozesses" vom Aufsichtsrat eine Sonderzahlung in Höhe von insgesamt schlappen 603 000 Euro zusprechen.
Ein weiterer Leichtmatrose des Börsen-Narrenschiffs ist sicherlich Borussia Dortmund. Bei der Kicker-AG schaffte es das Management nicht nur, eine Kapitalerhöhung durchzudrücken, bei der der Ausgabekurs der jungen Aktien über dem der alten lag und gleichzeitig ein Bezugsrecht auszuschließen, was auf eine partielle Enteignung der Altaktionäre hinauslief. Darüber hinaus wurde unter handverlesenen Investoren ein Booklet mit Zahlen verteilt, die "den Aktionären trotz Aufforderung weder während der Kapitalerhöhung noch anläßlich der Hauptversammlung zugänglich gemacht wurden." Aufschlußreich war auch das jährliche Aktionärstreffen, bei dem der Großaktionär Florian Homm sich nicht zu schade war, vor einem Mobbing gegen die Geschäftsführung der Gesellschaft zu warnen. Dabei hatten die BVB-Manager in nur drei Jahren 140 Mio. Euro Eigenkapital in 120 bis 150 Mio. Euro Schulden verwandelt. Bezeichnend für den Zustand der Aktionärkultur im Lande ist auch das Kölner Immobilienunternehmen CBB. Dessen Chef gelang es zwar nicht, eine ordentliche Bilanz vorzulegen, dafür raunzte er einen Aktionär während der HV an: "Halten Sie die Schnauze." Zum Ausgleich wußte er keine Auskunft zu geben über den Verbleib einer bescheidenen Summe von 400 Mio. Franken, die dem kriselnden Unternehmen hätte zufließen sollen. Das Geld sei "eine Legende wie der Yeti", so sein Kommentar. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Auch die Übernahme des Basischemie-Unternehmens Celanese durch den Finanzinvestor Blackstone verdient laut SdK schlicht das Attribut "skandalös". Ähnlich wie im Fall Beru priesen Vorstand und Aufsichtsrat das Übernahmeangebot als fair und angemessen - diesmal unterstützt durch eine Einschätzung der Investmentbank Goldman Sachs. Das Urteil der Goldmänner könnte allerdings dadurch getrübt sein, daß sie nicht nur als Berater bei der Übernahme fungierten, sondern nach Abschluß der Transaktion auch mit einem "Bonushonorar" von elf Mio. Euro belohnt wurden.
Skandale, Mißstände und Pleiten rund um das Börsengeschehen 2004 - SdK enthüllt Schattenseiten des deutschen Kapitalmarkts
von Daniel Eckert
Produktion von Glühkerzen im Ludwigsburger Werk der Beru AG
Foto: dpa
Berlin - In der berühmten Groteske "Das Narrenschiff" brandmarkt der frühneuzeitliche Dichter Sebastian Brant die Torheiten, Fehltritte und Laster seiner Zeitgenossen. Viele der Verfehlungen, die darin den Menschen des 15. Jahrhunderts nachgesagt werden, finden Anleger nun auch im "Schwarzbuch Börse 2004" der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wieder. Denn wie die Aktionärsschützer zeigen, sind die Skandale, Mißstände und Pleiten rund um das Börsengeschehen allzu oft der Ausfluß allzumenschlicher Schwächen.
Hart im Wind segelt nach Überzeugung der SdK zum Beispiel die Führungsriege des Automobilzulieferers Beru. Ende vergangenen Jahres nahm sich der US-Konkurrent Borg Warner vor, Beru zu übernehmen. Doch statt zumindest den Übernahmepreis hochzutreiben und damit die Interessen der Aktionäre zu vertreten, war die Beru-Führungsriege anscheinend mehr darauf bedacht, selbst nicht zu kurz zu kommen. So bezeichneten Vorstand und Aufsichtsrat das Angebot von 67,50 Euro pro Beru-Aktie trotz vielfach anderweitiger Einschätzungen als fair und angemessen. Während die Kleinanleger laut SdK dadurch mit "einem Knochen abgespeist" wurden, ließen sich zwei Beru-Vorstandsmitglieder für die "erhebliche Mehrarbeit im Rahmen des Veräußerungsprozesses" vom Aufsichtsrat eine Sonderzahlung in Höhe von insgesamt schlappen 603 000 Euro zusprechen.
Ein weiterer Leichtmatrose des Börsen-Narrenschiffs ist sicherlich Borussia Dortmund. Bei der Kicker-AG schaffte es das Management nicht nur, eine Kapitalerhöhung durchzudrücken, bei der der Ausgabekurs der jungen Aktien über dem der alten lag und gleichzeitig ein Bezugsrecht auszuschließen, was auf eine partielle Enteignung der Altaktionäre hinauslief. Darüber hinaus wurde unter handverlesenen Investoren ein Booklet mit Zahlen verteilt, die "den Aktionären trotz Aufforderung weder während der Kapitalerhöhung noch anläßlich der Hauptversammlung zugänglich gemacht wurden." Aufschlußreich war auch das jährliche Aktionärstreffen, bei dem der Großaktionär Florian Homm sich nicht zu schade war, vor einem Mobbing gegen die Geschäftsführung der Gesellschaft zu warnen. Dabei hatten die BVB-Manager in nur drei Jahren 140 Mio. Euro Eigenkapital in 120 bis 150 Mio. Euro Schulden verwandelt. Bezeichnend für den Zustand der Aktionärkultur im Lande ist auch das Kölner Immobilienunternehmen CBB. Dessen Chef gelang es zwar nicht, eine ordentliche Bilanz vorzulegen, dafür raunzte er einen Aktionär während der HV an: "Halten Sie die Schnauze." Zum Ausgleich wußte er keine Auskunft zu geben über den Verbleib einer bescheidenen Summe von 400 Mio. Franken, die dem kriselnden Unternehmen hätte zufließen sollen. Das Geld sei "eine Legende wie der Yeti", so sein Kommentar. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Auch die Übernahme des Basischemie-Unternehmens Celanese durch den Finanzinvestor Blackstone verdient laut SdK schlicht das Attribut "skandalös". Ähnlich wie im Fall Beru priesen Vorstand und Aufsichtsrat das Übernahmeangebot als fair und angemessen - diesmal unterstützt durch eine Einschätzung der Investmentbank Goldman Sachs. Das Urteil der Goldmänner könnte allerdings dadurch getrübt sein, daß sie nicht nur als Berater bei der Übernahme fungierten, sondern nach Abschluß der Transaktion auch mit einem "Bonushonorar" von elf Mio. Euro belohnt wurden.
