Napsters "Kinder" bedrohen weltweit die Musikindus


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sir charles:

Napsters "Kinder" bedrohen weltweit die Musikindus

 
22.03.02 11:37
Napsters "Kinder" bedrohen weltweit die Musikindustrie

Raubkopien und Downloads aus dem Internet reduzieren die Umsätze der Branche, obwohl der Musikkonsum weiter steigt.


WIEN (p. m.). Was MP3.com und Napster nicht geschafft haben, scheint den Nachfolgern mühelos zu gelingen: "Sie gefährden die Ertragslage der Musikwirtschaft", erklärte EMI-Austria-Geschäftsführer Erich Krapfenbacher Donnerstag bei einem Pressegespräch in Wien. Während nämlich der Musikkonsum weiter zugenommen habe, sei der Verkauf der Industrie stark gesunken. Bogdan Roscic, der von Ö3 kommende neue Österreich-Chef von Universal Music, sprach vom "Zusammenbruch einer Wertschöpfungskette".


Wie stark der Druck durch die "Piraterie" - Kopieren von CDs und Herunterladen aus dem Internet - ist, sieht Franz Medwenitsch, Generalsekretär des Branchenverbandes IFPI Austria, durch Zahlen belegt: Nach einer Studie von GfK-Fessel nähert sich die Zahl der leer gekauften und dann mit Musik bespielten Tonträger (noch zu mehr als 90 Prozent CD, aber mit schnell steigenden Mengen DVD) jener der gekauften Original-Tonträger immer mehr an. Unter den 2001 um acht Prozent auf insgesamt 35,5 Mill. angestiegenen Musik-CDs befanden sich bereits 15 Millionen "selbstgebrannte" (siehe Graphik). Der Anteil der aus dem Internet heruntergeladenen Musik hat sich im Vorjahr auf 34 Prozent verdoppelt.

Die Branche hat im Vorjahr 283 Mill. Euro (3,894 Mrd. S) umgesetzt, um 9,8 Prozent weniger als 2000. In den USA sei der Umsatz der Industrie sogar um zwölf Prozent geschrumpft, relativierte Krapfenbacher. Roscic sieht dabei "die totale Ausnahme von den Weltwirtschaftsregeln: Es gibt etwas gratis, und das gilt noch als schick."

Das wichtigste Kampfinstrument der Industrie sind gegenwärtig Klagen. Nachdem Prozesse gegen MP3.com und Napster gewonnen worden seien, laufe jetzt ein Musterprozeß der dritten Generation, so Medwenitsch. "Die illegalen Verbreiter von Musik lernen aus den Verurteilungen der Vorgänger dazu: Bei MP3.com stand Musik zum Herunterladen von einem Server bereit, die Nachfolger hatten nur noch Titelverzeichnisse, die Software Morpheus stellt nur noch Verbindungen her." Laut IFPI-Austria-Präsident Manfred Lappe (Österreich- und Osteuropa-Chef von Warner Music) verzeichnet schon ein einziger dieser Dienste 1,8 Mrd. Downloads pro Monat.

"Es ist eine Spirale losgetreten worden, die gefährlich ist", so Krapfenbacher. Als Reaktion werde EMI die Zahl der unter Vertrag stehenden Künstler "radikal verringern", da 80 Prozent der Produktionen nicht einmal den Gestehungspreis hereinspielten. Vom angekündigten 20prozentigen Personalabbau des Konzerns ist die kleine Österreich-Mannschaft laut Krapfenbacher mit fünf bis sechs Jobs betroffen.



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