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Napster, MP3 & Co. ade: Jetzt kommt Mojo!
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Ein Unternehmen aus dem Silicon Valley will mit dem
File-Sharing-System "Mojo Nation" das Netz revolutionieren.
Tauschfaule Cyberparasiten haben in dem dezentral
organisierten Dateidienst keine Chance.
Von Jochen A. Siegle
"Vergessen Sie Napster, Gnutella oder Scour", sagt Jim
McCoy. "Unser neuer Dienst wird nicht nur das
File-Sharing-Prinzip, sondern das gesamte Internet
revolutionieren und das Leben vieler Menschen verändern."
Der ehemalige Yahoo-Manager und Multimillionär spricht
dabei von seinem Programm Mojo Nation.
Während die File-Sharing-Konkurrenz derzeit um ihr
Überleben ringt, hat McCoys Firma Autonomous Zone
Industries (AZI) einen neuartigen virtuellen Marktplatz im
Internet entwickelt. Getauscht werden kann digitale Ware
jeglicher Art - seien es Audiodateien, Fotos, Videos,
Software oder einfach nur Textfiles.
"Mojo Nation ist ein sehr kompliziertes und gleichzeitig
völlig einfaches System", erklärt Firmensprecher Bill
Scannell den neuen Web-Tauschservice. "Im Gegensatz zu
Napster ist Mojo Nation nicht zentralserverorientiert und
daher wesentlich weniger anfällig für Attacken -
juristische ebenso wie technische." Die Umsetzung dieses
Prinzips bietet dabei noch nicht viel Revolutionäres, die
Open-Source-Entwicklung Freenet basiert etwa schon seit
Monaten auf dem sogenannten Peer-to-Peer-Verfahren (P2P).
Neu ist bei Mojo Nation dagegen, dass jeder Download etwas
kostet. Bezahlt wird dabei weder in Dollar noch in Mark,
sondern in "Mojo". "Mit dieser Währung gewährleisten wir
den freien Handel", erklärt McCoy. Studien hatten ergeben,
dass bei Online-Tauschbörsen der heutigen Generation der
Großteil der Nutzer nur Dateien herunterlädt, nicht aber
Digitalware zum Tausch anbietet.
"Mindestens 70 Prozent der Web-Datentauscher sind bislang
reine Parasiten. Und als Parasit hat man eben kein gutes
Mojo, sprich Karma," so der "AZI-CEO" McCoy. Mojos lassen
sich momentan nur verdienen, indem vor allem Dateien, aber
auch freier Speicherplatz auf der heimischen Festplatte
oder ungenutzte Bandbreite zur Verfügung gestellt werden.
"Das Mojo-Nation-System zerteilt die tauschbaren Dateien
in Tausende, mit Militärtechnologie verschlüsselte Stücke
und legt diese wiederum auf Tausenden Rechnern ab", erklärt
Scannell. Daraus ergibt sich entsprechend ein enormer
Bedarf an Speicherplatz und Bandbreite. "Erst wenn eine
Datei abgerufen wird, trägt das System dann wie eine
Ameisenkolonie das ganze Puzzle wieder zusammen", so
Scannell weiter. Entsprechend können Daten umso schneller
übertragen werden, je mehr Nutzer angeschlossen sind.
Ab Frühjahr sollen die Mojos auch in reales Geld
umtauschbar sein. Der Wechselkurs für das Cybermoney soll
sich rein marktwirtschaftlich an Angebot und Nachfrage
orientieren. "Wir sind die Bank und vermitteln gegen
Provision diejenigen User mit viel Mojo an diejenigen mit
wenig Mojo", erklärt McCoy. Die großen Scheine erhofft sich
der 31-Jährige, der bis jetzt 1,5 Millionen Dollar
investierte, allerdings aus einem gebührenpflichtigen
Mojo-Nation-Service für Unternehmen. "Verschiedene Firmen
haben bereits Interesse bekundet", so McCoy. Mojo Nation
befindet sich derzeit noch im Betastadium, erst rund 25.000
Nutzer testen das System. Mit tauschbaren Inhalten sieht es
entsprechend mager aus. "Das System hat einfach noch zu
wenig Ameisen", vertröstet Scannell zuversichtlich. "Der
ganze Organismus muss eben erst noch wachsen."
In der dritten Novemberwoche soll nun mit der Version 1.0
der offizielle Startschuss fallen. Copyright-Klagen der
amerikanischen Unterhaltungsindustrie sind vorprogrammiert.
In Mountain View sieht man einer möglichen Prozesswelle
allerdings gelassen entgegen: "Wir fühlen uns gut gewappnet
gegen juristische Attacken der Entertainment-Industrie,
denn das System separiert Daten und Inhalte voneinander",
erklärt McCoy. Seine Firma könne daher also gar nicht
nachvollziehen, ob jemand raubkopierte Britney-Spears-Songs
downloadet, legale Textdokumente tauscht oder Mojo Nation
nur als Back-up-System nutzt. "Wir bauen nur die Autobahn,
die ganze Kontrolle liegt lokal bei den Usern, die
entscheiden wie sie das System nutzen wollen", so McCoy.
Bei allem zur Schau gestellten Optimismus scheint man aber
dennoch auf Nummer sicher gehen zu wollen: Der offizielle
Firmensitz von McCoys Unternehmen liegt auf den Cayman
Inseln in der Karibik.
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(C) SPIEGEL ONLINE - 20. Oktober 2000, 15:34
Napster, MP3 & Co. ade: Jetzt kommt Mojo!
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Ein Unternehmen aus dem Silicon Valley will mit dem
File-Sharing-System "Mojo Nation" das Netz revolutionieren.
Tauschfaule Cyberparasiten haben in dem dezentral
organisierten Dateidienst keine Chance.
Von Jochen A. Siegle
"Vergessen Sie Napster, Gnutella oder Scour", sagt Jim
McCoy. "Unser neuer Dienst wird nicht nur das
File-Sharing-Prinzip, sondern das gesamte Internet
revolutionieren und das Leben vieler Menschen verändern."
Der ehemalige Yahoo-Manager und Multimillionär spricht
dabei von seinem Programm Mojo Nation.
Während die File-Sharing-Konkurrenz derzeit um ihr
Überleben ringt, hat McCoys Firma Autonomous Zone
Industries (AZI) einen neuartigen virtuellen Marktplatz im
Internet entwickelt. Getauscht werden kann digitale Ware
jeglicher Art - seien es Audiodateien, Fotos, Videos,
Software oder einfach nur Textfiles.
"Mojo Nation ist ein sehr kompliziertes und gleichzeitig
völlig einfaches System", erklärt Firmensprecher Bill
Scannell den neuen Web-Tauschservice. "Im Gegensatz zu
Napster ist Mojo Nation nicht zentralserverorientiert und
daher wesentlich weniger anfällig für Attacken -
juristische ebenso wie technische." Die Umsetzung dieses
Prinzips bietet dabei noch nicht viel Revolutionäres, die
Open-Source-Entwicklung Freenet basiert etwa schon seit
Monaten auf dem sogenannten Peer-to-Peer-Verfahren (P2P).
Neu ist bei Mojo Nation dagegen, dass jeder Download etwas
kostet. Bezahlt wird dabei weder in Dollar noch in Mark,
sondern in "Mojo". "Mit dieser Währung gewährleisten wir
den freien Handel", erklärt McCoy. Studien hatten ergeben,
dass bei Online-Tauschbörsen der heutigen Generation der
Großteil der Nutzer nur Dateien herunterlädt, nicht aber
Digitalware zum Tausch anbietet.
"Mindestens 70 Prozent der Web-Datentauscher sind bislang
reine Parasiten. Und als Parasit hat man eben kein gutes
Mojo, sprich Karma," so der "AZI-CEO" McCoy. Mojos lassen
sich momentan nur verdienen, indem vor allem Dateien, aber
auch freier Speicherplatz auf der heimischen Festplatte
oder ungenutzte Bandbreite zur Verfügung gestellt werden.
"Das Mojo-Nation-System zerteilt die tauschbaren Dateien
in Tausende, mit Militärtechnologie verschlüsselte Stücke
und legt diese wiederum auf Tausenden Rechnern ab", erklärt
Scannell. Daraus ergibt sich entsprechend ein enormer
Bedarf an Speicherplatz und Bandbreite. "Erst wenn eine
Datei abgerufen wird, trägt das System dann wie eine
Ameisenkolonie das ganze Puzzle wieder zusammen", so
Scannell weiter. Entsprechend können Daten umso schneller
übertragen werden, je mehr Nutzer angeschlossen sind.
Ab Frühjahr sollen die Mojos auch in reales Geld
umtauschbar sein. Der Wechselkurs für das Cybermoney soll
sich rein marktwirtschaftlich an Angebot und Nachfrage
orientieren. "Wir sind die Bank und vermitteln gegen
Provision diejenigen User mit viel Mojo an diejenigen mit
wenig Mojo", erklärt McCoy. Die großen Scheine erhofft sich
der 31-Jährige, der bis jetzt 1,5 Millionen Dollar
investierte, allerdings aus einem gebührenpflichtigen
Mojo-Nation-Service für Unternehmen. "Verschiedene Firmen
haben bereits Interesse bekundet", so McCoy. Mojo Nation
befindet sich derzeit noch im Betastadium, erst rund 25.000
Nutzer testen das System. Mit tauschbaren Inhalten sieht es
entsprechend mager aus. "Das System hat einfach noch zu
wenig Ameisen", vertröstet Scannell zuversichtlich. "Der
ganze Organismus muss eben erst noch wachsen."
In der dritten Novemberwoche soll nun mit der Version 1.0
der offizielle Startschuss fallen. Copyright-Klagen der
amerikanischen Unterhaltungsindustrie sind vorprogrammiert.
In Mountain View sieht man einer möglichen Prozesswelle
allerdings gelassen entgegen: "Wir fühlen uns gut gewappnet
gegen juristische Attacken der Entertainment-Industrie,
denn das System separiert Daten und Inhalte voneinander",
erklärt McCoy. Seine Firma könne daher also gar nicht
nachvollziehen, ob jemand raubkopierte Britney-Spears-Songs
downloadet, legale Textdokumente tauscht oder Mojo Nation
nur als Back-up-System nutzt. "Wir bauen nur die Autobahn,
die ganze Kontrolle liegt lokal bei den Usern, die
entscheiden wie sie das System nutzen wollen", so McCoy.
Bei allem zur Schau gestellten Optimismus scheint man aber
dennoch auf Nummer sicher gehen zu wollen: Der offizielle
Firmensitz von McCoys Unternehmen liegt auf den Cayman
Inseln in der Karibik.
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(C) SPIEGEL ONLINE - 20. Oktober 2000, 15:34
