Metabox mit überraschender Gewinnwarnung
Neue Hiobsbotschaft am Neuen Markt
Unsicherheit im Wachstumssegment wächst weiter / Anlegerschützer: Jetzt platzen Luftblasen / Von Thiemo Heeg
Frankfurt – Nach der Gigabell-Pleite und den Querelen um Infomatec reißt die Serie der Hiobsbotschaften am Neuen Markt nicht ab. Die Metabox AG senkte jetzt ihre Gewinn- und Umsatzprognosen - zwei Wochen zuvor war noch von einem plangemäßen Geschäft die Rede. Damit verstärkt sich die Unsicherheit im Segment weiter.
Am frühen Morgen verschickte der Hildesheimer Hersteller so genannter Set-Top-Boxen für interaktives Fernsehen eine Pflichtmitteilung, die bei den Anlegern gar nicht gut ankam. Darin hieß es, dass man für das laufende Geschäftsjahr 70 Millionen DM Umsatz erwarte – im April war die Prognose noch auf 198 Millionen DM angehoben worden. Statt eines Gewinns von 14 Millionen DM rechnet die Technologie-Firma zudem mit 15 Millionen DM Verlust. Die Investoren reagierten prompt mit einer Verkaufsflut, der Kurs schloss mit einem Minus von 49,11 Prozent. Damit war das Papier, das im Juli mehr als 40 Euro gekostet hatte, gerade noch 7,15 Euro wert.
Experten zeigten sich zwar überrascht, aber kaum schockiert. „Die Entwicklung geht langsam aber sicher dahin, dass die eine oder andere Luftblase platzt“, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Den Anlegern müsse jetzt klar werden, dass es sich bei dem Wachstumssegment um einen Markt für Risikokapital handele und nicht um den „Dax im Maßstab eins zu zehn“. Der Aktionärsschützer kritisierte in diesem Zusammenhang die Banken. Sie seien zu sorglos mit der Frage umgegangen, welche Unternehmen sie an die Börse bringen. Den Investoren riet Kurz, bei der Aktienauswahl sehr kritisch zu sein. Unternehmen, die nicht schon ein bis zwei Jahresabschlüsse vorgelegt haben, sollte man eher meiden. Wichtig sei auch die Prognosesicherheit der Vorstände.
Gerade in diesem Punkt ist es bei Metabox offensichtlich nicht allzu weit her gewesen. M.M.-Warburg-Analyst Achim Fehrenbacher berichtete, er habe erst vor zwei Wochen vom Unternehmen die Auskunft bekommen, dass das Geschäft nach Plan verlaufe. Am 13. September hatte Metabox-Vorstandschef Stefan Domeyer in einem Interview des Fernsehsender n-tv am Umsatzziel von rund 200 Millionen DM festgehalten. Analyst Fehrenbacher nannte es nicht nachvollziehbar, dass sich eine solche neue Entwicklung in zwei Wochen ereignen könne. Das Investmenthaus M.M. Warburg ist Betreuerbank von Metabox und war neben der NordLB und Merck Finck Mitglied im Bankenkonsortium für den Börsengang. Fehrenbacher warf der Gesellschaft eine mangelhafte Informationspolitik vor. Das Vertrauen in das Unternehmen sieht der Analyst langfristig belastet, auch an den künftigen Planungen bestünden erhebliche Zweifel.
Metabox hatte die Korrektur der Geschäftsprognosen mit technischen Verzögerungen begründet. Bei der Konfiguration der TV-Set-Top-Boxen gebe es Probleme mit der eigenen Software und Abstimmungsschwierigkeiten mit einem Zulieferer spezieller Entschlüsselungs-Software. Damit könne ein vor Monaten gemeldeter Großauftrag für 500 000 Set-Top-Boxen erst Anfang 2001 realisiert werden. Die Panne bei der Produktion begründete Vorstand Domeyer auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Frankfurt mit der „Komplexität“ der Technologie. Die Serienproduktion sei jedoch vorbereitet und solle im Dezember beginnen. Für 2001 rechnet Metabox den Angaben zufolge weiter mit einem Umsatz von 600 Millionen DM. Auf SZ-Anfrage wies Domeyer den Vorwurf zurück, zu spät über die Probleme informiert zu haben. Die Korrektur der Geschäftsprognosen sei Ergebnis eines umfangreichen „Zusammentragens sämtlicher Fakten“ seit Montagmorgen.
Wertpapieraufsicht prüft
Ein Händler sagte, die Verunsicherung am Markt sei durch die Meldung sehr groß. Sie schade dem Image des Unternehmens und des Neuen Marktes. Ein anderer Händler sagte, die Börse sollte bei solchen Meldungen schneller reagieren und unseriöse Unternehmen vom Handel ausschließen. Von Seiten der Deutschen Börse hieß es, ein Ausschluss aus dem Segment sei im Fall eines gesetzeswidrigen Handelns möglich. Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel erklärte, man prüfe gegenwärtig, ob die Gesellschaft die Ad-hoc-Verpflichtungen einhält. Diese Regelung des Wertpapierhandelsgesetzes verpflichtet börsennotierte Firmen, kursrelevante Tatsachen sofort zu veröffentlichen. Nach Angaben einer Sprecherin läuft die Untersuchung gegen Metabox und weitere Neue-Markt-Unternehmen allerdings schon „ein bisschen länger“ und nicht erst seit Donnerstag.