Mobilcom vor Überlebensentscheidung ?


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MrBoom:

Mobilcom vor Überlebensentscheidung ?

 
09.06.02 12:11
           

Die MobilCom-Story nähert sich ihrer Entscheidung
MobilCom, zusammen mit Bertrandt Geburtshelfer des Neuen Marktes, bekommt inzwischen die Kehrseite der Investorengunst zu spüren. Finanziell und geschäftlich nähert sich die Story ihrem kritischen Punkt.



MobilCom


WKN 662240
Branche Telekomdienstleister
Land Deutschland
Kurs bei Besprechung 12,50 Euro
Datum 20.02.2002

Das 1991 gegründete Unternehmen ist in den Bereichen Festnetz und Mobilfunk aktiv. Die im Dezember 1999 an den Neuen Markt gebrachte Tochter freenet.de gehört zu den führenden ISPs Deutschlands. Die Tochter topnet bietet Intranetlösungen für Unternehmen. Seit April 2000 ist France Télécom über die Mobilfunktochter Orange an MobilCom beteiligt.

Der Name MobilCom ist eng mit dem Neuen Markt verknüpft, er stand sogar lange Zeit synonym für den anfänglichen Erfolg des deutschen Wachstumssegments. Anleger, die eine Historie von fünf Jahren vorweisen können, werden sich noch an die fulminanten Kurssteigerungen in mehreren Schüben erinnern. Bislang gab es in jedem Jahr seit dem IPO im März 1997 einen Schub, der den Kurs auf jeweils neue Höhen trieb, in der Spitze bis auf 200 Euro vor zwei Jahren. 2001 deutete sich schließlich an, daß sich das norddeutsche Unternehmen womöglich mit dem Erwerb der 8,4 Mrd. Euro teuren UMTS-Lizenz überhoben haben könnte. Die Auswirkungen davon sind seit rund 1 ½ Jahren zu spüren – und in den Bilanzen mehr oder weniger abzulesen, vor allem aber in zukünftigen Bilanzen. Daß MobilCom aus bilanzkosmetischen Gründen die Lizenz erst mit dem Start des 3G-Netzes abzuschreiben beginnen will, sei nur am Rande erwähnt.


Unterschiedliche Töne
Mittlerweile ist es zur offenen Dissonanz mit Großaktionär France Télécom gekommen. Den Franzosen gehören 28,5 % an MobilCom, und sie verfügen über eine Kaufoption, MobilCom-Vorstandschef Gerhard Schmid nach 2003 seine Anteile abzukaufen. Schmid wiederum besaß bis vor kurzem ca. 40 % der Anteile, die er direkt und indirekt (über seine Frau) um ein paar Prozentpunkte aufstocken ließ. Angesichts des neuesten Kursverfalls dürfte allein diese Aktion der Schmid-Familie ein Minus im zweistelliger Millionenhöhe eingebracht haben. Dabei sollte der Kauf zusätzlicher Anteile genau das Gegenteil bewirken, nämlich einen höheren Aktienkurs zum Zeitpunkt der möglichen Vollübernahme durch die Franzosen. Denn Schmid verfügt seinerseits über eine Put-Option, seine Anteile an die Franzosen ab Herbst 2003 veräußern zu dürfen. Ein hoher Aktienkurs käme ihm sicher nicht ungelegen.

Doch France Télécom will sich rauswinden. Das wird deutlich, wenn man sich die Lage der Franzosen ansieht, und es wird noch deutlicher, wenn man die gemeinsame Pressekonferenz gesehen hat. Die Franzosen wollen die Aktienkäufe auf Herz und Nieren prüfen lassen. Sollte sich auch nur der leiseste Verstoß gegen die gemeinsame Vereinbarung nachweisen lassen, wäre das der Aufhänger, sich von der Kauf-Option verabschieden zu können. France Télécom scheint längst nicht mehr daran interessiert (und kann es sich finanziell de facto gar nicht leisten), ca. 15 Mrd. Euro an zusätzlichen MobilCom-Schulden zzgl. rund 2 Mrd. Euro Minus pro Jahr durch das norddeutsche Unternehmen zzgl. des Kaufpreises für das 40 %-Paket aufgeschultert zu bekommen. Die Franzosen drückt selbst der Schuh, und sie verkaufen, was nur irgend geht. In diesem Fall stünde MobilCom vor dem baldigen Aus.


Rückzug auf Raten – oder ein Ende mit Schrecken
Auf der gemeinsamen PK wurde ebenfalls deutlich, daß der linksrheinische Partner MobilCom offensichtlich nicht einmal beim Netzaufbau unterstützen will oder kann. Und da tut sich ein unangenehmer Verdacht auf: France Télécom läßt MobilCom fallen – dann wären „nur“ 3,5 Mrd. Euro abzuschreiben, der seinerzeitige Kaufpreis für das Aktienpaket. Das wäre die billigste Variante.

Für heute nachmittag wurde eiligst eine Aufsichtsratssitzung bei MobilCom einberufen. Hier wollen die Franzosen ein paar strittige Fragen geklärt wissen und darüber hinaus wohl auch ein neues Vorstandsmitglied „nach-installieren“. Der Franzose Vianney Hennes war Montag überraschend zurückgetreten. France Télécom will das Management an sich reißen – was wichtig wäre für den Fall, daß man aus der Kaufoption doch nicht herauskommt. Gerhard Schmid würde dann alsbald herausgedrängt werden bzw. „einvernehmlich“ ausscheiden. Was Michel Bon dann mit dem Büdelsdorfer Unternehmen vorhätte, steht in den Sternen.


Ausblick
Es wird extrem eng für den Ex-Highflyer des Neuen Marktes. Wie sich abzeichnet, plant France Télécom offensichtlich eine Zukunft ohne das deutsche Mobilfunk-Unternehmen. Bleibt die bange Frage, was dann aus MobilCom wird. Dann wird sich rächen, was GoingPublic Research schon mehrfach und frühzeitig kritisiert hatte: Hauptmanko bei dem Büdelsdorfer Konzern ist schließlich, daß keine Alternative zu UMTS existiert, kein Plan B da ist, wenn die Technik verspätet oder überhaupt keinen Anklang findet. Ohne Fremdfinanzierung wird es allerdings gar nicht erst zu einem Netzstart mit UMTS kommen. Anleger sollten sich diese Fallstudie eines Unternehmens, das seine Grenzen nicht rechtzeitig erkannt hat, nur aus der Ferne ansehen. Der Neue Markt dürfte schon in diesem Jahr wieder um eine Attraktion ärmer werden.

Gruss
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MrBoom:

Mobilcom Kursziel unter 3 Euro !!! o.T.

 
11.06.02 15:02
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MrBoom:

Mobilcom fällt peu a peu! o.T.

 
12.06.02 16:27
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