Finanzierung der ntv-Telebörse im Kreuzfeuer der Kritik
Die Wirtschaftssendung «Telebörse» (n-tv) ist nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» mit der finanziellen Unterstützung mehrerer Unternehmen aufgebaut worden. n-tv-Chef Helmut Brandstätter bestätigte eine Unterstützung, erklärte jedoch, die Berichterstattung sei stets unabhängig gewesen. «Da herrscht eine klare Trennlinie», sagte er dem «Tagesspiegel».
Die «Telebörse» habe während der eineinhalb Jahrzehnte der Förderung «nicht mehr als 35 Millionen Mark» erhalten, berichtet Rüdiger Freiherr von Rosen, der Aufsichtsratschef der Deutsches Börsenfernsehen GmbH (DBF), der FAZ. «Die Leute sollten sich mit der Börse beschäftigen wie mit der Bundesliga», erklärte von Rosen, der heute Chef des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist.
Brandstätter betonte im «Tagesspiegel», die Sendung habe «die Aktienkultur in Deutschland» fördern sollen. «Unser Fehler war vielleicht, dass wir dieses Sponsoring am Anfang und am Ende der "Telebörse" nicht öffentlich gemacht haben.» Es habe jedoch in seiner Person «eine Firewall gegeben zwischen den Sponsoren und der Redaktion».
Für die Finanzierung der Show kamen nach FAZ-Informationen seit ihrem Start 1987 sechs Großbanken und drei Verlage auf, die sich eigens zur DBF zusammengeschlossen hätten: Deutsche Bank, Dresdner Bank, DG Bank, BHF-Bank, Commerzbank, DGZ sowie die Verlage Springer, Handelsblatt und Börsenzeitung. Über mehrere Stationen sei die Sendung 1994 von Sat.1 zu n-tv gewechselt. Seitdem seien an der DBF nur noch die Verlagsgruppe Handelsblatt, die Deutsche Börse AG sowie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) beteiligt.
Das Blatt zitiert von Rosen mit den Worten: «Die Basisarbeit der "Telebörse" hatte einen besonders hohen Anteil an der Popularisierung der Aktie.» Diese Multiplikatorenwirkung sei an der «eigentlich lächerlichen» Höhe der geflossenen Gelder nicht zu messen.
Für Siegfried Weischenberg, der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands, handelt es sich bei der Konstruktion nach Angaben der FAZ «um einen wesentlichen Verstoß gegen die Grundregeln des Journalismus». Der Redaktionsleiter Wirtschaft von n-tv, Rudolf Matter, sagte der dpa dagegen: «Es gab nie Einflussversuche von Unternehmen auf die Wirtschaftredaktion unter Bezugnahme auf angebliche Zahlungen.»