Mobilfunk: Warum die Umsätze weiter wachsen


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Nassie:

Mobilfunk: Warum die Umsätze weiter wachsen

 
05.07.03 13:31
"Die Zukunft gehört den Fotohandys"
Mobilfunk: Warum die Umsätze weiter wachsen. Interview mit Vodafone-Chef Jürgen von Kuczkowski.

ABENDBLATT: Der Start der neuen Mobilfunkwelt UMTS wurde immer wieder verschoben, auch von Vodafone. Wann geht es los?

KUCZKOWSKI: Die Technik wurde in ihrer Komplexität unterschätzt. Unsere Lieferanten mussten die Termine immer wieder aufkündigen. Deshalb habe ich aufgehört, einen Termin zu nennen. Wir wollen erst an den Start gehen, wenn die Qualität stimmt, zum Beispiel durch eine nahtlose Übergabe von Gesprächen aus dem herkömmlichen GSM-Netz ins neue UMTS-Netz.

ABENDBLATT: Kann UMTS noch ein Erfolg werden?

KUCZKOWSKI: UMTS wird schnell zum Massenmarkt werden, davon bin ich überzeugt. Denn es wird ja keine speziellen Tarife für UMTS geben, nur einzelne Dienste, die abgerechnet werden. Bei den Endgeräten wird die Preisentwicklung ähnlich verlaufen wie bei den Fotohandys. Die haben anfangs 300 Euro bei Abschluss eines Vertrages gekostet. Jetzt gibt es sie ab einem Euro.

ABENDBLATT: Wird Vodafone mit UMTS Geld verdienen?

KUCZKOWSKI: Wir werden die 8,6 Milliarden Euro teure Lizenz und die Technik wieder einspielen. Mit 23 Millionen Kunden haben wir eine gute Basis dafür.

ABENDBLATT: Was erwartet die Kunden in der UMTS-Welt?

KUCZKOWSKI: Mit bewegten Bildern und Videotelefonie kommen wir beim heutigen GSM-Netz langsam an die Grenzen. UMTS wirkt im Vergleich dazu wie ein Turbo. Die Daten werden schneller übertragen, es gibt mehr Bandbreite, mehr Kapazität. Auch die Sprachqualität wird besser sein.

ABENDBLATT: In diese Richtung geht der Dienst Vodafone Live, mit dem man auch Bilder versenden kann. Wie kommt das an?

KUCZKOWSKI: Wir sind an der oberen Kante unserer Erwartungen. Den Fotohandys gehört die Zukunft. Allein bis Ende Mai haben wir 860 000 Stück verkauft. Bis Ende 2003 werden wir deutlich mehr als eine Million absetzen.

ABENDBLATT: Thema Preispolitik. Einer der beiden kleineren Wettbewerber, E-Plus, lockt derzeit mit einem Tarif von drei Cent pro Minute für alle Anrufe ins Festnetz. Vodafone und T-Mobile verlangen dafür bis zu 49 Cent.

KUCZKOWSKI: Auch wir haben immer wieder günstige Angebote. Anders als bei anderen ist es für uns wichtig, dass alle Kunden, nicht nur Neukunden, davon profitieren können. Aktuelles Beispiel ist die Happy Hour: Wer im Ausland oder in Deutschland zwischen 21 und 22 Uhr mit dem Handy telefoniert, zahlt nur die Hälfte der Gebühren.

ABENDBLATT: Warum senkt Vodafone die Preise nicht?

KUCZKOWSKI: Wir müssen Geld verdienen, um in das Netz zu investieren. Allein in den letzten zwölf Monaten haben wir 1500 neue GSM-Stationen gebaut. Dazu hat sich die Technik seit Anfang der 90er-Jahre enorm entwickelt. Neue Dienste, neue Software - das alles kostet viel Geld.

ABENDBLATT: In anderen Ländern sind Handytelefonate günstiger.

KUCZKOWSKI: Dafür sind dort die Handys teurer. Das gilt etwa für Italien. Tatsache ist: Es gibt in Europa nur wenige Märkte, in denen die Handys so subventioniert werden wie in Deutschland. Hier werden Handys für einen oder 49 Euro angeboten, die sonst mehrere Hundert Euro kosten.

ABENDBLATT: Zum Telefonieren im Ausland. Hier muss man zahlen, wenn man angerufen wird.

KUCZKOWSKI: Das ist eine kundenfreundliche Lösung. Denn für den, der anruft, gilt immer der Inlandstarif. Ein Beispiel: Wenn Sie einen Freund anrufen, den sie drei Häuser weiter vermuten, der sich aber in Spanien oder Australien aufhält, wollen sie ja nicht beispielsweise 1,99 Euro für ein Auslandsgespräch bezahlen, sondern 39 Cent. Das heißt: Der Anrufer zahlt den Inlands-, der Angerufene den Auslandsanteil. Wäre das anders, gäbe es ein riesiges Reklamationspotenzial.

ABENDBLATT: Es gibt in Deutschland 60 Millionen Handynutzer. Kann Vodafone noch wachsen?

KUCZKOWSKI: Wir sehen noch Luft zum Wachsen für einige Jahre. Nicht nur, weil die Kamerahandys eine große Faszination ausüben. In Italien zum Beispiel gibt es 20 Prozent mehr Mobiltelefonierer als in Deutschland. Wir wachsen weiter und werden 2003 bis zu 400 Mitarbeiter einstellen.

Interview: MATHIAS EBERENZ

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