Mit dem Leid der anderen Geld verdienen


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Mit dem Leid der anderen Geld verdienen

 
22.01.02 06:27
Jede Katastrophe bringt ihre Profiteure hervor. Im Fall der Terroranschläge vom 11. September sieht es so aus, als ob sie einem Phänomen Auftrieb geben, aus dem zwei ganz unterschiedliche Seiten ihren Nutzen ziehen: Nach dem Motto "Tue Gutes und sprich drüber" haben Hunderte von US-Unternehmen den Patriotismus als perfektes Werbe- und Spendewerkzeug entdeckt. Sie verkaufen Freiheitsstatuen sowie Unterhosen, Tassen, Broschen, Jacken und Hüte bedruckt mit dem Muster des amerikanischen Sternenbanners und führen einen Teil der Erlöse an Hilfsorganisationen ab. Was für die Firmen ein gekonnter Werbefeldzug ist, bedeutet für die Wohltätigkeitsvereinigungen eine ungeahnte Flut von Einnahmen.

Das so genannte "zweckgebundene Marketing", bei dem Unternehmen ihre Werbung mit einem guten Zweck verbinden, hat die gesamten Einnahmen des Roten Kreuzes in den USA seit November vergangenen Jahres um knapp 190 Millionen Dollar auf 732 Millionen Dollar anschwellen lassen. Hinter dieser Summe stehen Marketing-Verträge mit einer ganzen Flotte von Unternehmen - 160 insgesamt. Dazu kommen noch einmal Spendendöschen in über 80 000 Geschäften, Restaurants und Banken.

Der neu gegründete "11.-September-Fonds" erwartet ebenfalls einen millionenschweren Geldregen aus den Erlösen von insgesamt 15 Marketing-Verträgen. Die Palette reicht von CD-Verkäufen bis zu Anstecknadeln für die olympischen Winterspiele in Salt Lake City. Zu den neuen Marketingtrendsettern gehört unter anderem das Warenhaus Hecht's. Es brachte bislang 132 000 US-Flaggen als Anstecknadeln unters Volk und sammelte damit 250 000 Dollar Spenden für verschiedene Hilfsorganisationen.

Doch ganz so neu ist diese Form der Werbung nun auch wieder nicht. Bereits seit 15 Jahren versehen amerikanische Firmen wohltätige Veranstaltungen mit ihrem Namen. So organisiert der Kosmetikvertrieb Avon jährlich die "Avon-Brustkrebs-Spaziergänge" und die Hypothekenbank Fannie Mae Foundation regeneriert mit ihrem "Hilf-den-Obdachlosen-Marsch" jährlich sechs Millionen Dollar für wohnungslose Mitbürger.

Umfragen belegen allerdings, dass die Verbraucher nach dem 11. September noch empfänglicher für solche Aktionen geworden sind. Doch der Erfolg neuer Marketing-Methoden in Verbindung mit den Terroranschlägen hinterlässt bei manchem einen bitteren Beigeschmack. Verbraucherschützer etwa monieren, dass Unternehmen versuchten, von einer Tragödie zu profitieren und dass die Hilfsorganisationen bei dieser Kooperation ihren guten Namen riskierten.

Auch die amerikanischen Behörden wollten dem zweckgebundenen Marketing bereits einen Riegel vorschieben. Bereits 1999 hat eine Gruppe von Staatsanwälten schärfere Vorschriften für Abkommen zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen gefordert, um zu verhindern, dass die Konsumenten in die Irre geführt werden.  

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